Nervosität der Anleger steigt
Der Boom bei US-Immobilien flaut ab

Am US-Immobilienmarkt herrscht Nervosität. Eine Gewinnwarnung der Wohnungsbaufirma Toll Brothers reichte bereits aus, um die Anleger in Panik zu versetzen.

HB NEW YORK. Der Spezialist für luxuriöse Familienresidenzen äußerte sich vor einigen Tagen besorgt über eine „schwächere Nachfrage in mehreren lokalen Märkten“ und schraubte seine Neubaupläne für das nächste Jahr zurück. Die Reaktion des Marktes: Die Aktie sackte an einem Tag um zwölf Prozent ab, und nicht nur das. Die Investoren verkauften alle Titel, die auch nur entfernt vom US-Wohnungsmarkt abhängen. In den Abwärtsstrudel gerieten Wohnungsbauunternehmen, Baumarktketten wie Home Depot und Lowe’s und selbst der Waschmaschinenhersteller Whirlpool sowie der Möbelhändler Ethan Allen. Sie alle profitierten bislang vom US-Bauboom.

Die Anleger sind zu Recht nervös. Denn die gesamte amerikanische Wirtschaft hängt vom Immobilienmarkt ab. „Der Wohnungssektor ist momentan die wohl wichtigste Einflussgröße für die US-Konjunktur“, sagt Scott Simon, Immobilienexperte des Anleihefondshauses Pimco, das zur Allianz gehört.

Viele US-Häuslebauer haben erlebt, wie der Wert ihres Zuhauses innerhalb weniger Jahre um ein Mehrfaches stieg. Dieser Wertzuwachs lässt sich in Amerika leicht in bares Geld verwandeln, weil die Banken Hypothekenkredite gern auf Basis der gestiegenen Preise umschulden und die Darlehenssumme erhöhen. „Auf diese Weise haben US-Bürger im vergangenen Jahr 600 Milliarden Dollar ihres Immobilienvermögens versilbert“, sagt Simon. Das Geld floss etwa in den Dachgeschoss-Ausbau, ein neues Badezimmer, aber auch in allgemeine Konsumausgaben und stützte die Konjunktur.

Endet der Bauboom, dann verlieren die US-Verbraucher eine wichtige Geldquelle, um ihren Konsum zu finanzieren. Manche Ökonomen wie Ian Shepherdson vom AnalyseInstitut High-Frequency Economics befürchten sogar eine Rezession. Denn die Sparquote der US-Haushalte beträgt derzeit null – das heißt, die Verbraucher haben keine Reserven und müssen ihre Ausgaben einschränken, wenn das Eigenheim keine stetigen Wertzuwächse mehr abwirft. Der US-Aktienmarkt geriete in diesem Fall unter Druck (siehe „Nebenwirkungen“). Pessimisten wie der Finanzprofessor Robert Shiller von der Eliteuniversität Yale warnen seit Jahren vor einer spekulativen Blase am US-Immobilienmarkt.

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