
Nicht zu viel Persönliches zeigen
"80 Prozent aller Menschen fehlt der Blick dafür, wie ein Haus einmal aussehen könnte", sagt Kirsten Schildt, deren Agentur Home Staging Schildt & von Beckerath eine der größten in Deutschland ist.
Die wichtigste Aufgabe der Home Stager ist es deshalb, allzu persönliche Spuren der Vorbesitzer aufzuspüren und zu minimieren. "Wir schaffen ein neutrales Bild der Wohnung, in dem sich Familien mit kleinen Kindern genauso wohl fühlen können wie ein kinderloses älteres Ehepaar", sagt auch Judith Daumann, die zusammen mit ihrer Kollegin Britta Möglin seit zweieinhalb Jahren die Agentur Home Staging Berlin betreibt.
Die Kosten dafür können ganz unterschiedlich ausfallen, je nach Agentur, Wohnungsgröße und Leistungsumfang. Die Erstberatung kostet oft 150 bis 300 Euro, danach liefern die Stylistinnen einen detaillierten Kostenvoranschlag mit möglichen Maßnahmen. Der Kunde kann dann wählen, ob er selbst Hand anlegen will oder die Arbeiten den Profis überlässt.
Dann werden Bilder abgehängt, Erinnerungsstücke und Kruzifixe in Kisten verstaut oder Möbelstücke abgebaut. In Einzelfällen dekorieren die Home Stager die Wohnung sogar komplett neu, zum Beispiel wenn die Vorbesitzer bereits ausgezogen sind oder wenn sich der Dekorationsstil beim besten Willen nicht mit dem Durchschnittsgeschmack vereinbaren lässt. Einige Agenturen haben einen eigenen Möbelfundus, andere greifen dafür auf externe Möbelvermieter zurück.
Profis helfen bei Problemfällen
"Wir haben seit einiger Zeit deutlich mehr Anfragen für Home-Staging-Zwecke", sagt Ulrike Strümpler, Geschäftsführerin von Interimo-Furniture. Ihr Wohnmöbelvermietservice richtet sich vor allem an Geschäftsleute, die im Auftrag ihrer Firma für einige Monate ins Ausland geschickt werden und sich den Zweitwohnsitz auf Zeit einrichten wollen, ohne dafür mit sämtlichen eigenen Möbeln umziehen zu müssen. Doch vor allem in München greifen inzwischen auch immer mehr Home Stager auf die Komplettpakete für Wohnzimmer oder Schlafzimmer zurück. Kostenpunkt: um die 130 Euro pro Monat für eine stylische Einrichtung.
Vor allem die Problemfälle unter den Immobilien landen auf dem Tisch der professionellen Aufhübscher. Trotzdem hat ihr Handwerk nichts mit optischem Betrug zu tun, sagen die Home Stager. "Wenn ein Haus zum Beispiel weit weg vom Stadtzentrum liegt und dann auf die Kunden nur durchschnittlich wirkt, lässt es sich schwer verkaufen. Aber wenn wir den Interessenten das Potenzial vor Augen führen können und ihnen zeigen, was sich aus dem Haus machen lässt, dann können wir damit die ungünstigere Lage vielleicht wettmachen", sagt Kirsten Schildt - die auch schon mal einen Auftrag abgelehnt hat, wenn das Objekt mit ihren Mitteln nicht mehr zu retten war. "Ein Verkäufer wollte, dass wir seine total renovierungsbedürftige Immobilie von innen schön möblieren. Aber das machen wir nicht. Wenn außen der Putz von der Wand fällt, bringen auch schöne Möbel nichts mehr."
Viel wichtiger ist es, beim Haus- oder Wohnungskauf die bausubstanz aufzuhübschen. Da wird neu tapeziert, um Risse und Schimmel zu verbergen, da wird Teppich gelegt um kaputte Fussböden unsichtbar zu machen, da werden neue Schalter und Dosen aus dem baumarkt installiert um gar nicht erst Gedanken an marode Leitungen hervorzurufen.





1 Kommentar
Alle Kommentare lesen