Musikhalle
Ehrgeiziges Projekt in Hamburg Karolinenviertel

Der Hamburger Stadtteil St. Pauli soll eine neue Attraktion bekommen: Auf dem Gelände der ehemaligen Rindermarkthalle soll ein Veranstaltungszentrum entstehen, in dem Konzerthallen und Einzelhandel Platz finden sollen. Eine besondere Aufgabe wird es sein, das Zentrum in den studentisch-multikulturellen Stadteil zu integrieren.

HAMBURG. Es ist eines der letzten Filetstücke der Stadt: das 31 000 Quadratmeter große Gelände im Hamburger Szene-Stadtteil St. Pauli, auf dem eine Rindermarkthalle aus den 1950er Jahren steht. Noch verkauft hier ein Lebensmitteldiscounter seine Ware. Doch der Mietvertrag läuft 2011 aus. Dann soll hier nach den Wünschen des Bezirksamtes ein Veranstaltungszentrum entstehen. Ob das ehrgeizige Projekt realisiert wird, hängt auch davon ab, was aus der alten Halle wird, die als Industriedenkmal ausgewiesen ist.

Zwischen dem Schanzen- und dem Karolinenviertel, nur einen Steinwurf vom Stadtzentrum entfernt, ist eine Mischnutzung geplant, "bestehend aus Konzerthalle und Einzelhandel", wie Bezirksamtschef Markus Schreiber erläutert. Das Amt, Stadtplaner, Investoren und Musikschaffende würden hier am liebsten ein Veranstaltungszentrum für rund 4 000 Menschen entstehen lassen. Name: St. Pauli Music Hall. Neben der Color-Line-Arena mit rund 11 000 Plätzen, der Alsterdorfer Sporthalle mit 7 000 Plätzen und den zwei Großsälen Fabrik und Docks mit jeweils etwa 1 500 Plätzen wäre die mittelgroße Musikhalle perfekt positioniert. Ein städtebaulicher Ideenwettbewerb läuft. Die Euphorie von Künstlern und Musikschaffenden an der Elbe wird jedoch von Frank Pieter Hesse, Leiter des Denkmalschutzamtes, gedämpft: "An einen Abriss der Halle des einstigen Zentralviehmarkts ist aus Sicht der Denkmalpflege nicht zu denken." Hesse hat zum Kahlschlag eine Alternative in der Tasche: "Music-Hall-Nutzung, Denkmalerhaltung und Solarenergiegewinnung können hier gleichzeitig realisiert werden." Seiner Ansicht nach könnte man auf dem nach Süden gerichteten Hallendach Solarmodule zur Energiegewinnung installieren.

Die Hamburger Stadterneuerungsgesellschaft (Steg) befürwortet eine neue Musikhalle. Gerade erst wurde direkt gegenüber dem Gelände ein Teil des einstigen Schlachthofes saniert. Im "Karostar" sitzen Start-up-Unternehmen der Musikbranche. Steg-Sprecher Rüdiger Dohrendorf: "Eine Musikhalle mit angeschlossenem Einzelhandel würde perfekt passen."

In den vergangenen fünf Jahren wurde zwischen S-Bahnhaltestelle Sternschanze und Heiligengeistfeld viel gebaut. Im Wasserturm im Schanzenpark entstand ein Luxushotel (Mövenpick), rund um den Fernsehturm kamen neue Messehallen dazu - mit "schweren Einschnitten für das Karoviertel", wie Dohrendorf sagt. Er wünscht sich in Zukunft weniger Mammutprojekte. Derzeit entsteht auf dem Schlachhofgelände ein Restaurant für den Starkoch Tim Mälzer. Das Lokal wird "kein Luxusrestaurant", versichert Dohrendorf. Das studentische, multikulturelle Flair des Viertels solle schließlich erhalten bleiben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%