
DüsseldorfNoch ist der Burj Khalifa in Dubai mit insgesamt 828 Metern das höchste Gebäude der Welt. Doch schon bald will China den Rekord brechen. Zehn Meter höher und in einer Rekordbauzeit von nur 90 Tagen will das Unternehmen BSB in der Provinzhauptstadt Changsha in der Provinz Hunan den Wolkenkratzer "Sky City" aus Fertigteilen bauen. Ästhetik und Design spielen bei solchen Projekten allerdings nur eine Nebenrolle.
Die fünf Hochhäuser, die in die Endauswahl für den Internationalen Hochhaus Preis 2012 gekommen sind und die das Handelsblatt als Medienpartner heute exklusiv präsentiert, brechen keine Höhenrekorde. Dafür sind sie alle innovativ, städtebaulich eingebunden, nachhaltig, wirtschaftlich, funktional und zukunftsweisend. Das sind die Kriterien für die Jury, die in diesem Jahr von dem Frankfurter Architekten Albert Speer geleitet wird. Prämiert wird ein Hochhaus, das "äußere Form, innere Raumqualitäten und soziale Aspekte" verbindet.

Internationaler Hochhauspreis 2012
Aus Deutschland kommt der Architekt dieses Bürohochhauses mitten in Sydney. Für die Dexus Property Group baute der Düsseldorfer Christoph Ingenhoven zusammen mit dem australischen Büro Architectus - zu dem auch der Architekt Ray Brown gehört - einen elliptischen Turm, der so raffiniert schräg im eng bebauten Straßenraster liegt, dass aus allen Büros der direkte Blick auf den Hafen von Sydney und die Harbour Bridge fällt. Beim renommierten Internationalen Hochhauspreis 2012 belegte das Gebäude den ersten Platz.

Weitansicht auf den nominierten Neubau. Im Erdgeschoss führt eine Freitreppe ins Foyer, die so konstruiert wurde, dass dort Menschen sitzen können. Erst in 17 Metern Höhe beginnen die Büros. Alles ist aus Glas in dem 139-Meter-Turm, von den Aufzügen bis zur natürlich belüfteten Doppelfassade mit innerer Schicht aus Isolierfenstern und Sonnenschutzlamellen außen. Das Hochhaus ist das erste in Australien mit der höchsten Ökozertifizierung.

Auch die anderen Hochhäuser des Wettbewerbs waren beeindruckend. Das Architekturbüro MAD hat diese beiden 179,5 und 161,2 Meter hohen Türme in der kanadischen Stadt Mississauga entworfen. Die geschwungenen Linien der Wohnhäuser, in denen auf 50 und 56 Etagen jeweils 400 Wohnungen entstanden sind, haben die Bewohner der 700 000-Einwohnerstadt in der Provinz Ontario auf den Spitznamen "Marilyn Monroe Towers" gebracht. Die Form solle die Lust der Städter auf Natur, Sonne und Wind wecken, sagen die Architekten. Die gewundene Fassade entstand, weil die Planer die Deckenplatten von einem Stockwerk zum anderen um bis zu acht Grad drehten. Um jede Etage läuft ein durchgehender Balkon. Die Jury urteilte: "Großes Lob gebührt der ruhigen und dennoch auffälligen Doppelskulptur".
Das 76-stöckige Hochhaus von Star-Architekt Frank Gehry steht auf einem Backsteinsockel, der zu den Nachbargebäuden, den "alten" Hochhäusern von Manhattan passt. Mit ihren mehr als 900 Wohnungen ging Gehrys Büro in Los Angeles auf die Wünsche des Bauherren Forest City Rater Companies ein und integrierte Erkerfenster - mit Blick auf die Skyline von Manhattan. "Ein städtebauliches Schmuckstück" nennt die Jury das Haus, "ein Beispiel für erstklassige architektonische Konzeption und Bauausführung".

Der 1929 geborene Meister der Architektur, 1989 mit dem wichtigsten Architekturpreis, dem Pritzker geehrt, der das Guggenheim-Museum in Bilbao baute, und auch den Neuen Zollhof im Düsseldorfer Medienhafen, ist sich treu geblieben. Das 2011 eingeweihte Hochhaus in Manhattan ist typisch für Frank Gehry: glitzernd, spektakulär und dennoch passend zur Umgebung. Mit Edelstahlpaneelen ist der Wohnturm verkleidet, die in der Sonne leuchten.

