Nachhaltiges Bauen
Anleger verlangen Öko-Häuser

Die großen Immobilienanleger entwickeln ökologisches Bewusstsein. 84 Prozent der Investoren wollen "grüne Gebäude" erwerben, mieten oder managen, ergab eine Studie der Deutschen Bank. Energiesparend und schadstofffrei müssen die Immobilien sein, anderfalls sind sie schon in Kürze nicht mehr zu vermarkten.

BERLIN. "Investoren wollen plötzlich das Deutsche Gütesiegel für Nachhaltiges Bauen (DGNB) erhalten", berichtet etwa Andreas Rößler vom Architekturbüro ASA Andreas Schwab in Unterhaching. Kürzlich geschehen bei einem Logistikobjekt. Der Kurzcheck ergab, dass es die strengen Kriterien erfüllt. Es wird wohl im Herbst auf der Expo Real die Zertifizierung erhalten.

"Immobilien, die bestimmte Mindeststandards nicht erfüllen, sind schon in Kürze nicht mehr vermarktbar", sagt Bernhard Bürklin, Bereichsleiter Corporate Projects von Hochtief. Seit einem Jahr verlangten immer mehr Investoren, etwa Union Investment oder Vivico, nachhaltige Gebäude. Entwickler müssten sich jetzt mit dem Thema befassen, denn in zwei Jahren würden auch Banken darauf achten.

Es geht nicht nur um energieeffiziente, umweltschonende Gebäude, wie beim Berliner Quartier "Lentzeallee", wo die Groth Gruppe und Hochtief für 75 Mio. Euro Niedrigenergiehäuser bauen. Wichtig seien auch gesundheitlich unbedenkliche Gebäude, sagt Bürklin. Hochtief hat darum Manfred Hegger von der TU Darmstadt beauftragt, ihn bei der Entwicklung serienreifer nachhaltiger Wohnbauten zu unterstützen. Alle sollen DGNB-zertifiziert sein. Viel Tageslicht, ein niedriger Geräuschpegel und natürliche Belüftung ohne Klimaanlage sind nötig. Zu einer gesunden Raumluft gehören angesichts zunehmender Allergien auch schadstofffreie Materialien.

Ökologische und gesundheitliche Qualität zu kombinieren, ist jedoch teilweise schwierig. Dreifachverglasungen und stark gedämmte Wände sind zwar energetisch optimal und werden wohl Standard bei Neubauten. Doch gesundheitlich sind sie bedenklich. "Zahlreiche Baustoffe, Inneneinrichtungen und Gebrauchsgegenstände haben derart hohe giftige, jahrelang wirkende Ausdünstungen, etwa krebserregende Weichmacher, dass die Innenraumluft schon jetzt um das Vielfache schlechter ist als städtische Außenluft", warnt Michael Braungart von der Universität Rotterdam.

Täglich fünfmaliges Lüften könnte teilweise Abhilfe schaffen. Aber das tut keiner, so dass auch eine vernünftige Luftfeuchte von 50 Prozent unerreicht bleibt. Architekten und Entwickler sind daher gefordert, schadstofffreie Materialien zu verwenden. Die Industrie bietet zudem atmungsaktive Produkte an, die Schadstoffe binden und die Belastung von Innenräumen verringern. "Dazu gehören traditionelle, lang vernachlässigte Kalkverputze und mineralische Anstriche", sagt Georg Kolbe, Produktmanager bei St. Gobain-Weber, Hersteller von Dämmsystemen und Verputzen. Sie seien frei von flüchtigen organischen Stoffen und regulierten die Luftfeuchte. In der Entwicklung sind Putzoberflächen, die mit Hilfe von UV-Licht flüchtige Substanzen so spalten und einlagern, dass sie unschädlich sind. Es bestehe aber das praktische Problem, dass sie nur wirken könnten, wenn Wände nicht angestrichen und durch Möbel verstellt seien, sagt Kolbe.

Auch Bodenbeläge und Kleber enthalten oft giftige Chemikalien, die durch Abrieb in die Luft geraten. Das gilt selbst bei chemisch behandelten Wollteppichen. Es geht auch anders: "Für Naturhaarteppiche verwenden wir nur Wasser und nichtaggressive, teils lebensmittelgetestete Farben", sagt Rudolph Welcker, Geschäftsführer der Weseler Teppich GmbH. Nachhaltige Produkte können Pluspunkte für Gebäudezertifizierungen erbringen.

Viele schädliche Ausdünstungen kommen auch aus Möbeln und elektronischen Geräten. Dämmstofffirmen könnten aus eigenem Interesse die Elektronik-, Möbel- und Textilbranche für gesunde Raumluft sensibilisieren. Einen derartigen Vorstoß halten Branchenkenner aber für unwahrscheinlich.

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