Mieter suchen künftig mehrere kleine Läden statt einer einzigen Großfläche
Einzelhandelsmieten steigen bestenfalls in den Top-Lagen

„Wir verhandeln zurzeit noch zwei große Anmietungen in Berlin und Hamburg. Damit ist für Esprit das Kapitel Großflächen in Metropolen erst einmal abgeschlossen.“ Peter Becker, Inhaber der Düsseldorfer Global Retail Consulting, begleitet die Expansion des weltweit agierenden Bekleidungsunternehmens in Deutschland.

DÜSSELDORF. „Wir konzentrieren uns in Zukunft auf Flächen zwischen 300 und 800 Quadratmetern in Mittel- und Kleinstädten.“ Dieselbe Strategie verfolgt auch Schuhspezialist Ludwig Görtz. „Görtz verlässt die Expansion mit dem Tanker und steigt auf Schnellboote um“, beschreibt Oliver Bernhardi, Leiter Standortentwicklung des Hamburger Unternehmens die künftige Linie. Mit zwei neuen, kleinflächigen Vertriebsformen will der Filialist künftig sein Wachstum forcieren. Mehr, dafür kleinere Filialen heißt die Devise, sowohl in den klassischen innerstädtischen Einkaufslagen wie in Shoppingcentern. „Es gibt eben nur wenige Standorte, an denen man großflächige Einzelhandelskonzepte multiplizieren kann“, erklärt er den Grund für den Sinneswandel.

„Die Flächenexpansion der vergangenen Jahre wird sich in dieser Form nicht fortsetzen“, glaubt auch Gerhard K. Kemper, geschäftsführender Gesellschafter von Kemper’s Deutschland. Das auf die Vermittlung von Einzelhandelsflächen in 1a-Lagen spezialisierte Düsseldorfer Maklerhaus beobachtet bereits seit geraumer Zeit, dass die Nachfrage nach großflächigen Ladenlokalen in deutschen Einkaufsmeilen deutlich zurückgegangen ist. „Der Trend zur Polarisierung zwischen 1a-Lagen und B-Standorten hält hingegen unvermindert an.“ Wertsteigerungen erfahren derzeit nur noch die Top-Lauflagen der Innenstädte. Schon in den B-lagen müssten Abschläge hingenommen werden, alle anderen Einzelhandelsstandorte befinden sich offenbar im freien Fall. „Von ihnen hat sich der Einzelhandel so gut wie verabschiedet“, glaubt Experte Kemper.

Tatsächlich sind selbst große, traditionell standorttreue Einzelhandelsunternehmen spürbar sensibler geworden, wenn es ums Thema Lagequalität geht, wie das Beispiel der Kaufhof Warenhaus AG zeigt. Bereits vor 15 Jahren, so Vorstandsvorsitzender Lovro Mandac, habe sich der Konzern von seinem Immobilienbesitz getrennt und sei Mieter in den einst eigenen Häusern geworden. „Dies hat den Vorteil, das wir deutlich flexibler geworden sind“, sagt er. Erweise sich ein einstiger 1a-Standort heute bestenfalls noch als 1c-Lage, „dann sage ich einfach Sayonara.“ Und auch Esprit-Berater Becker überlässt bei der Standortentscheidung nichts mehr dem Zufall. Erst nach genauer Analyse von Kaufkraft, Passantenströmen und Wettbewerbssituation fällt die Entscheidung für oder gegen einen Standort: „Wir haben klare Zielvorstellungen davon, wo wir expandieren.“ Suche man 800 Quadratmeter in Mainz, sei selbst das verlockendste Angebot über 100 Quadratmeter in Erlangen keine Alternative.

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