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Perlen des Ostens: Magdeburg entdeckt die Elbe

Seine Reize entfaltet Magdeburg vor allem an der Elbe. "Leben an und mit der Elbe" heißt deshalb das Projekt, mit dem sich die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt an der internationalen Bauausstellung "Stadtumbau 2010" beteiligt. Mit dem Vorhaben besinnt sich Magdeburg wieder auf seine Qualitäten.

Aus dem Magdeburger Binnehafen wurde der "Wissenschaftshafen" - ein Quartier für forschungsnahe Dienstleister. Quelle: dpa
Aus dem Magdeburger Binnehafen wurde der "Wissenschaftshafen" - ein Quartier für forschungsnahe Dienstleister. Quelle: dpa

MAGDEBURG. Wer zum ersten Mal aus dem Magdeburger Bahnhof tritt, prallt gleichsam gegen eine Wand: das City Carré. Der gigantische Komplex mit 120 000 Quadratmetern (qm) Einzelhandels- und Bürofläche führt dem Besucher vor Augen, wie sehr die Magdeburger Innenstadt von der Geschichte geschunden worden ist: Im Zweiten Weltkrieg weit gehend zerstört, wurde sie danach von Plattenbau-Wohnblöcken der DDR ebenso geprägt wie von nicht immer feinfühlig konzipierten Neubauprojekten der 1990er Jahre.

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Ihre Reize entfaltet die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt vor allem an der Elbe. "Der Fluss, der gewissermaßen das Rückgrat der Stadt bildet, soll wieder stärker in die Stadtentwicklung integriert werden", sagt Stadtplanungsamtsleiter Heinz-Joachim Olbricht. "Leben an und mit der Elbe" heißt deshalb das Projekt, mit dem sich die Stadt an der Internationalen Bauausstellung (IBA) "Stadtumbau 2010" beteiligt. Am weitesten gediehen ist die Revitalisierung der elbenahen Gegenden im Wissenschaftshafen. Am Standort eines aufgegebenen Binnenhafens entwickelt die KGE Kommunalgrund ein Quartier hauptsächlich für wissenschaftsnahe Dienstleistungen. "Der Wissenschaftshafen ist sowohl im Gewerbe- als auch im Wohnbereich ein attraktiver Standort mit Potenzial", urteilt Annett Lorenz-Kürbis, Leiterin der Magdeburger Niederlassung des Immobilienberaters Aengevelt Immobilien.

Dass auch im Wohnbereich Bedarf besteht, erstaunt erst einmal, stehen doch nach Angaben der Stadtverwaltung 21 Prozent aller Wohnungen leer - und dies, obwohl im Rahmen des Programms Stadtumbau Ost bereits mehr als 7 000 Einheiten abgerissen worden sind. Dennoch hält es auch Amtsleiter Olbricht für notwendig, "den Wohnungsbestand mit neuen Angeboten aufzuwerten". Als Schwerpunkt der Wohnungsbautätigkeit ist mit dem ehemaligen Elbbahnhof ein weiteres IBA-Projekt vorgesehen; dort errichtet derzeit das Unternehmen Onnen & Onnen ein erstes Wohn- und Geschäftshaus.

Im Stadtkern dagegen gibt es kaum bauliche Projekte - zum Leidwesen der politisch Verantwortlichen. Denn diese wünschen sich seit Jahren eine Lösung für den "Blauen Bock", einen leer stehenden Plattenbau in prominenter Lage am Breiten Weg. Eigentümer Pirelli RE sucht derzeit einen Käufer für das Objekt, wie Annett Lorenz-Kürbis vom beratend tätigen Unternehmen Aengevelt sagt. Nachdem früher ein Neubau mit Einzelhandels- und Büronutzung geplant war, stehen jetzt eine Sanierung des Objekts und eine Wohnnutzung zur Diskussion.

Hintergrund dieses Umdenkprozesses sind Schwierigkeiten bei der Vermarktung von Gewerbeflächen. In der Stadt mit ihren fast 230 000 Einwohnern werden jährlich im Durchschnitt nur gut 20 000 qm Bürofläche vermietet. Der Einzelhandelsmarkt wiederum ist weit gehend gesättigt, verfügt doch Magdeburg pro Einwohner über 2,7 qm Verkaufsfläche - doppelt so viel wie im Bundesdurchschnitt. Hinzu kommt die dominierende Rolle des vom Branchenriesen ECE betriebenen Allee-Centers mit seinen 35 000 qm Verkaufsfläche: "Das Allee-Center", stellt Achim Weitkamp vom Maklerunternehmen Lührmann fest, "absorbiert einen Großteil der Kaufkraft".

International tätige Investoren sind in Magdeburg nicht so aktiv wie in Dresden oder Leipzig. Und wenn doch, dann gibt eher die Mikrolage den Ausschlag als die allgemeine Standortqualität Magdeburgs, wie René Ravn sagt, der Vorstand der Herkules Grundbesitz, die einen SB-Markt auf dem Areal des Alten Schlachthofs erwarb. Dieser fehlenden Konkurrenz wiederum kann Sascha Nöske, Vorstand der Strategis, die in der Stadt 5 500 Wohnungen verwaltet, durchaus Gutes abgewinnen: "Die Ankaufspreise für Objekte sind wesentlich geringer, und der Wettbewerb um attraktive Gebäude ist viel entspannter."

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