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Arthur de Haast: „Die Risiken sind gestiegen“

Jones Lang Lasalle-Manager warnt im Interview mit dem Handelsblatt vor den Folgen der derzeitigen Krise für die Immobilienbranche.

Das Logo von Jones Lang LaSalle. Quelle: AFP
Das Logo von Jones Lang LaSalle. Quelle: AFP

Handelsblatt: Wie sehr beunruhigt Sie die Gefahr einer erneuten Rezession?

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Arthur de Haast: Bislang sind die Unternehmen weltweit in verhältnismäßig guter Verfassung. Und aus den Konjunkturdaten lassen sich keine Hinweise auf einen "Double Dip", also ein erneutes Absinken der Weltwirtschaft ablesen. Diese Balance könnte kippen, wenn die Unsicherheit über den politischen Kurs in der Schuldenkrise anhält und das Vertrauen der Anleger weiter schwindet. Die Risiken sind also gewiss gestiegen. Andererseits - und das mag man als verkehrte Welt wahrnehmen - erwachsen aus der Krise auch Chancen für die Immobilie. Investoren begreifen sie als ein gutes Instrument, um ihr Vermögen zu sichern.

Haben sich Anleger auf einen "Double-Dip" eingestellt?

Ja, das kann man durchaus sagen. Sowohl direkt wie auch indirekt anlegende Investoren haben die Risiken in ihren Portfolios reduziert. Sie präferieren entweder erstklassige Objekte in sehr guten Lagen oder ausreichend liquide börsennotierte Investmentvehikel.

Welche Länder schätzen Investoren als besonders gefährdet ein, welche weniger?

Mehr oder weniger zum Erliegen gekommen ist der Investmentmarkt in Griechenland, Irland und Portugal. In Spanien und Italien beginnen globale Anleger ihre Investments zunehmend kritischer zu hinterfragen. Dennoch beobachten wir, dass hier eigenkapitalstarke institutionelle Anleger wie etwa Versicherungen durchaus nach Chancen suchen - allerdings bleiben sie sehr wählerisch. Zurück auf dem Radar sind außerdem Länder wie die Türkei oder Russland. Investoren begreifen Großbritannien - und London im Besonderen - als sicheren Hafen. Das gilt ebenso für die Schweiz und Schweden, die beide nicht der Eurozone angehören. Auch wenn Deutschlands Image als "safe haven" aufgrund der europäischen Schuldenkrise gelitten hat, so beobachten wir doch nach wie vor großes Interesse der Investoren, insbesondere im Einzelhandelsbereich.

Gleichen sich die Immobilienzyklen in Europa an oder driften sie im Gegenteil stärker auseinander?

Das ist schwer zu beantworten. Einerseits sind Immobilienzyklen stark konjunkturabhängig - und die Erholung der europäischen Volkswirtschaften verläuft in sehr unterschiedlichem Tempo. Andererseits sehen wir, dass Investoren jenseits der makroökonomischen Sicht die lokalen Märkte wieder deutlich eingehender analysieren. Das deutet darauf hin, dass Immobilienzyklen künftig wieder stärker lokal geprägt sein werden - und daher stärker auseinander fallen.

In London, aber auch in deutschen Großstädten, sind die Immobilienpreise stark gestiegen. Gibt es Überhitzungstendenzen?

Dieses Risiko ist überschaubar. Das hat zwei Gründe: Zum einen steht Fremdkapital weiterhin nur begrenzt zur Verfügung. Zum anderen herrscht ein deutlicher Mangel an passenden Objekten. In der Tat sehen zwei Prozent Rendite für ein Wohnhaus in München oder weniger als drei Prozent für eine Immobilientrophäe in London sehr teuer aus, aber das sind Ausnahmeerscheinungen in einem zudem sehr begrenzten Teil des Prime Marktes. Das sorgt nicht für Überhitzungen. Insgesamt haben die Investmentaktivitäten zwar zugelegt, von den früheren Hochs sind sie allerdings noch weit entfernt.

Herrscht im Kreditgeschäft wieder Business as usual?

Die Situation ist gewiss schon normaler als noch vor einem Jahr. Dennoch sehen wir, dass Banken nach wie vor sehr restriktiv sind und sich mehr auf Refinanzierungen denn auf das Neugeschäft konzentrieren. Sie haben ihre Risikoaufschläge in der Krise um 25 bis 50 Basispunkte angehoben, das gesunkene Zinsniveau hat dies allerdings wieder wettgemacht. Wie auch immer: Business as usual herrscht noch nicht und wir erwarten auch, dass Kredite noch für eine Weile knapp bleiben.

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