Milliarden-Investitionen in Gebäude
Allianz steht auf Immobilien

Darauf hat der Immobilieninvestmentmarkt gewartet: Die Allianz, Deutschlands größter Versicherer, kündigte am Rande der Immobilienmesse Mipim in Cannes an, binnen fünf Jahren weltweit rund zehn Mrd. Euro in Immobilien zu investieren. Und wer an sie verkauft, muss sich keine Sorgen machen, dass der Deal platzt, denn die Bank des Käufers spielt nicht mit.

CANNES. Die immobilien werden rein aus Eigenmitteln gekauft, sagt Stefan Brendgen, frischgebackener Geschäftsführer der Allianz Real Estate Deutschland GmbH. "Ziel ist es, die Immobilienquote von aktuell vier Prozent auf sechs Prozent zu erhöhen und das Portfolio geografisch stärker zu diversifizieren." Derzeit umfasst es Immobilien im Wert von 17,2 Mrd. Euro.

Zwar war allenthalben die Rede davon, dass eigenkapitalstarke Versicherer, Pensionskassen und andere Altersversorger, ihre Immobilienquoten erhöhen würden. Gleichzeitig kursierte die Befürchtung, dass die Immobilienquoten der Institutionellen nach den Kursverlusten am Aktienmarkt auch ohne Neuinvestitionen das gewünschte Ziel erreicht hätten.

Die Allianz stockt ihr Immobilienportfolio nicht nur auf, sie geht künftig auch anders damit um. Ihre neu aufgestellte Truppe von weltweit 450 Mitarbeitern, davon fast 150 in Deutschland, ist darauf ausgerichtet, durch An- und Verkäufe Immobilien zu drehen. Anders wären die ehrgeizigen Renditeziele auch gar nicht zu erreichen. "Wir peilen eine Gesamtrendite von neun bis zehn Prozent an", sagte Brendgen, der sein Geld vor acht Wochen noch als Deutschlandchef des US-Projektentwicklers Tishman-Speyer verdiente. Die gewünschte Performance sei nur durch eine aktive An- und Verkaufspolitik zu erreichen, sagt er.

Traditionell sind Versicherer Immobilieninvestoren, die ihre Gebäude über viele Jahre behalten und verwalten - so auch die Allianz. In den USA habe die Allianz erst zweimal investiert, in Asien noch gar nicht, deutet Brendgen an, wohin zukünftig Geld fließen wird. Allein sieben Mrd. Euro stecken in mehr als 300 Objekten in Deutschland und der Schweiz. "Hier werden wir tendenziell auch verkaufen", kündigte er an.

Das aktive Immobiliengeschäft will die neue Allianz Real Estate allerdings auch weiterhin weitestgehend selbst betreiben. Man werde nach wie vor überwiegend direkt statt indirekt über Fondsvehikel in Immobilien investieren, sagt Brendgen. Ausnahmen seien Investitionen in Märkte und Immobiliensegmenten, in denen man selbst keine oder wenig Erfahrungen habe - namentlich in Asien und bei Logistikimmobilien erwägt der Manager den erstmaligen Einstieg in indirekte Investments.

Auf den größten deutschen Versicherer trifft damit nicht zu, was Berater und Kapitalanlagegesellschaften seit geraumer Zeit als Trend ausgemacht haben wollen: den zunehmenden Rückzug institutioneller Anleger aus dem direkten Immobilieninvestment. "Vor allem bei neuen Investments gehen Institutionelle gern den indirekten Weg", beschreibt Hans-Dieter Martin, Geschäftsführer der LB Immo Invest, die Ergebnisse einer Studie zum Anlageverhalten institutioneller Immobilieninvestoren, die der Anbieter von Immobilienspezialfonds bei der Universität Leipzig in Auftrag gab. Und auch Tony Smedley, Europachef des britischen Immobilienfondsmanagers Invista, der größten börsengelisteten Gruppe der Insel - sieht Chancen, demnächst auch bei deutschen institutionellen Kunden Kapital einsammeln zu können .

Den deutschen Investmentmärkten wird dies vorerst kaum helfen: "Wir werden erst wieder einsteigen, wenn wir sehen, dass die Vermietungsmärkte funktionieren", sagt Allianz-Mann Brendgen. Das wird dauern - der Abschwung hat gerade erst begonnen.

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