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Immobilienmarkt dreht sich: Indien: Neue Häuser braucht das Land

Indien scheint den dramatischen Nachfragerückgang nach Immobilien überwunden zu haben. Zumindest sind preisgünstige Wohnungen derzeit der Verkaufsschlager. Branchenexperten sehen aber auch auf dem Markt für Büro- und Gewerbeflächen erste Anzeichen einer Belebung.

von Helmut Hauschild
Billige Wohnungen entstehen auch in Gurgaon, einem Stadtteil im Süden Dehlis. Quelle: The NewYorkTimes/Redux/laif
Billige Wohnungen entstehen auch in Gurgaon, einem Stadtteil im Süden Dehlis. Quelle: The NewYorkTimes/Redux/laif

NEU-DELHI. Nach dem schlimmsten Einbruch seit mehr als zehn Jahren fasst Indiens Immobilienmarkt langsam wieder Tritt. Die Baukräne und Betonmischer in Gurgaon, einer modernen Satellitenstadt im Süden von Neu-Delhi, drehen sich wieder. Die großen Entwickler wie DLF und Unitech nehmen ihre vorübergehend gestoppten Bauprojekte wieder auf. In die ärmlichen Zeltstädte zwischen den spiegelverglasten Fassaden der imposanten Bürogebäude kehren die Arbeiter zurück.

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Noch beschränkt sich die steigende Nachfrage überwiegend auf preisgünstige Wohnimmobilien. Branchenexperten sehen allerdings auch auf dem Markt für Büro- und Gewerbeflächen erste Anzeichen einer Belebung. Besonders das Interesse an kleineren und mittelgroßen Büroflächen ziehe wieder an, beobachtet Anshuman Magazine, Geschäftsführer der internationalen Maklerfirma CB Richard Ellis (CBRE) in Indien. Magazine nennt dafür zwei Gründe: Erstens hätten sich Indiens Wirtschaftsaussichten jüngst deutlich verbessert; Indiens Zentralbank erwartet im aktuellen Fiskaljahr ein Wachstum von 6,5 Prozent. Zweitens seien die Mieten und Kaufpreise erheblich gesunken. Im Landesdurchschnitt kostet Büroraum ein Viertel weniger als noch vor einem Jahr.

Ein fulminanter Wirtschaftsboom sowie die Aufhebung der Restriktionen für ausländische Investoren im Immobiliensektor hatten die Preise für Wohnungen und Büros in Indiens Metropolen wie Bombay, Delhi und Bangalore in astronomische Höhen getrieben. Teilweise verdoppelten sie sich binnen zwei Jahren. Die Immobilienentwickler mit DLF an der Spitze erzielten Traumrenditen von mehr als 30 Prozent. Sie stampften ganze Städte aus dem Boden – überwiegend mit geliehenem Geld. Als vergangenes Jahr die Krise über den Immobilienmarkt hereinbrach, hätte ihnen dies beinah das Genick gebrochen. Marktführer DLF musste im ersten Quartal 2009 einen Umsatzrückgang von beinahe 70 Prozent auf 200 Mio. Euro hinnehmen. Der Gewinn fiel um mehr als 90 Prozent.

Nur massive Aktienverkäufe retteten Indiens Immobilienkonzerne. Dass dabei Investoren aus den USA und Europa zugriffen, zeigt: dem Markt werden im Ausland weiterhin gute Wachstumsaussichten zugeschrieben. Indiens Immobiliensektor werde sich deutlich schneller erholen als die Märkte im Westen, prognostiziert Immobilienberater Jones Lang Lasalle (JLL). Die Unternehmensberatung McKinsey sieht die durchschnittliche Rendite indischer Wohn- und Geschäftsbauten bei 18 Prozent, das ist doppelt so hoch wie etwa in den USA.

Hoher Leerstand besteht zurzeit vor allem bei Gewerbeimmobilien. Preisgünstiger Wohnraum dagegen ist wieder gefragt. Die Preise für Wohnimmobilien seien um bis zu 40 Prozent gesunken, beobachtet Achim Vogt, Geschäftsführer der Deutsche Post Home Finance in Indien. „Alles, was zu vernünftigen Preisen angeboten wird, ist schnell ausverkauft“, sagt Vogt. Die steigende Nachfrage befördert auch der Staat, der Immobilienkredite bis zu einer Höchstgrenze mit verbilligten Zinsen subventioniert. Laut Vogt erholt sich der Wohnungsmarkt vor allem in den Metropolen. In den Mittelstädten dagegen herrsche weiterhin Flaute.

Die Immobilienkonzerne reagieren und weiten ihr Angebot an günstigem Wohnraum massiv aus. Auch sie können auf Hilfe vom Staat hoffen. Die Regierung hat vorgeschlagen, die Gewinne von Wohnbauprojekten, die bis März 2012 fertig gestellt werden, von der Steuer zu befreien. Bei preisgünstigem Wohnraum zieht die Bautätigkeit daher wieder deutlich an, während in anderen Marktsegmenten Investoren neue Bauvorhaben weiterhin nur zögerlich in Angriff nehmen.

Die Führung der neuen Billigbewegung hat wieder einmal die Tata-Gruppe übernommen, die schon mit dem Kleinstwagen Nano für Furore sorgte. Im Mai kündigte das Unternehmen an, für Preise zwischen umgerechnet 4 650 und 9 750 Euro in Boisar, einem entfernten Vorort Bombays, 1 200 Wohneinheiten zu bauen – zwei Tage nach Beginn der Zeichnungsfrist hatten sich bereits drei Mal mehr Kaufwillige gemeldet.

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