Münchener Haushalte
Heimliche Hauptstadt der Singles

Die Hauptstadt der Singles – obwohl dieser inoffizielle Titel meist an Berlin vergeben wird, gibt es in München anteilsmäßig noch mehr Einpersonenhaushalte als in der Bundeshauptstadt. An der Spree beanspruchen die Singles lediglich 51 Prozent der 1,9 Mill. Wohnsitze, in der Isarmetropole sind es mehr als 55 Prozent der insgesamt rund 790 000 Haushalte.

HB MÜNCHEN. „Der Standort München bietet eine große kulturelle Qualität mit einem tollen Freizeitwert, und das zieht natürlich die kreative und hochqualifizierte junge Elite in die Stadt“, erklärt Franz Pesch, Professor für Städtebau und Regionalplanung an der Uni Stuttgart, die Anziehungskraft der Stadt auf die gut ausgebildete Gruppe der Zwanzig- und Dreißigjährigen. Diese Elite stellt traditionell einen großen Teil der Singlehaushalte. Damit die heiß begehrte Zielgruppe nicht ins Umland oder in eine andere Metropole abwandert, muss München darauf achten, weiter konkurrenzfähig zu bleiben: „Städteplanerisch arbeiten die Stadtväter bewusst daran, wie man zum Beispiel an der Debatte über den Metrorapid sieht, der in Zukunft die Innenstadt mit dem Münchener Flughafen weit draußen vor den Toren der Stadt verbinden soll“, sagt Pesch.

Experten rechnen damit, dass die Zahl der Alleinlebenden in der Bayernmetropole weiter hoch bleibt – und der Markt richtet sich zunehmend auf deren Ansprüche ein. Maklerfirmen werben gezielt mit dem Etikett „ideal für Singles“; die Suche bei Google fördert allein für München Hunderte Treffer zutage. Weil der Wohnraum knapper wird, prognostizieren Analysten steigende Mieten und Kaufpreise: „Wir steuern in den attraktiven deutschen Regionen auf eine Unterversorgung hin“, sagte Wolfgang Kubatzki vom Wirtschaftsforscher Feri Rating & Research dem Internetdienst Wallstreet Online. In den kommenden zehn Jahren sollen Schätzungen zufolge die Preise auf dem Münchener Wohnimmobilienmarkt um jährlich knapp neun Prozent anziehen.

Mit nur einem Einkommen rücken Eigentumswohnungen deshalb oftmals in weite Ferne. „Für Singles wird es immer schwerer, Eigentum in den attraktiven Lagen zu erwerben“, erklärt Sabine Feldmann, Gebietsleiterin beim Immobilienmakler Labusch. Vor allem in die jungen Gegenden wie Schwabing, Neuhausen und Maxvorstadt zieht es Kunden, die eine Wohnung für sich allein suchen. Aber gerade dort „steigen die Preise für sanierte Altbauobjekte ständig“, sagt die Immobilienfachfrau. „Und Neubauten gibt es hier kaum, weil der Platz fehlt.“

So nutzen die Stadtplaner die wenigen Möglichkeiten umso kreativer. Auf dem ehemaligen Güterbahnhof im Herzen der Stadt entstehen derzeit 1 000 Wohnungen für alle Einkommensschichten. Großer Pluspunkt: die gute Verkehrsanbindung mit gleich zwei eigenen S-Bahn-Haltestellen, ein wichtiges Entscheidungskriterium für viele Käufer. Wenn der Nahverkehr gut zu erreichen ist, steigt die Nachfrage sogar bei Objekten in weiter entfernten Stadtvierteln deutlich an, sagen Experten.

In München-Lehel können interessierte Wohnungssucher sogar ins Kloster gehen: Die Bayerische Hausbau rüstet einen Teil des 1725 erbauten St.-Anna-Klosters zu Eigentumsdomizilen zwischen 40 und 200 Quadratmetern (qm) Größe um, in bester Lage gleich neben der Luxusmeile Maximilianstraße und Wand an Wand mit den Münchener Mönchen, denn die wollen mit dem Erlös aus dem Wohnungsverkauf den ihnen verbleibenden Teil des Klosters erhalten.

Auf steigende Einnahmen setzen auch die Kapitalanleger, die sich zunehmend kleinere Objekte in attraktiven Lagen aussuchen. „Apartments sind lange unterschätzt worden und ziehen im Moment wieder deutlich an“, sagt Sven Keussen, Vorstandsmitglied des Immobilienverbands Deutschland (IVD) Süd. „Vor allem im hoch- und niedrigpreisigen Segment sind die Käufer im Moment sehr aggressiv, während es im mittleren Bereich noch eher ruhig bleibt.“

Die Standardgröße solcher Objekte liege zwischen 30 und 40 qm und bringe inzwischen vor allem in Innenstadtlagen wieder steigende Mieteinnahmen. Dass die Studentenzahlen an bayerischen Hochschulen in den kommenden Jahren wachsen sollen, könnte den Apartmentmarkt zusätzlich anheizen. Wenn allerdings die Kunden ihre Eigentumswohnungen nicht weitervermieten wollen, sondern selbst einziehen, ist Größeres gefragt, sagt Maklerin Sabine Feldmann: „Die begehrtesten Zuschnitte haben mindestens 55 qm und zwei bis drei Zimmer. Ein- oder Eineinhalbzimmerwohnungen laufen bei Eigennutzern dagegen nicht so gut.“

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