Nachgefragt: Harald Simons
"Das eigene Heim ist der Königsweg"

Das Handelsblatt stellt sechs Fragen zum Eigenheim an Harald Simons, Vorstand der Empirica AG. Die Empirica AG berät die Wohnungswirtschaft und -politik.

Handelsblatt: Sollte eine Familie mit einem monatlichen Nettoeinkommen von 3000 bis 4000 Euro zur Altersvorsorge ein Eigenheim bauen oder eine Immobilie als Kapitalanlage erwerben?

Simons: Einer Familie mit einem Einkommen in dieser Höhe kann ich nicht empfehlen, eine zu vermietende Wohnung zur Altersvorsorge zu kaufen. Das Risiko eines Mietausfalls ist viel zu hoch. Wer sich darüber im Klaren ist, dass er mit dem Bau oder Kauf einer selbst genutzt Immobilie eine Entscheidung fürs Leben trifft, beschreitet damit den Königsweg zur Altersvorsorge.

Worin besteht der Vorteil des Eigenheims gegenüber anderen Altersvorsorge-Anlagen?

Die Eigenheimrente aus der selbst genutzten Immobilie ist eine Altersvorsorge, von der ich sofort profitiere, indem ich in ihr wohne. Außerdem zwingt der Kauf eines Eigenheims zum Sparen, um die Raten für das Haus zahlen zu können. Das Vermögen der Selbstnutzer ist dadurch im Rentenalter viel höher als das der Mieter. Renditevergleiche mit anderen Anlagen machen deswegen keinen Sinn. Außerdem: Die Freude über das eigene Haus lässt sich nicht messen.

Mit welchen Risiken muss ein Eigenheimerwerber rechnen?

Das größte Risiko ist die Ehescheidung, das zweitgrößte der Arbeitsplatzverlust. Beide Fälle können dazu führen, dass das Haus unter Wert verkauft werden muss. Wegen der hohen Erwerbsnebenkosten enden vor allem Verkäufe binnen fünf Jahren mit einem Verlust.

Welche Rolle spielt die Eigenheimzulage bei der Entscheidung über den Hausbau?

Sie führt zu riesigen Mitnahmeeffekten. Es wird ein bisschen größer oder luxuriöser gebaut. Nur einkommensbedingte Schwellenhaushalte würden nach ihrer Abschaffung zurückhaltender. Drei, vier Jahren nach der Streichung würden auch sie wieder etwas für ihren Geldbeutel finden, weil kleinere und preiswertere Häuser angeboten würden. Fazit: Die Eigenheimzulage gehört abgeschafft.

Sollte es staatliche Anreize geben, um die Altersvorsorge per Eigenheim zu fördern?

Grundsätzlich: Nein! Wir sollten uns davon verabschieden, alles, was gut ist, zu fördern. Aber den Erwerbern sollte es möglich sein, ihr gesamtes Vermögen einzusetzen. Das Entnahmemodell der Riester-Rente sollte auch für betriebliche Altersvorsorge gelten.

Ab wann ist es zu spät, um den Lebensabend durch mietfreies Wohnen abzusichern?

Je älter der Hauskäufer ist, desto mehr Eigenkapital braucht er oder desto schneller muss er tilgen. Die Wohnungsbaukredite sollten etwa fünf Jahre vor dem Erwerbsaustritt zurück gezahlt sein, damit noch Zeit bleibt, liquides Vermögen anzusammeln.

Die Fragen stellte Reiner Reichel.

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