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Immobilien: Die Angst vor der Preisblase

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) macht sich Sorgen um den Wohnungsmarkt. In ungewöhnlich drastischen Worten hat sie vor einer Immobilienblase im eigenen Land gewarnt. Damit steuert die Schweiz auf eine Situation zu, die andere europäische Länder bereits hinter sich haben.

Die Idylle trügt. Die Schweizer Notenbank warnt vor einer Immobilienblase im eigenen Land. Quelle: dpa
Die Idylle trügt. Die Schweizer Notenbank warnt vor einer Immobilienblase im eigenen Land. Quelle: dpa

DÜSSELDORF/GENF. In ungewöhnlich drastischen Worten hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) vor einer Immobilienblase im eigenen Land gewarnt. Aufgepumpt wird sie nach Ansicht der Notenbanker von äußerst niedrigen Zinsen, exorbitanten Preissteigerungen und einer lockeren Kreditvergabe. "Wir haben landesweit zwar noch keine Blase, aber alle Zutaten sind vorhanden", heißt es im Stabilitätsbericht, den die SNB gestern vorstellte. Damit steuert die Schweiz auf eine Situation zu, die andere europäische Länder bereits hinter sich haben. In Spanien, Großbritannien und Irland waren die Träume von steigenden Häuserpreise nach Einsetzen der Finanzkrise im Sommer 2007 geplatzt.

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Der Wohn-Immobilienmarkt in Europa ist sehr inhomogen. Er ist durch sehr unterschiedliche Entwicklungen gekennzeichnet.

Die SNB ist die erste Notenbank in Europa, die nach der Finanzkrise vor einer neuen Blase warnt. SNB-Vizepräsident Thomas Jordan erinnerte an schlechte Erfahrungen der Vergangenheit. Eine Immobilienkrise in den 90er-Jahren hatte die Stabilität des Bankensektors bedroht. Damals wurden in der Alpenrepublik Vermögenswerte von rund 45 Milliarden Franken vernichtet. Einige Banken haben das Desaster nicht überlebt, andere wurden von Großinstituten geschluckt. "Die Notenbank misst dieser Thematik hohe Priorität bei", sagte Jordan. In der blutleeren Sprache der Notenbanker gleicht das einem Alarmruf.

Das von der SNB beschriebene brisante Gemisch aus niedrigen Zinsen und großzügiger Kreditvergabe hatte bereits vor rund zehn Jahren in vielen europäischen Ländern die Spekulation auf den Eigenheim- und Apartment-Märkten entzündet. Insofern zeigt das von der EZB gewählte Basisjahr 2005 für die Hauspreisindizes beispielsweise für Länder wie Spanien, Großbritannien und Irland nicht das volle Ausmaß der späteren Blase. In allen drei Ländern hatten sich die Hauspreise in den Jahren 2000 bis 2005 fast verdoppelt. Dass die Preiseinbrüche mit Ausbruch der Finanzkrise nicht noch heftiger ausgefallen sind, liegt an den Rettungsschirmen für die Banken. Sie bewahrten die Institute davor, in großem Stil Häuser in Zwangsversteigerungen zu verramschen und so den Preise nach unten zu prügeln.

Dass ausgerechnet die Schweiz mit einer Immobilienblase konfrontiert wird, kommt für Ifo-Chef Hans-Werner Sinn nicht überraschend. Der Münchner Ökonom hatte kürzlich sowohl der Alpenrepublik als auch Deutschland einen starken Anstieg der Hauspreise vorausgesagt. Seine Begründung: Mangels attraktiver Anlageziele im Ausland würden deutsche und Schweizer Investoren ihr Geld verstärkt in der Heimat anlegen. Die privaten Wohnungsmärkte in Deutschland und der Schweiz hatten während der Finanzkrise zu den stabilsten in Europa gezählt. Es sind gleichzeitig auch die westeuropäischen Staaten mit den niedrigsten Wohneigentumsquoten. Ein zusätzlicher Anreiz, Sicherheit durch den Wechsel in Eigentum zu schaffen.

