Nachgerechnet
Anlegern des SEB Immoinvest drohen Verluste

Der eingefrorene Immobilienfonds SEB Immoinvest könnte abgewickelt werden. In wenigen Wochen erfahren die verunsicherten Anleger, was aus ihrem Geld wird. Was sie jetzt tun sollten.
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DüsseldorfEin älteres Ehepaar hat auf Anraten der Bank einen Großteil der Altersvorsorge in einen einzigen Fonds gesteckt: in den SEB Immoinvest. Offene Immobilienfonds galten ja stets als sichere Anlage, aus der Anleger börsentäglich auch wieder Geld abziehen können. Längst nimmt der Fonds keine Anteile mehr zurück. Die Chancen schwinden, dass er bis Anfang Mai wieder öffnet. Er könnte abgewickelt werden.

Mit 6,3 Milliarden Euro Anlagevermögen ist es der größte der derzeit eingefrorenen Fonds. Hunderttausende Anleger fragen sich: Sollen wir abwarten, was passiert, oder sicherheitshalber schon Anteile an der Börse verkaufen? Dort werden solche Fonds derzeit heftig gehandelt. Für den SEB-Fonds würde das Paar derzeit rund 34 Euro pro Anteil bekommen. Das wäre ein Abschlag von 37 Prozent zum offiziellen Wert von 54,50 Euro.

„Die Börsenkurse enthalten eine Panik-Komponente“, sagt Immobilienexperte Steffen Sebastian von der Universität Regensburg. So wenig könne der Fonds gar nicht wert sein. Ist also selbst im Fall einer Auflösung des SEB Immoinvest mehr zu erwarten als die 34 Euro?

In dem Fonds steckt ein breit gestreuter, weltweiter Bestand an Büroimmmobilien, Schwerpunkt Deutschland und Europa. Glanzstück und vielleicht auch größtes Problem ist der Gebäudekomplex am Potsdamer Platz. Die teilweise vom Daimler-Konzern angemieteten Gebäude sind im Geschäftsbericht mit 1,46 Milliarden Euro bewertet. Das ist mehr als ein Fünftel des gesamten Portfolios. Ein riesiger Brocken, der nicht so leicht zu verkaufen ist. Ein Verkaufsversuch ist 2011 schon mal gescheitert, „wegen des ungünstigen Umfelds“, wie es hieß.

Am Potsdamer Platz hat nun obendrein der Daimler-Konzern zwei Mietverträge nicht mehr verlängert. 32.000 Quadratmeter werden dort nach Unternehmensangaben in diesem Jahr frei, nächstes Jahr noch einmal 20.000 Quadratmeter. Damit muss das Fonds-Management für 5,2 Hektar Bürofläche neue Mieter finden.

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  • Leider tragen die Bank-"Berater" ihren Anteil an der Panik. Meinen alten Herrschaften wurde mehrmals dringend geraten, bei einer Öffnung ihre Anteile im knappen 6-stelligen Eurobereich zu veräußern. Natürlich nicht, ohne auch gleichzeitig eine andere, für die Berater lukrative Anlage anzubieten. Dass diese z.B. erst dann rentabel werden (können), wenn meine alten Herrschaften bereits weit über 85 sind, sei nur nebenbei erwähnt.

    So tragen nicht nur die diversen großen Pensions- und sonstigen Fondmanager ganz Massiv zur Panik und zum Wackeln des Fonds bei, sondern die tausenden eigenen kleinen Bankberater. Die kleinen Anleger sind dabei wie immer die Dummen.

  • In Sachen "offene Immobilienfonds" stochern heute so gut wie alle im Nebel. Beiträge wie diese sind daher ebenso verständlich wie die Leserredaktion darauf. Man muß sich nur die entsprechenden Stellungnahmen in den einschlägigen Internetforen ansehen.Da melden sich die merkwürdigsten Menschen mit den kurriosesten Berechnungen zu Wort. In wenigen Wochen ist man zumindest bei SEB Immoinvest und CS Euroreal schlauer. Eine Abwicklung wäre womöglich für den Anleger nicht die schlechteste Lösung, zumindest für diejenigen Anleger, die bis zum Schluß durchhalten. Immobilien sind derzeit angesichts der Schuldenkrise sehr gesucht und werden teuer bezahlt. Nur darf man beim Verkauf einer Immobilie nicht unter Zeitdruck stehen. Das merken nämlich auch die Kaufinteressenten und reduzieren ihre Gebote. Eben diesen Zeitdruck würde die über mehrere Jahre gehende Abwicklung nehmen.

    Die schon jetzt absehbar einzig wirklich Geschädigten wären vermutlich die Konkurrenten. Schon jetzt ist durch die Schließung und Abwicklung diverser Fonds der Markt stark verunsichert. Scheitern auch SEB und CS mit ihren offenen Immobilienfonds, dann dürfte das das Ende der Ära dieser Anlageklasse einläuten und das gerade in einer Zeit, wo dank des Sachwertebooms die Geschäfte brummen müßten.

  • Als Laie sind mir die Details nicht so wichtig, sondern ich bin froh um die Einschätzung einer Expertin und werde mich daran halten - erst mal abwarten und beobachten - da ich nicht so viele Papiere habe. Danke für die Einschätzung!
    Und übrigens: Netiquette ist keine Hautcreme!

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