Nachgefragt
"Wechsel des Standorts fällt heute leichter"

Fünf Fragen zum Thema Eigenheim-Käuferverhalten an Marie-Therese Krings-Heckemeier, Vorstandsvorsitzende der Berliner Empirica AG.

Die Nachkriegsgeneration hat vielfach in ihrem Leben nur einmal gebaut. Ist ein solches Verhalten heute noch zeitgemäß?

Ältere Paare leben heute häufig in viel zu großen Häusern, die sie gebaut haben, als sich Nachwuchs ankündigte. Nach dem Auszug der Kinder bleibt in solchen Häusern viel überschüssige Fläche, die Kapital bindet und mehr Arbeit macht als nötig. Der neue Typ der Altersvorsorger hat das erkannt. Die Generation ‚50 plus’ wechselt deshalb öfter als früher im Alter in kleinere, urbane Eigentumswohnungen mit Terrasse oder Balkon, so dass die Arbeit in Haus und Garten viel geringer wird.

Was führt zu diesem Sinneswandel?

Die Menschen, die heute um die 50 Jahre alt sind, haben nicht mehr das Heimatgefühl früherer Generationen. Sie sind oft aus beruflichen Gründen mehrfach umgezogen. Ihre Freunde leben nicht nur an ihrem aktuellen Wohnort, sondern quer durch Deutschland, wenn nicht sogar weltweit verstreut. Diesen Menschen fällt ein erneuter Standortwechsel nicht mehr schwer.

Fehlen diesen Menschen nicht soziale Kontakte?

Sie können neue Kontakte aufbauen. Ich beobachte, dass es die Menschen dann schon zu Gleichgesinnten zieht. So finden sich in jüngerer Zeit beispielsweise häufiger Personen, die in der gleichen Lebenssituation sind, zu Bauherrengruppen zusammen.

Worauf sollten ältere Menschen beim Kauf eines neuen Domizils besonders achten?

Ein Aufzug muss sein und eine schwellenfreie Dusche ist wichtig. Die Türen sollten so breit sein, dass sie auch mit einem Rollstuhl zu passieren sind, auch wenn er noch gar nicht gebraucht wird. Idealerweise ist auch die Küche so konzipiert, dass sie sich rollstuhlgerecht umbauen lässt. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Schränke unter der Arbeitsplatte weichen müssen, damit die Platte von einem Rollstuhl unterfahren werden kann. So wird es den Menschen ermöglicht, sich weiter selbst zu verpflegen.

Werden solche Wohnungen ausreichend angeboten?

Die Bauträger reagieren spürbar sensibler auf diese neuen Anforderungen, zumal sie festgestellt haben, dass die neuen Altersvorsorger zahlungskräftig sind. In der Münchner Innenstadt wurden jüngst Eigentumswohnungen für diese Gruppe zu Preisen von 7 000 bis 10 000 Euro je Quadratmeter verkauft. Die Nachfrage war so hoch, dass weitere Wohnungen geplant sind, die noch teurer verkauft werden sollen. Das zeigt auch, dass das Angebot in den Städten noch viel zu gering ist.

Die Fragen stellte Reiner Reichel

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