
BERLIN. Immobilieninvestoren werden allmählich wieder risikofreudiger und rücken von der ausschließlichen Orientierung an Topimmobilien ab. "Die Preise für Core-Objekte in Deutschland sind schon wieder etwas zu hoch", sagte IVG-Chef Gerhard Niesslein auf der Branchentagung "Quo Vadis" in Berlin.
Damit deutet sich eine Abkehr von der Investitionsstrategie der vergangenen Monate an, als für Anleger ausschließlich langfristig vermietete, qualitativ hochwertige Immobilien an Topstandorten - im Branchenjargon Core-Objekte genannt - im Vordergrund standen.
Doch der starken Nachfrage nach solchen Büro- und Einzelhandelsgebäuden steht kein ausreichendes Angebot gegenüber. "Das Problem ist, dass die Produkte nicht da sind", sagte Stefan H. Brendgen, beim Versicherungsriesen Allianz für die Immobiliensparte zuständig.
Timo Tschammler, Vorsitzender der Geschäftsführung des Beratungsunternehmens DTZ Deutschland, prophezeite deshalb, dass Investoren verstärkt auf Immobilien außerhalb des Büro- und Einzelhandelsspektrums ausweichen werden. "Wir werden", so Tschammler, "auch wieder Investitionen in Projektentwicklungen - selbst solche, die noch nicht komplett vermietet sind - sehen."
Dies bestätigte Reinhard Kutscher von der Geschäftsführung der Fondsgesellschaft Union Investment: Eine Möglichkeit, den steigenden Preisen für Core-Objekte auszuweichen, sei "der frühzeitige Einstieg in Projektentwicklungen". Bei einem erstklassigen Standort und einem soliden Entwicklungspartner akzeptiere Union Investment dabei auch ein gewisses Vermietungsrisiko.
Gestützt werden solche Überlegungen durch die positive wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. In etwa 18 Monaten, so IVG-Chef Niesslein, werde diese voll auf die Immobilienmärkte durchgeschlagen haben. Auch international gelte Deutschland als Hort der Stabilität, was die Attraktivität des deutschen Immobilienmarkts für ausländische Investoren weiter erhöhe.
Noch mehr als bisher könnten dabei Wohnhäuser in den Fokus geraten. Das auf dem Kongress vorgestellte Frühjahrsgutachten des Rates der Immobilienweisen attestiert dem deutschen Wohnungsmarkt nämlich eine deutliche Aufwärtsbewegung. Demnach stieg die Miete der am Markt angebotenen Wohnungen in den westdeutschen Kernstädten innerhalb eines Jahres um durchschnittlich 4,1 Prozent. In Hamburg betrug die Zunahme 8,4 Prozent, in Berlin sogar 13 Prozent.
Diese Entwicklung verblüfft Harald Simons, Vorstand des Beratungsunternehmens Empirica und Mitglied des Rats der Immobilienweisen: In den 20 Jahren seiner Tätigkeit sei er sich noch nie so sicher gewesen, "dass wir mit kräftig steigenden Wohnungspreisen und-mieten zu rechnen haben".




