Nachhaltigkeit
Öko-Siegel allein bringt keinen Kredit

Banken verlangen zunehmend mehr Transparenz und harte Fakten bei der Finanzierung von Immobilien. Wer einen Kredit aufnehmen will, tut gut daran, die Nachhaltigkeit der zu finanzierenden Gebäude oder Projekte zu belegen. Doch das ist nur ein Kriterium.

BERLIN. "Nachhaltigkeit von Immobilien ist ein Kriterium bei Finanzierungsentscheidungen", sagt Jan Bettink, Vorstandsvorsitzender der Berlin Hyp. "Durch Investitionen in nachhaltigen Bau und Betrieb der Immobilie werden Vermarktungsfähigkeit und Verkaufswert des Objekts gesteigert - das sind wesentliche Kriterien im Kreditentscheidungsprozess."

Nachhaltigkeit hat für die Finanzierungsinstitute jedoch eine umfassendere Bedeutung als bloß die energetische Effizienz eines Gebäudes. "Der Green-Building-Charakter einer Immobilie ist nur ein Merkmal im Rahmen der Finanzierungsentscheidung", betont Claus-Jürgen Cohausz, Mitglied des Vorstands der Westdeutschen Immobilienbank. "Eine unmittelbare Relation zu den Finanzierungskonditionen ist nicht gegeben." Deshalb führt ein verringerter Energieverbrauch nicht automatisch zu einer positiven Kreditentscheidung, unterstreicht Christian Feldbrügge, Sprecher der Aareal Bank. Einen direkten Einfluss auf die Kreditkonditionen gibt es nach seinen Worten erst dann, wenn die ökologische Qualität "sich auf Aspekte wie Rentierlichkeit der Investition, Vermietbarkeit, Vermarktbarkeit und Bewirtschaftung der Immobilie auswirkt".

Dabei erweise es sich laut Westimmo-Vorstand Cohausz für den Kunden als Vorteil, wenn er die Nachhaltigkeit seines Objektes durch ein Zertifikat nachweisen könne. Auch bei der Aareal-Bank gilt eine Zertifizierung nach US-amerikanischem Leed-Standard, dem britischen Breeam-System oder dem Gütesiegel der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) "hilfreich". Allein entscheidend sei sie nicht.

Inwieweit die Zertifizierung einer Immobilie tatsächlich den Wiederverkaufswert, die Höhe der erzielbaren Miete und die Vermarktungsdauer positiv beeinflusst, ist ein in der Branche intensiv diskutiertes Thema. "Gebäude, die nach Nachhaltigkeitskriterien zertifiziert sind, können signifikant höhere Mieten erzielen", ist Ivo Mersiowsky von Dekra Umwelt überzeugt und verweist auf entsprechende Studien aus dem angelsächsischen Raum.

Bankenvertretern dagegen reicht die Aussagekraft dieser Untersuchungen nicht aus. "Der größte Mangel", sagt Jan Bettink von der Berlin Hyp, "besteht immer noch in der Vielzahl der Gütesiegel und der mangelnden Transparenz". Deswegen stützt sich sein Institut auf eigene Beurteilungen: "Höhere Lebensdauer, höhere Kaltmieten und ein niedrigeres Leerstandsrisiko fließen in die Bewertung der Immobilie ein und sind Teil der Kreditentscheidung." Unterstützung kann dabei das Nachhaltigkeits-Rating bieten, das die Agentur Feri Euro Rating Services entwickelt hat.

"Wir wollen die ökonomische Nachhaltigkeit explizit machen", sagt Feri-Immobilienanalyst Wolfgang Kubatzki. Deshalb nimmt Feri die Bereiche Gesellschaft sowie Umwelt/Technik/Energie unter die Lupe - unabhängig davon, ob das untersuchte Gebäude oder Portfolio zertifiziert ist oder nicht. "Nachhaltigkeit ist eine wesentliche wertbeeinflussende Komponente", sagt Kubatzki. Diese Einsicht werde in Zukunftnoch zunehmen, sind sich die Fachleute einig. Nach Ansichtvon Bettink wird "das Konzept des nachhaltigen Bauens mit seinem Lebenszyklusansatz immer wichtiger". Und auch Cohausz glaubt, dass "in einem Zeitraum von zehn Jahren Green-Building-Kriterien eine zunehmende Bedeutung erfahren".

Für manche Banken ist Nachhaltigkeit allerdings schon lange ein entscheidendes Kriterium. Die GLS Bank in Bochum zum Beispiel will nach Worten ihres Vorstandssprechers Thomas Jorberg mit ihren Krediten stets "ökologisch, sozial und damit auch ökonomisch nachhaltige Entwicklungen auf den Weg bringen" - und reduziert damit offenbar auch eigene Risiken: "Die Kreditausfälle lagen in den letzten Jahren unterhalb des Branchenschnitts."

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