Als in den heutigen Krisenländern die Wirtschaft noch prosperierte, nutzte die Bevölkerung ihre wachsenden Einkommen, um ihre Wohnsituation zu verbessern. Es wurden neue, größere und besser ausgestattete Wohnungen gekauft. Die Banken vergaben großzügig Kredite und beliehen wie auf dem Gewerbeimmobilienmarkt auch Privathäuser weit höher als in Deutschland üblich.

Hinzu kommt, dass in Spanien, Großbritannien und Irland Wohneigentum nicht mit zehn Jahren festen Zinsen finanziert wird, sondern häufig variabel verzinste Darlehen aufgenommen werden. In der Krise kamen zwei Effekte zusammen: Die Banken hatten Probleme sich am Kapitalmarkt zu refinanzieren, so dass die Zinsen stiegen. Gleichzeitig stagnierten die Löhne und die Arbeitslosigkeit wuchs, so dass viele Hauseigentümer ihre Kredite nicht mehr bezahlen konnten.

  • 23.06.2010, 16:28 UhrAnonymer Benutzer: Jonas

    bigFoot:

    Nicht die Hauspreise, sondern die Grundstückspreise hängen von der Knappheit ab.

    Ein Haus kann ich überall für fast denselben Preis bauen.

    Wer ein gebrachtes Haus "in guter Lage" für viel Geld kauft, täuscht sich meistens, weil er meint das Haus wäre so viel wert. ist es nicht, wie er spätestens bemerken sollte, wenn er quasi baugleiche Häuser desselben Zustands in der Walachei sieht.

    Es ist nur und ausschliesslich der Grundstückswert der steigt. Das Haus alleine sinkt im Wert, linear vom Neubaupreis auf 0 in 100 Jahren wenn es nicht grundsaniert wird.

    Da viele Käufer das aber nicht auseinanderhalten können haben sie schon locker mehrere tausend EUR pro m2 ausgegeben, weil die bruchbude darüber sie im Wert täuschte.

    Na ja, jeden Morgen steht ein Dummer auf, man muss ihn nur finden.
    So hat wenigstens der Verkäufer den Lottogewinn des Tages.
    Und wir haben unsere blasen.

  • 20.06.2010, 13:02 UhrAnonymer Benutzer: big food

    Die Preise in der Schweiz steigen, weil das Land dort sehr knapp ist. Das meiste sind berge und der deutschsprachige Raum ist noch viel kleiner. So bleibt nur ein kleines Mittelland.

    Dann kommen ca. 70-80000 Einwanderer pro Jahr ins Land. Das strapaziert die infrastruktur und natürlich die Hauspreise.

    Das ganze fand auch schon in Australien statt, dort sind die Hauspreise auch explodiert ohne das die blase geplatzt ist.

    Merke: Wenn die Nachfrage gross ist und das Angebot (=Land) knapp, dann gibt es nur eine Richtung mit den Preisen und zwar nach oben.

    Habe selber viele Jahre in Australien und der Schweiz gelebt.

    Das Traurige ist, dass man jede Ecke Grünfläche mit beton verwüstet und so das Schöne zum Hässlichen wird.

  • 19.06.2010, 16:17 UhrAnonymer Benutzer: ausgewanderter

    Zinsen sind in der Schweiz schon immer niedrig gewesen, und so leicht vergeben die Schweizer banken nun auch nicht die Kredite (eigentlich nicht mehr als 80% vom Kaufpreis der Wohnung, und das auch nur wenn der Preis realistisch ist, sonst weniger). Fuer nicht selbst bewohnte immobilien werden normalerweise nur 50% finanziert. Auf Weltwoche gibt's eine Studie mit immobilienkosten.

    Das einzige was sich im Augenblick aendert, ist warscheinlich der Anteil an auslaendischem Kapital welches in der CH Zuflucht sucht und immobilien aufkauft (da wo Auslaender kaufen duerfen).

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