München
Wo Leerstand ein Fremdwort ist

Wer in München eine Wohnung sucht, muss tief in die Tasche greifen - das gilt für Mieter ebenso wie für Käufer. Für Investoren hingegen ist die bayrische Landeshauptstadt dank eines relativ hohen Mietniveaus und Sicherheit bei der Verpachtung ein besonders lukrativer Markt.
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MÜNCHEN. Wirtschaftskrise hin oder her, die Mieten in München sind weiterhin die höchsten in ganz Deutschland. Und das mit deutlichem Abstand, wie eine Statistik des Immobilienberaters Jones Lang Lasalle (JLL) zeigt: Die Vermietungsanzeigen in den großen Zeitungen offenbaren eine Durchschnittsmiete von 12,40 Euro pro Monat und Quadratmeter (qm), während der Zweitplatzierte Frankfurt mehr als einen Euro günstiger liegt. Laut Analyseinstitut Gewos geben die Mieter in München daher fast 18 Prozent ihrer Kaufkraft für die Mietkosten aus - der bundesweite Spitzenwert.



Dennoch zeigen sich zunehmend Unterschiede auf dem Münchener Wohnimmobilienmarkt. Teurer werden offenbar bestimmte Größen, bestimmte Lagen und Eigentumswohnungen. Der Preisanstieg bei Mieten habe sich dagegen etwas verlangsamt. "Wer in München eine Eigentumswohnung kaufen möchte, der muss weiterhin tief in die Tasche greifen - vor allem bei Altbauten", sagt JLL-Wohnungsmarktexperte Stefan Mergen. Daran habe auch die Wirtschaftskrise nichts geändert.



Eher im Gegenteil: "In Krisenzeiten werden viele Aktienportfolios aufgelöst, und die Leute suchen sich eine sicherere Geldanlage", sagt auch Eva Romstätter, Sprecherin des Bauträgers JK Wohnbau in München. Vor allem Eigentumswohnungen für 200 000 bis 300 000 Euro seien begehrt. Eines der laufenden JK-Projekte wurde daher einige Monate früher auf den Markt gebracht, weil die Nachfrage insbesondere von Kapitalanlegern größer war als erwartet.

Im ersten Halbjahr 2009 stiegen die Kaufpreise um fast vier Prozent, zeigt die JLL-Statistik - auch deshalb, weil das Angebot trotz Krise knapp bleibt. Auch die riesigen Innenstadtflächen entlang der Achse Hauptbahnhof-Pasing-Laim, die nach der Aufgabe des alten Güterbahnhofs frei wurden, haben kaum zu einer Entspannung geführt, sagt Stephan Kippes, Geschäftsführer des Immobilienmarktforschers IVD-Institut. Denn gleichzeitig stiegen Bevölkerungszahl und Pro-Kopf-Wohnfläche.

Das Münchener Wohnungsamt stellt in seinem Wohnungsmarktbarometer außerdem fest: Die Erstbezugsmieten für Wohnungen mittlerer Größe sind nahezu konstant, während die Preise für kleine und große Wohnungen weiter klettern. Letztere finden sich vor allem in der Altstadt und in den besten Wohnlagen von Harlaching und Solln; Kleinwohnungen sind in der Maxvorstadt und in Schwabing überdurchschnittlich stark vertreten. Hier werden Spitzenmieten von 15 Euro/qm und mehr erreicht.

Das alles macht München zu einem lukrativen Markt für Investoren. "Die Preise sind auf einem für Münchener Verhältnisse vernünftigen Niveau", sagt Stephan Kippes vom IVD-Institut. München biete "ein relativ hohes Mietniveau" und die Sicherheit, dass sich die Immobilie langfristig zu guten Preis vermieten lasse. Das Wort "Leerstand" sei bei Wohnungen in München jedenfalls "ein Fremdwort."

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