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Schweiz: "Liebe Steuerflüchtlinge"

Als der CDU-Politiker Friedrich Merz vor einigen Monaten zu einem Vortrag über die deutsche Steuerpolitik im noblen Züricher Efficency-Club erschien und die Gäste mit "Guten Abend, liebe Steuerflüchtlinge" begrüßte, erntete er schallendes Gelächter.

Wohl wahr: Es ist sicher nicht nur das Bergpanorama, das Deutsche in den Alpenstaat lockt. Dabei ist das hochgelobte eidgenössische Abgabensystem meilenweit von der Merz’schen "Steuererklärung auf dem Bierdeckel" entfernt. In der Schweiz summieren sich Bundes-, Kantons- und Gemeindesteuern mit unterschiedlichen Sätzen, wodurch die Gesamtlast je nach Wohnort stark variiert. Doch selbst in den teuersten Regionen ist sie deutlich niedriger als hier. So liegt der kumulierte Spitzensteuersatz in Zürich zwar bei 40 Prozent, greift aber erst bei hohen sechsstelligen Einkünften (siehe Tabelle „Steuern im Ausland“). In günstige Kantonen wie Schwyz oder Obwalden sind Spitzensätze von 20 Prozent keine Seltenheit.

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Zahlreiche Regionen haben zudem die Erbschaftsteuer für Ehegatten und Kinder abgeschafft. Davon zu profitieren ist für Deutsche aber schwierig. "Wenn Zuwanderer innerhalb von fünf Jahren nach dem Umzug sterben, ist trotzdem die deutsche Steuer fällig", warnt Steuerberater Lüdemann. Nach Ablauf der Frist bleibt es knifflig, weil die Erben ebenfalls in die Schweiz ziehen und alle Brücken abbrechen müssen, um in den Genuss der Steuervorteile zu kommen. Lüdemann: "Wer Immobilien oder Unternehmensanteile in Deutschland hat, ist weiter hier steuerpflichtig."

Auch von der niedrigen Einkommensteuer profitieren Neuankömmlinge nur, wenn sie mit Sack und Pack in die Schweiz gehen. Das nehmen gerade Multimillionäre im Ruhestand gerne in Kauf, weil die Eidgenossen ihnen ein Steuerbonbon bieten: den Status eines "Pauschalisten". Mitglieder dieser Steuerspezies zahlen statt einer progressiv steigenden Steuer eine pauschale Abgabe, deren Höhe Verhandlungssache ist. Der Vorteil ist fast immer immens und hat zahlreiche Prominente wie Ex-Rennfahrer Michael Schumacher, Investor August von Finck junior oder Milchmogul Theo Müller in die Schweiz gelockt.

Den Nachbarländern ist die Bauchpinselei der Superreichen ein Dorn im Auge. Nachdem der französische Sänger Johnny Hallyday zu Jahresbeginn nach Gstaad ins Berner Oberland gezogen war, beschimpfte ein Berater der Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal die Schweiz als "Ganovenstaat", der seine Nachbarn mit "Raubtiermethoden" plündere. Aber auch in der Schweiz wächst die Kritik, Bundesrätin Doris Leuthard monierte jüngst, dass Tennisstar Roger Federer zehn Mal mehr Steuern zahle als ein ausländischer Pauschalist mit vergleichbarem Einkommen.

Für Deutsche könnte sich bald eines ändern: Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) lässt 143 Doppelbesteuerungsabkommen überprüfen, die Deutschland mit anderen Staaten geschlossen hat. Alle Verträge, die Deutschland steuerliche Nachteile bringen, sollen neu verhandelt werden.

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