Milliarden aus Washington versickern
Häuser in den USA ohne Käufer

Die Regierung von Präsident Barack Obama hat vor vier Monaten 275 Mrd. Dollar (195 Mrd. Euro) bewilligt, um den krisengeschüttelten Häusermarkt zu beleben. Bislang mit wenig Erfolg. Die Banken vergeben so wenig neue Hypothekenkredite wie seit 13 Jahren nicht mehr.

NEW YORK. Infolge einer Welle von Zwangsversteigerungen stehen in den USA 2,1 Mio. Häuser leer. Käufer sind rar, und Unternehmer, die leerstehende Objekte vermarkten wollen, kommen kaum an Finanzierungen.

Auf der Fahrt durch die kalifornische Universitätsstadt Riverside zeigt Bruce Norris auf ein halbes Dutzend leerstehender Häuser mit „Zu verkaufen“-Schildern und ungemähtem Rasen. Investoren würden die Objekte erwerben, wenn die Banken bereit wären, Kredite zu vergeben, sagt Norris. Mit seiner Firma kauft er Häuser auf und renoviert sie, um sie dann weiterzuverkaufen oder zu vermieten. Inzwischen würden Investoren jedoch für die Preisblase am Häusermarkt mitverantwortlich gemacht und als Feind gesehen. „Das ist ein großes Problem für den Häusermarkt. Ohne die nötigen Finanzierungen werden viele Objekte weiterhin leerstehen.“

Im ersten Quartal haben die US-Banken so wenige Hauskredite ausbezahlt wie seit 1996 nicht mehr. Nach Angaben des Verbandes der Hypothekenbanken betrug das Kreditvolumen 131 Mrd. Dollar. Mehr als 50 Prozent der Banken haben im ersten Quartal die Kreditkonditionen für Kunden bester Bonität verschärft. Sie fordern höhere Raten oder mehr Eigenkapital. Dies schreckt viele potenzielle Käufer ab.

„Vor sechs Jahren waren die Standards recht locker, und vor zwei Jahren musste man nur einen Pulsschlag haben, um einen Kredit zu bekommen“, sagt Grant Stern, Hypothekenmakler und Inhaber von Morningside Mortgage Corp. in Miami Beach, Florida. „Inzwischen bekommen selbst Leute eine Absage, deren Eigenkapital so hoch ist wie die Kreditsumme.“

Obwohl die Häuserpreise im Mai um durchschnittlich 16,8 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums lagen, kam der Markt kaum in Bewegung. In den zwölf Monaten bis Ende Mai wurden nur 2,4 Prozent mehr Wohnimmobilien aus dem Bestand verkauft als ein Jahr zuvor.

Die Regierung fördert erstmalige Hauskäufer zwar mit einem Steuerrabatt von 8 000 Dollar und unterstützt einige Kreditnehmer bei der Abzahlung ihrer Hypotheken. Bislang zeige dies aber kaum Wirkung, sagt Eric Belsky, Direktor am Joint Center for Housing Studies der Harvard Universität. Volkswirt Andres Carbacho-Burgos von Moody’s Economy.com pflichtet bei: „Wir haben einen lausigen Arbeitsmarkt und einen Angebotsüberhang von einer Million Häusern. Das muss erstmal abgearbeitet werden.“

Die Arbeitslosigkeit stieg im Mai auf 9,4 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 26 Jahren. gelegen. Seit Januar 2008 sind in der weltgrößten Volkswirtschaft rund sechs Mio. Arbeitsplätze verloren gegangen. So stark hat sich der US-Arbeitsmarkt seit der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre nicht mehr eingetrübt. Die Zahl der Privatinsolvenzen lag im Mai 37 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Der Anteil der Hypothekenkredite, die in den Prozess der Zwangsvollstreckung eintreten, war im ersten Quartal mit 1,37 Prozent so hoch wie noch nie. Der Anteil der säumigen Hypothekenschuldner liegt beim ebenfalls beispiellos hohen Wert von 9,1 Prozent. „Vor Mitte 2010 wird die Talfahrt am Häusermarkt den Boden nicht erreichen“, prognostiziert Volkswirt Carbacho-Burgos. Für die amerikanische Gesamtwirtschaft ist aber eine Erholung des Häusermarktes dringend nötig, wie Harvard-Experte Belsky sagt.

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