Morgan Stanley und Goldman bieten gemeinsam
Canary Wharf steht vor Übernahme

Im Übernahmekampf um die Londoner Immobiliengesellschaft Canary Wharf formieren sich die Fronten: Für das Unternehmen um Gründer und Investor Paul Reichmann wollen die beiden Investmentbanken Morgan Stanley und Goldman Sachs nun gemeinsam bieten.

and LONDON. Außerdem wird eine Offerte der kanadischen Immobiliengruppe Brascan erwartet, die in den vergangenen Wochen ihren Anteil an Canary Wharf auf knapp 10 % aufgestockt hat. Erwartet wird ein Preis von rund 1,5 Mrd. £ (2,2 Mrd Euro).

Canary Wharf hatte bereits im Juni erklärt, man habe mehrere Angebote erhalten, aber keine weiteren Angaben gemacht. Unklar ist auch weiterhin, welche Rolle der 72-jährige Reichmann, der selbst 7,7 % der Aktien besitzt, spielen wird. „Ihm läuft langsam die Zeit davon“, so ein mit dem Deal beschäftigter Banker gestern. Reichmann werde aber kaum zusehen, wie sein Lebenswerk verkauft werde.

Die bislang als Rivalen in dem Poker geltenden Investmentbanken haben sich mit einem anderen Großaktionär von Canary Wharf, dem Investor Simon Glick aus New York, zusammen getan. Er hält 14,5 % an dem alten Hafengelände in London, das schon einige Krisenzeiten hinter sich hat. Canary Wharf war Anfang der achtziger Jahre in den heruntergekommenen Docklands als Konkurrenz zum Londoner Finanzdistrikt entstanden. Der einst als Visionär gefeierte Reichmann hatte dann die in Konkurs geratene „Glitzerstadt“ 1995 mit anderen Investoren für 800 Mill. £ gekauft.

1999 ging Canary Wharf für stolze 2,2 Mrd. £ (330 Pence pro Aktie) an die Börse. Neue Glaspaläste entstanden auf dem Gelände, Banken wie Citigroup, HSBC und Morgan Stanley mieteten sich ein. Allerdings geht inzwischen die jüngste Krise bei den Büromieten und die Entlassungswelle in der Finanzbranche auch nicht an der Retortenstadt spurlos vorbei: Der Leerstand in Canary Wharf steigt. Zudem wurde inzwischen bekannt, dass einige Mieter mit unüblichen Zusagen und Vergünstigungen angelockt wurden.

Analysten erwarten, dass die Gebote deutlich unter dem aktuellen Kurs von 265 Pence liegen dürften. Die sinkende Zahl der Offerten nach dem Schulterschluss von Morgan Stanley und Goldman Sachs reduziere den Preis. Viel hängt nun von Chairman Reichmann ab. Er musste bereits in der vergangenen Woche auf Druck der Londoner Finanzaufsicht sein Interesse darlegen. Jeder Kurs unter 310 Pence sei interessant, ließ er noch orakelhaft wissen.

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