Milliarden-Flop befürchtet
Investoren kritisieren Reits-Gesetz

Herbe Kritik am geplanten Reits-Gesetz: Experten halten den Entwurf für zu restriktiv um dem Kapitalmarkt den erhofften Anschub zu bescheren. Großinvestoren zeigen sich von der Einführung steuerbegünstigter Immobilienaktiengesellschaften in dieser Form unbeeindruckt.

FRANKFURT/BERLIN. Die erhofften Milliardenimpulse für den deutschen Kapitalmarkt durch die Einführung der steuerbegünstigten Immobilienaktiengesellschaften (Reit) werden nach Ansicht von Großinvestoren ausbleiben, wenn der Gesetzesentwurf nicht gelockert wird. Eine exklusive Umfrage der britischen Großbank HSBC hat ergeben, dass die Mehrheit der Profianleger den Gesetzesentwurf, der in dieser Woche den Bundestag passieren soll, als enttäuschend bewerten. „Das deutsche Reit-Gesetz ist im Vergleich zu dem in anderen europäischen Ländern zu restriktiv. Wenn das so bleibt, riskiert man eine Totgeburt“, sagte Guido Bunte, Fondsmanager des niederländischen Finanzkonzerns Fortis. Hauptkritikpunkte der von HSBC befragten Fondsmanager sind der Ausschluss von Wohnimmobilien, die Beschränkung auf mindestens zehn Jahre alte Gebäude und die eingeschränkten Möglichkeiten, Häuser auch wieder zu verkaufen.

Ein Real Estate Investment Trust (Reits) ist eine auf die Verwaltung von Immobilien spezialisierte Aktiengesellschaft, die es den USA und vielen anderen europäischen Ländern schon länger gibt. Die Reits werden auf Unternehmensebene nicht besteuert, wenn sie die Gewinne zu 90 Prozent ausschütten. Das Ziel des Gesetzgebers: die von Natur aus schwer handelbare Anlageklasse Immobilien am Kapitalmarkt besser zugänglich zu machen, den Konzernen den Verkauf ihrer Immobilienbestände zu ermöglichen und Geld für Zukunftsinvestitionen frei zu machen.

Banken und Finanzdienstleister hatten sich gute Geschäfte mit einem florierenden Börsengangs- und Beratungsgeschäft erhofft. Sollte das Gesetz an den Bedürfnissen der Profianleger vorbeigehen, fürchten sie einen Flop. „Es gibt schließlich einen Wettbewerb um Anlagegelder zwischen den Ländern“, sagte Bunte, der für Fortis Anlagegeld im Volumen von 2,7 Mrd. Euro disponiert. Die erhofften 200 Mrd. Euro Marktwert für deutsche Reits, seien mit dem Entwurf kaum zu erreichen.

Von den 91 Investoren, die HSBC befragt hat, nannten 60 Prozent den deutschen Gesetzesentwurf „unattraktiv“. Bei den auf Immobilien spezialisierten Anlegern waren es sogar mehr als 80 Prozent. „Der langfristige Erfolg hängt von diesen Spezialisten ab, denn die Generalisten werden sich aus der Anlageklasse wieder zurückziehen, wenn andere Teile des Kapitalmarktes attraktiver erscheinen“, sagte Peter Barkow, HSBC-Experte und einer der Autoren der Studie.

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