
FRANKFURT. Steve Keen hat einmal Recht gehabt. Der streitbare Hochschullehrer der University of Western Sydney gehörte zu den Ökonomen, die die von den USA ausgehende Wirtschafts- und Finanzkrise vorausgesagt haben. Seit Ende 2005 hat er in Medienauftritten und über eigens für Kassandra-Rufe eingerichtete Websites vor der zunehmenden Überschuldung der privaten Haushalte gewarnt. "Im Gegensatz zur Mehrheit der Ökonomen habe ich das Unheil kommen sehen, weil mein ökonomischer Ansatz die Bedeutung von Kredit und Schulden betont, während der ökonomische Mainstream beides ignoriert", erklärt Keen selbstbewusst.
Doch ausgerechnet in Bezug auf sein Heimatland Australien hat Keen eine Wette auf die Schuldenblase verloren. Er hatte vor der Krise gesagt, die Immobilienpreise dort würden von ihrem Gipfel um 40 Prozent fallen. Der Anleihen-Analyst Rory Robertson von der Macquarie Bank verleitete ihn daraufhin im Oktober 2008 zu einer Wette: "Wenn die australischen Immobilienpreise um 40 Prozent fallen, gehe ich zu Fuß von Canberra auf den Gipfel des Mount Kosciuszko; wenn sie weniger als 20 Prozent fallen, gehen Sie."
Keen schlug ein. Weil sein Zeithorizont für den 40-Prozent-Fall mit 15 Jahren etwas lang war, erklärte er sich bereit, zu gehen, wenn die Immobilienpreise innerhalb eines Jahres nicht gefallen seien. Damit fiel er auf die Nase. Die Regierung verlängerte 2009 eine Sonderzulage, mit der sie der heraufziehenden Krise auf dem Immobilienmarkt begegnet war. Die Immobilienpreise stiegen auf ein neues Rekordhoch.
Keen muss zu Fuß 224 Kilometer auf den Gipfel des mit 2 228 Meter höchsten Bergs des australischen Festlands gehen und ein T-Shirt mit folgender Aufschrift tragen: "Ich lag bei den Hauspreisen voll daneben. Fragen Sie mich jetzt!"




