Nachgefragt: Hartmut Schwesinger
Rückkehr in die City

Hartmut Schwesinger ist Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Frankfurt GmbH. Im Interview erklärt er, worin er die Stärken der Stadt sieht und was er sich von der Fußball-WM 2006 verspricht.

Handelsblatt: In Frankfurt stehen derzeit 1,3 Millionen Quadratmeter Büroflächen leer. Kränkelt die Kernstadt?

Hartmut Schwesinger:Der Büroimmobilienmarkt strotzt nicht mehr vor Kraft wie noch zu Beginn des Jahrzehnts. Aus dem Boom sind wir fröhlich in den Leerstand gestolpert. Aber man muss differenzieren. Rund 40 Prozent der nicht vermieteten Flächen sind wohl nicht mehr marktgerecht, weil sie nicht mehr dem heutigem Standard entsprechen oder schlicht am Bedarf vorbei entwickelt wurden. Andererseits gab es in der jüngeren Vergangenheit eine ganze Reihe von Großvermietungen, etwa an internationale Anwaltskanzleien, die zeigen: Es geht eine ganze Menge in dieser Stadt.

Worauf führen Sie das zurück?

Die zurzeit niedrigen Mieten erleichtern die Ansiedlung von Unternehmen. Wir spüren eindeutig eine wachsende Bereitschaft von Unternehmen, nach Frankfurt zu kommen. Das gilt für US-amerikanische Unternehmen ebenso wie für solche aus dem asiatischen Raum. Bestes Beispiel ist Kia. Der Automobilkonzern baut an der Messe seine neue Deutschlandzentrale, Hyundai kommt ins Kaiserlei-Gebiet nach Offenbach. Parallel siedeln sich Zulieferer an, für die Stadt und ihr Umland ist das von großer Bedeutung.

Schmälert dies die Bedeutung der Banken für die Stadt?

Keineswegs, Banken sind nach wie vor die Leuchttürme hier in Frankfurt. Das manifestiert sich in den Hochhäusern, die sie nutzen und ist auch in der Außenwirkung von immens großer Bedeutung. Allein die Entwicklung, die die Deutsche Börse in den vergangenen Jahren genommen hat, ist sensationell. Obwohl es in der Finanzdienstleistungsbranche eine Konsolidierung gegeben hat, ist Frankfurt ohne Banken nicht vorstellbar.

Welche Rolle spielt die Ansiedlung der Europäischen Zentralbank?

Für das Image Frankfurts ist dies von extrem hoher Bedeutung. Zumal die EZB-City größer wird als ursprünglich geplant. Unser Rang als wichtigster Finanzplatz Deutschlands und – gemeinsam mit London – auch Europas wird dadurch zweifellos bestätigt.

Worin sehen Sie die größten Stärken der Stadt?

Die sehe ich in ihrer zentralen Lage und ihrer hervorragenden Verkehrsinfrastruktur. Der Flughafen ist unbestritten Deutschlands wichtigstes Drehkreuz für den internationalen Luftverkehr, was die Bedeutung der Stadt als Messeplatz nachhaltig gestärkt hat. Aber Frankfurt ist auch das Dienstleistungszentrum für den Rest der Republik. Wir sind ein überaus bedeutender Standort für Anwaltskanzleien, Werbeagenturen, genauso aber für Telekommunikations-, Chemie-, Pharma- oder Biotechnologie-Unternehmen. Das Vorurteil, die Frankfurter Wirtschaft sei monostrukturiert, muss revidiert werden.

Hält der Trend zur Abwanderung ins Umland an?

Wir beobachten zurzeit einen gegenläufigen Trend. Das ist übrigens typisch in konjunkturell schwachen Zeiten. Eine Reihe von Firmen ist nach Frankfurt zurückgekehrt, etwa Zumtobel aus Usingen oder Nike, die ihre Deutschland-Niederlassung hierher verlagern und nahe der Commerzbank-Arena bauen. Dann natürlich Dell, die aus Langen ins Main-Airport-Center an den Flughafen ziehen und IBM, die eine neue Niederlassung in Sossenheim errichtet haben. Dies ist zum Teil eine Folge der gesunkenen Mieten in der Stadt. Deshalb ist Frankfurt gegenüber der Region wettbewerbsfähiger geworden.

Was bringt die Fußball-WM 2006 der Stadt? Allen deutschen WM-Austragungsorten wird das Ereignis nützen, weil es die Gelegenheit bietet, sich international zu präsentieren. Dabei ist die Botschaft wichtiger als der in Heller und Cent errechenbare Ertrag. Frankfurt wird eine besondere Rolle spielen, da schon heute das deutsche Organisationskomitee seine Aktivitäten aus Frankfurt heraus steuert, die Fifa wird überdies zur WM hier Quartier nehmen, damit werden wir zum zentralen Anlaufpunkt für Funktionäre, ein besonderes Zeichen des Vertrauens. Das Gespräch führte Anne Wiktorin

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