Mietpreisbremse
Makler fürchten den Exodus

Die Makler laufen Sturm gegen die Pläne für die sogenannte Mietpreisbremse. Sie fürchten um ihr Geschäft und malen schwarz für die Zukunft der Branche. Die Hälfte des Umsatzes breche weg, so die Makler-Lobby.
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Lohmar-HausenSelten sorgte ein Gesetzentwurf für solch harsche Reaktionen wie die sogenannte Mietpreisbremse. „Hektische, an Populismus grenzende Betriebsamkeit“, bescheinigte etwa Manfred Binsfeld, Leiter Immobilienmarkt-Research bei Feri Eurorating den Koalitionären.

„Der Justizminister hat nun einen ersten Aufschlag gemacht, der noch unausgewogen ist“, befand die CSU-Landesgruppenchefin im Bundestag, Gerda Hasselfeldt. Der Hamburger Rechtsanwalt Thies Boelsen erklärte die Mietpreisbremse sogar kurzerhand für „verfassungswidrig“.

Vor allem Immobilienmakler fürchten das neue Gesetz, raubt es ihnen doch einen großen Teil der Geschäftsgrundlage. Vermieter sollen die Kosten für die Vermittlung ihrer Wohnung nicht mehr einfach auf die Mieter abwälzen können. Wenn das sogenannte „Bestellerprinzip“ Gesetz würde, müsste derjenige zahlen, der den Auftrag erteilt. In den meisten Fällen sind das aktuell die Mieter, auch wenn sie keine Bestellung abgegeben haben. Ob alle Vermieter in Zukunft freiwillig die Maklercourtage zahlen, ist eher fraglich.

Im Gesetzentwurf rechnet das Ministerium für Justiz und Verbraucherschutz jedes Jahr mit einer Einsparung der Maklercourtage in Höhe von 571,38 Millionen Euro. Auch wenn Immobilienexperten wie Manfred Binsfeld von Feri solche Prognosen als „sehr einfache Kalkulation auf der Basis von Annahmen, die nicht sonderlich realistisch sind“ und „reines Wunschdenken“ interpretieren - die Belastung für viele Makler dürfte enorm sein. „Entlassungen oder sogar Insolvenzen sind die Folge, vor allem, wenn das Kerngeschäft in der Vermietung liegt“, sagt Christian Osthus, Bereichsleiter Recht beim Immobilienverband Deutschland (IVD). „Man kann davon ausgehen, dass es insgesamt zu Umsatzverlusten von 50 Prozent kommt“.

Der Spitzenverband, der auch die Makler vertritt, hat im Gesetzesentwurf jetzt einen juristischen Haken gefunden, der die Auswirkungen für Makler noch drastischer erscheinen lassen, als bislang gedacht. „Die vorgeschlagene Regelung steht im krassen Gegensatz zu der Vereinbarung der Regierungsparteien im Koalitionsvertrag“, sagt Osthus. Nach dem Entwurf dürften in der Praxis fast ausschließlich die Vermieter die Provision zahlen. „Fälle, in denen der Mieter provisionspflichtig ist, sind nach der vorgeschlagenen Formulierung des Gesetzes rein theoretischer Natur und praktisch nicht denkbar“, sagt Osthus.

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • Ja genau. Einfach die Miete erhöhen. Das wiederum macht das Objekt weniger interessant für die Mieter, denn nicht alle vermieten mit einem Makler! Deshalb würden Vermieter wahrscheinlich keinen Makler mehr engagieren, bzw die (absolut ungerechtfertigten) Gebühren mächtig drücken.

    Die einzigen die von diesem Gesetz direkt und negativ betroffen sind, sind die Makler. Deshalb ist das Gejammer groß. Wenn eine Branche Gesetze braucht um zu überleben, dann finde ich es gut wenn sie abgeschafft werden. Schornsteinfegermonopol lässt grüßen.

    Wir sind nicht mehr im Mittelalter.

    Rabatte können nicht mit Maklergebühren verglichen werden. Das eine bekommt man das andere zahlt man. Schließlich weiß auch der Mieter nicht wie lange er dort wohnt.

    Suche Dir einen anderen Job, denn die Allgemeinheit wird Dir dein Gehalt bald nicht mehr zahlen.


  • "Der Vermieter darf seinen Aufwand berechnen und ihn auch bepreisen! Das erfolgt überall in der Wirtschaft im Endprodukt, hier in der Miete."

    Erstens ist der Aufwand bis jetzt noch nicht in die Miete eingepreist, wenn es bis jetzt der Makler gemacht hat. Wollte man ihn einpreisen müsste man die Miete also erhöhen.

    Zweitens bleibt das Problem, dass der Vermietungsaufwand einmal pro Mieter anfällt, während die Miete eine Zahlung pro Monat darstellt. Eine einmalige Zahlung wird dem mehr gerecht, als ein monatlicher Abschlag, bei dem sich Kurzzeitvermietungen nicht mehr lohnen und Langzeitmieter draufzahlen.

    "Stell Dir vor, vor'm Aldi steht ein Makler und will erst mal 10€ Eintrittsgebühr."

    Beim Supermarkt wäre das Pendant der Mengenrabatt. Wer große Stückzahlen kauft (entsprechend viele Monate mietet) bekommt das Stück (entsprechend Miete plus auf die Mietzeit umgelegte Provision) günstiger, als jemand der Dinge einzeln kauft. Der Unterschied ist nur, dass die Mietdauer vorher nicht bekannt ist und normalerweise der Mieter darüber bestimmt.

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