Fünf Hochhäuser sind noch im Rennen: Das Pinnacle@Duxton ist einer der großen Finalisten.

Die sieben Hochhäuser mit jeweils 50 Stockwerken bilden eine Einheit, weil sie zweimal, auf der 26. und auf der obersten Etage, mit durchgängigen Dachgärten miteinander verbunden sind. Diese "Sky Gardens" haben zusammen eine Fläche von etwa einem Hektar und sind entweder als Lounge, als Sportanlage oder als Strand gestaltet. Die Aussicht auf den Hafen von Singapur ist traumhaft.

Nur 230 Wohnungen gibt es in diesen drei Wohntürmen, die mit 160, 177 und 204 Metern die höchsten in Kuala Lumpur sind. Denn auf den 38, 44 und 50 Etagen sind pro Geschoss jeweils nur zwei Mieter eingeplant. Das Londoner Büro von Lord Norman Foster, der die Glaskuppel des Reichstags und die Swiss-Re-Zentrale "Gherkin" in London baute, hat ein Luxusparadies entworfen mit sogenannten "Sechs-Sterne-Wohnungen". Dazu gehört der Blick aus dem Fenster und im Erdgeschoss, einem viergeschossigen Sockel, eine Galerie, Büros, Fitnessstudios, Läden und Cafés.
Für den Bauherrn Bandar Raya Developments Berhad bauten die Architekten in der Hauptstadt von Malaysia in den 24. Stock eine die drei Türme verbindende "Sky Lobby". Zwischen den Hochhäusern entstand ein Innenhof mit viel Schatten, dem tropischen Klima angemessen. Beide sind nicht nur für die Bewohner der Luxuswohnungen zugänglich

Skyline von Kuala Lumpur: Das Londoner Büro von Lord Norman Foster, der die Glaskuppel des Reichstags und die Swiss-Re-Zentrale "Gherkin" in London baute, hat ein Luxusparadies entworfen mit sogenannten "Sechs-Sterne-Wohnungen". Dazu gehört der Blick aus dem Fenster und im Erdgeschoss, einem viergeschossigen Sockel, eine Galerie, Büros, Fitnessstudios, Läden und Cafés.

Die 155 Meter hohen Türme der Deutschen Bank, von den Frankfurtern nur "Soll und Haben" genannt, gibt es schon ziemlich lange. 1984 wurde die Zentrale an der Taunusanlage bezogen. Deshalb konkurrieren sie nicht um den Internationalen Hochhauspreis. Doch für die Sanierung, im vergangenen Jahr beendet, sprach die Jury dem Gebäude eine erstmals in der Geschichte des Preises vergebene besondere Anerkennung aus.
Internationaler Hochhauspreis 2012
Aus Deutschland kommt der Architekt dieses Bürohochhauses mitten in Sydney. Für die Dexus Property Group baute der Düsseldorfer Christoph Ingenhoven zusammen mit dem australischen Büro Architectus - zu dem auch der Architekt Ray Brown gehört - einen elliptischen Turm, der so raffiniert schräg im eng bebauten Straßenraster liegt, dass aus allen Büros der direkte Blick auf den Hafen von Sydney und die Harbour Bridge fällt. Beim renommierten Internationalen Hochhauspreis 2012 belegte das Gebäude den ersten Platz.
Am 15. November wird in der Frankfurter Paulskirche der Sieger des mit 50.000 Euro dotierten Preises gekürt, den die Stadt Frankfurt, das Deutsche Architekturmuseum und die Dekabank zum fünften Mal ausloben. Das Besondere: Planer und Bauherren gemeinsam erhalten den Preis. Alle Arbeiten mit Modellen, Fotos und Filmen werden vom 17. November 2012 bis Ende Januar 2013 im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt ausgestellt.
Mindestens 100 Meter hoch und in den vergangenen beiden Jahren fertiggestellt müssen die Wolkenkratzer sein, um am Wettbewerb teilzunehmen. Unter 26 nominierten Objekten, die aus 17 Ländern stammen, wählte die Jury die fünf Finalisten aus. Wohl weil keines der Häuser in Europa steht, wurde diesmal ein sechstes Gebäude ausgezeichnet: Die frisch renovierten Doppeltürme der Deutschen Bank in Frankfurt erhielten eine besondere Anerkennung für das "Bauen im Bestand" der nun energieeffizient modernisierten Zentrale der Bank.





