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Kapitalflucht: Geld hat Beine – und es läuft in die Schweiz

Lange darbte der Kanton Jura. Nun strömen dank Präsident Hollande reiche Franzosen mit ihrem Geld ins Land. Damit gerät auch eine der letzten Ecken der Schweiz in den Sog der Globalisierung. Ein Boom im Armenhaus.

Naturpark in der Schweizer Jura bei Saignelégier. Quelle: dpa
Naturpark in der Schweizer Jura bei Saignelégier. Quelle: dpa

Julien Raval lenkt seinen weißen BMW X3 aufs Trottoir und zeigt auf ein Jugendstilhaus mit einem verwunschenen Garten: „Auch dieses Haus habe ich einem Franzosen verkauft. Einem Arzt. Hat ihn 900.000 Franken gekostet und 350.000 für die Renovation.“ An einen Franzosen ging ebenfalls die Fabrikantenvilla mit 12 Zimmern für 1,5 Millionen Franken, das Altstadthaus mit kleinem Privatpark, das wuchtige Einfamilienhaus an Hanglage, die 2.800 Quadratmeter Bauland mit unverbauter Fernsicht.

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Geld fällt nicht vom Himmel – aber es hat Beine. Seit Neuestem eilt es aus dem Ausland nicht mehr nur nach Zürich oder Zug, an den Genfersee oder ins Berner Oberland, sondern auch in die Ajoie. Nach Porrentruy, einem jurassischen Städtchen mit 6.800 Einwohnern.

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Lange Jahre darbte der Jura. Die Staatskassen waren leer, die Steuern hoch, die Industrie von Krisen geschüttelt, die Infrastruktur von gestern: Lediglich eine Kantonsstraße und eine einspurige Eisenbahn schlängelten sich durch die zerklüftete Landschaft; erst 2016 wird der Kanton ans Schweizer Autobahnnetz angeschlossen sein. Der Jura war eine Gegend, aus der man weg wollte.

Bis das große Geld kam.

„Hierher gebracht hat es François Hollande“, sagt Julien Raval, als wir später im Café de la Gare sitzen. Gleich nebenan liegt seine kleine Immobilienagentur. Man kennt sich, Raval flachst mit der Wirtin. Der Espresso kostet noch 3.50 Franken, das Interieur, orange Lampen und dunkles Kunsttäfer, ist aus der Zeit gefallen.

Europas Immobilienkrise Der Einbruch steht kurz bevor

Europa steuert auf eine Immobilienkrise zu: In Spanien stehen massenweise Wohnungen leer. In der Schweiz und in Frankreich steigen die Preise ins Unbezahlbare. In Deutschland gibt es die Blase bislang nur punktuell.

Als der Sozialist Hollande am 6. Mai zum Präsidenten Frankreichs gewählt wurde, kündigte er die Einführung einer Reichensteuer an. Was an Einkommen die Grenze von einer Million Euro im Jahr überschreitet, wird mit 75 Prozent besteuert. „Seither nehmen die Anfragen von Franzosen nach Immobilien stark zu“, sagt Julien Raval. „Und in neunzig Prozent der Fälle geht es ihnen dabei ums Steuernsparen.“

  • 14.11.2012, 13:22 Uhrhermann.12

    Die Ungleichverteilung ist eine Zwangsfolge der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik ebenso wie die ausrichtung auf dne Export.
    Letztlich führt der Drang nach sozialer Sicherheit dazu sich immer stärker auf die Unternehmen zu konzentrieren, die hohe bis sehr hohe Erträge erwirtschaften bzw. ordnungspolitisch deren Erträge zu sichern.
    Das führt zur Konzentration in der Wirtschaft und auch bei den Einkommen. Eben weil diese Strukturen und deren Leistungsträger deshalb immer bedeutender werden für die Volkswirtschaft. Alle die sonst diese hohe Abgabenlast und Gewinn nicht realisieren können scheiden aus dem Wettbewerb aus trotz erheblich besserer Dienstleistungen. Sehr gut zu beobachten an den Verbraucherschutzregulierungen im Finanzmarkt, die die Banken begünstigen, die kleinere Konkurrenz deutlich schwächt, obwohl es eigentlich umgekehrt sein müsste, wenn man nach Schadenssumme der Fehlberatungen ginge.
    Letztlich geht aber die Sicherheit der Arbeitsplätze in den großen Konzernen vor. Die prekären Beschäftigungsverhältnisse sind letztlich der Preis dafür, das die Konzerne keinen Wettbewerb im Lande fürchten müssen.
    Sie werden aber niemals Bürger davon überzeugen können, das es gerecht ist, einmal verdientes Geld über Abgaben quasi wieder zu konfiszieren um diese Verwerfungen wieder auszugleichen. Das gelingt Ihnen nicht mal bei denen, die jetzt eine solche Umverteilung fordern, weil niemand einsehen kann, das verdientes Geld doch nicht verdient sein soll.

    H.

  • 14.11.2012, 13:00 Uhrhermann.12

    Steuerparadiese gibt es nur, weil diese Staaten es sich leisten können niedrige Steuern zu erheben. sie sind ein notwendiges Regulativ für die Begehrlichkeiten gieriger Politiker, die lieber ständig steuern erhöhen, statt effektive Wirtschaftspolitik zu betreiben, die auch mal sehr unbequem sein könnte. Das vor allem, weil für diese Versäumnisse ohnehin andere verantwortlich gemacht werden, nämlich die "gierigen" Reichen.
    So bekommen wir Finanzkrisen, Eurokrisen ein demographisches Problem und die dumme Meute hetzt bis zum Zusammenbruch die Falschen.
    Die Probleme sind mit hohen Steuern nicht zu lösen, letztlich müssen die Privilegien weg, die letztlich den Druck auf die Einkommen erhöhen Nur mit einer besseren, aber auch nachvollziehbaren Einkommensverteilung ist das Problem lösbar. D.h. wir müssen die Wertschöpfung wieder auf mehr Schultern verteilen, durch bessere Wettbewerbschancen kleiner und mittlerer Betriebe.
    Die Sicherheit hoher Angestelltengehälter mit entsprechender Absicherung auf ebene des mittlerne mangements und höher in den Konzernen kommt uns sonst noch sehr teuer zu stehen.

    H.

  • 14.11.2012, 08:18 Uhrgoldeneye

    Steuerparadiese wie CH, MC, AND sollten weltweit in die Enge getrieben werden werden, mit allen Mitteln.
    Aber z.B, wird Frankreich sein "Anhängsel" Monaco niemals
    "weh tun", da hängen viel zu viele Fakten davon ab. MC ist immerhin Arbeitgeber für viele Menschen in der dortigen Region. Klar, gibt es welche die dort auch "richtig wohnen" - aber sehe viele, die eben nicht richtig dort wohnen - ist ja auch keine besonders tolle Lebensqualität dort - auch wenn das viele meinen!!!!!

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