Nachgefragt:Hildegard Höhlich
"Ausgaben für den Konsum steigen leicht"

Hildegard Höhlich ist Immobilienmarktforscherin der HVB Expertise GmbH. Im Interview erklärt sie, welche Folgen die stagnierende und alternde Bevölkerung auf die Höhe der Konsumausgaben hat.

Handelsblatt: Welche Folgen hat die stagnierende und alternde Bevölkerung auf die Höhe der Konsumausgaben?

Hildegard Höhlich:Geht man davon aus, das der Einkommensspielraum mit der Produktivitätsentwicklung leicht steigen wird, so sollten auch die Konsumausgaben leicht anziehen. Bindet man in diese Überlegung nun den Altersstruktureffekt ein und bedenkt, dass sich aller Voraussicht nach Renten und Pension eher verringern als erhöhen werden, bremst das tendenziell die Konsumausgaben. Dieser Effekt wird allerdings durch die Auflösung von Vermögenspositionen vollständig ausgeglichen. In der Summe werden die Konsumausgaben in den nächsten Jahren sehr leicht ansteigen.

Welche Einzelhandelssegmente werden davon profitieren?

Alle Einzelhandelsgeschäfte, die den Anforderungen der Senioren nach hohen Service- und Beratungsleistungen gerecht werden, können davon profitieren. Dazu gehört zum Beispiel das Freizeit- und Tourismussegment. Absolute Gewinner wird die Gesundheits-, Wellness- und Fitnessbranche sein.

Wie sehen seniorenfreundlich gestaltete Einkaufsläden aus?

Die wichtigsten Kriterien sind dabei barrierefreier Zugang, übersichtliche Gestaltung, helle Beleuchtung, gute Beschilderung, Ruhezonen und ausreichendes Beratungspersonal.

In welchem Ladentyp lassen sich diese Anforderungen am ehesten verwirklichen?

Ein Shopping-Center in integrierter Stadtteillage, das neben Einkaufen und Gastronomie auch noch weitere Dienstleistungen rund um die Themen Gesundheit, Fitness und Freizeit anbietet, wird den Bedürfnissen der Senioren am ehesten gerecht wer-den. Es muss sowohl mit dem Auto als auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sein.

Wo erwarten Sie weiteren Flächenbedarf?

Wirtschaftlich starke Räume werden weiterhin einen zusätzlichen Flächenbedarf aufweisen. Innerhalb einer Stadt verlieren dezentrale und isolierte Lagen auf der „grünen Wiese“ an Attraktivität und werden zunehmend leer stehen. Die 1a-Lagen in den Einkaufsmetropolen werden aufgrund der hohen Kundenfrequentierung weiterhin eine hohe Flächennachfrage aufweisen. Gleiches gilt für gut funktionierende Shopping-Center. Demgegenüber stehen 1b- und Nebenlagen, wo ein zunehmender Rückzug des Einzelhandels und somit Flächenleerstände zu erwarten sind.

Von welchem Ladentyp an welchem Standort erwarten Sie künftig am ehesten eine überdurchschnittliche Rendite?

Die Zeichen sprechen für Einkaufszentren in integrierter Stadtteillage in Wachstumsräumen.

Die Fragen stellte Reiner Reichel.

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