Nach dem Umzug der Bundesregierung
Bonn sonnt sich im Erfolg

Als vor genau zehn Jahren die Umzugswagen mit den Akten der Bundesregierung von Bonn nach Berlin rollten, wurden am Rhein auf einen Schlag Tausende Quadratmeter Büro- und Wohnfläche frei: Ministerien, Botschaften, Bundestagsgebäude sowie Privatwohnungen von Beamten, Journalisten, Lobbyisten und Diplomaten. Und Bonn hatte ein neues Image: Die Stadt, in der die Lichter ausgehen. Doch alles kam anders:

BONN: „Das Überraschende war, dass sich der Immobilienmarkt auch in der Phase des Umzugs preislich stabil weiterentwickelt hat“, sagt Stadtbaurat Werner Wingenfeld. Einen Leerstand bei Büros habe es Ende der 1990er Jahre praktisch gar nicht gegeben. Und das ist bis heute so geblieben, stellt Ralph-Peter Pass, Vorsitzender des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) Region West, fest. Die Leerstandsquote bei Büroimmobilien beträgt laut Bonner Wirtschaftsförderung derzeit vier Prozent. „Was die Nachfrage betrifft, ist Bonn heute sogar einer der besten Immobilienstandorte Deutschlands“, sagt Pass.

Das bestätigt auch die jüngste Studie der Deutschen Gesellschaft für Immobilienfonds (Degi), die 67 Immobilienstandorte unter die Lupe nahm. Dort landet die ehemals als „Bundesdorf“ bespöttelte Stadt gleich hinter München, Stuttgart und Köln auf Platz vier.

Die gute Entwicklung habe Bonn natürlich auch den Ausgleichszahlungen des Bundes von rund 1,4 Mrd. Euro zu verdanken, sagt Thomas Beyerle, Leiter der Abteilung Research bei Degi. Zehn Jahre nach dem Regierungsumzug zeige sich aber, dass der Subventionseffekt durch echtes Eigenwachstum abgelöst worden sei. „Hier ist ein positiver Strukturwandel geglückt“, lobt Beyerle. Heute gibt es in Bonn sogar zwölf Prozent mehr Arbeitsplätze als zur Zeit des Umzugsbeschlusses 1991. Rund 90 Prozent der Beschäftigten arbeiten im Dienstleistungssektor. „Bonn wird mittlerweile geprägt durch innovative IT-Firmen“, sagt die Chefin der Wirtschaftsförderung, Victoria Appelbe.

Zugpferde dieses Wandels waren vor allem die Deutsche Post, die Postbank und die Deutsche Telekom. Die Konzerne beschäftigen in Bonn zusammen rund 22 000 Menschen. Ihre Zentralen haben sie im Zentrum und am Rande des ehemaligen Regierungsviertels neu errichtet. Das sorgte in dem Viertel, in dem mittlerweile rund 38 000 Menschen arbeiten, für einen regelrechten Bauboom. Denn die Konzerne seien Magnet für die Ansiedlung zahlreicher mittlerer Unternehmen gewesen, sagt Appelbe. Diese Firmen spielten auf dem Immobilienmarkt eine immer größere Rolle. Der Trend gehe daher zu kleinteiligen Flächen unter 500 Quadratmetern (qm). „Das haben die Investoren erkannt“, beobachtet Appelbe.

Repräsentative Büroflächen für diese Klientel entstehen derzeit unter anderem auf dem Gelände der ehemaligen Portland-Zementfabrik direkt am Rheinufer gegenüber dem früheren Regierungsviertel. Am neuen Bürostandort „Bonner Bogen“, wo bis zum kommenden Jahr 150 000 qm Bruttogeschossfläche für Büros, Einzelhandel und Gastronomie fertiggestellt werden, werden insgesamt 4 000 Menschen arbeiten. Mit Monatsmieten von 16 bis 17 Euro pro qm Bürofläche werden dort für Bonner Verhältnisse Spitzenmieten verlangt. Im benachbarten Köln kosten vergleichbare Top-Lagen allerdings 21 Euro Monatsmiete. Im Vergleich zu Standorten wie Köln seien die Immobilienrenditen in Bonn daher nach oben begrenzt, sagt Degi-Experte Beyerle. Dafür zeichne sich der Standort durch seine Stabilität aus. In Bonn ließen sich bei geringem Risiko langfristig gute Renditen erzielen.

Dafür spricht auch, dass Bonn zu den wenigen Städten mit wachsender Bevölkerung gehört – nach Berechnungen des Statistischen Landesamtes von heute 316 000 auf 353 600 Einwohner im Jahr 2030. Stadtbaurat Wingenfeld rechnet deshalb auch künftig im Wohnungssektor mit einem „Knappheitsmarkt“.

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