Münchner Immobilienmarkt
Nicht ohne meinen Mieter

Die Finanzkrise hat den Münchner Immobilienmarkt eingeholt. Prominentestes Beispiel ist der gegenüber der Münchner Messe geplante Büro- und Hotelkomplex „Take Off“, der angesichts zu geringer Vorvermietungen nun auf Eis gelegt wurde. Denn auch in München gilt: Geld für neue Projekte gibt es erst dann, wenn ein Nutzer gefunden ist.

MÜNCHEN. Eigentlich war schon alles in trockenen Tüchern für das Grundstück gleich gegenüber der Münchener Messe: Der Architekturwettbewerb war abgeschlossen, der Sieger prämiert, die Pressemitteilung herausgegeben. Unter Berücksichtigung von Feng-Shui-Prinzipien sollte hier ein großer Büro- und Hotelkomplex mit dem Namen „Take Off“ entstehen.

„Der Aspekt Wasser spiegelt sich entlang des Messesees auf das gesamte Ensemble“, lobte Bauentwickler Accumulata die Pläne noch im Oktober. Das Gebäude stelle „ein großes, ruhiges Vis-à-vis für den Haupteingang der Messe dar“. Inzwischen ist es um das Projekt allerdings noch wesentlich ruhiger geworden als den Verantwortlichen lieb ist. Der Baubeginn wurde nämlich auf unbestimmte Zeit verschoben, weil die Vorvermietungsquote noch zu wünschen übrig lässt. Jetzt wird das „Take Off“ wohl frühestens Anfang nächsten Jahres abheben.

Eines der prominenteren Beispiele dafür, wie die Finanzkrise den Münchener Immobilienmarkt eingeholt hat. Doch so offen wie Accumulata mögen andere nicht darüber sprechen, dass ihre Projekte erst einmal auf Eis liegen. Es herrscht zwar keine Endzeitstimmung, doch innerhalb weniger Monate ist man wesentlich vorsichtiger geworden, was große Bauvorhaben angeht. „Früher hätte man solche Projekte wie das Take Off einfach gebaut, anstatt erst auf die Mieter zu warten“, sagt Christine Ryll, die die Branche für das Fachblatt „Immobilien-Zeitung“ beobachtet. „Leerstände zu verkaufen war in München bislang nie das Problem.“

Davon sind die Banken als Geldgeber inzwischen nicht mehr überzeugt. Sie stellen an die Bauträger jetzt hohe Anforderungen, bevor sie ihnen neue Darlehen geben, sagt Björn Holzwarth vom Bankhaus Ellwanger & Geiger. „Wenn ein Investor nicht mindestens eine Vorvermietung von 40 bis 50 Prozent nachweisen kann, dann gibt die Bank den Kredit nicht frei.“

Viele Institute verlangten sogar zusätzlich noch einen hohen Eigenkapitaleinsatz von bis zu 30 Prozent des Finanzvolumens. „Vor einem Jahr hätten noch zehn bis 15 Prozent ausgereicht, und in Toplagen war eine Finanzierung sogar komplett ohne Vorvermietung möglich“, sagt Holzwarth.

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