Neue Bundesländer
Das Kapital entdeckt den Osten

In Ostdeutschland tätige Investment-Berater haben derzeit gut zu tun. „2006 hat sich das Transaktionsvolumen für Asset-Deals allein in den ostdeutschen Investmentmärkten Dresden, Leipzig, Magdeburg, Rostock und Berlin im Vergleich zum Vorjahr um zwei Drittel erhöht“, sagt Wulff Aengevelt, Chef des gleichnamigen Düsseldorfer Beratungsunternehmens.

HB BERLIN. Das Interesse der Anleger gilt nach seiner Beobachtung in erster Linie Wohn- und Einzelhandelsimmobilien, in jüngster Vergangenheit aber auch Bürohäusern, Hotels und Logistikimmobilien. Andere Marktteilnehmer teilen Aengevelts Einschätzung. „Der Trend gerade bei den ausländischen Investoren geht verstärkt dahin, sich in den neuen Bundesländern umzusehen“, sagt Philipp C. Tabert, geschäftsführender Gesellschafter der in Berlin ansässigen Winters & Hirsch Property Consultants. Taberts Erklärung: „Es ist viel Kapital am Markt, das sich um die Objekte streitet.“ Dies bedeutet für Stefan Sachse, den Leiter der Leipziger Niederlassung von Atisreal, jedoch nicht, dass die Investoren nur deshalb in Ostdeutschland aktiv sind, weil sie im alten Bundesgebiet nicht mehr fündig werden. Vielmehr stimmten in vielen ostdeutschen Regionen mittlerweile die grundlegenden wirtschaftlichen Bedingungen.

Dies bestätigt Andreas Quint, geschäftsführender Gesellschafter der Catella Property Group. Für ihn sprechen die gut ausgebaute Infrastruktur, starke Industriezweige wie Automobil-, Halbleiter- und Solarindustrie, das touristische Potenzial und niedrige Arbeitskosten dafür, die Region zwischen der Insel Rügen und dem Vogtland als Investitionsstandort in Erwägung zu ziehen. Zudem dürfe man nicht übersehen, dass allein Sachsen ein deutlich höheres Bruttosozialprodukt als Ungarn aufweise. Auch die Research-Abteilung von Aengevelt stellt in manchen ostdeutschen Städten wie Dresden, Erfurt, Magdeburg oder Chemnitz eine beträchtliche Wirtschaftskraft fest. Das mittlere Kaufkraftniveau in den größten ostdeutschen Stadtregionen liegt demnach mittlerweile bei immerhin 91 Prozent des deutschlandweiten Mittelwertes.

Hinzu kommt nach Angaben von Atisreal-Mann Sachse als weiterer Vorteil das vergleichsweise günstige Preisniveau, das es erlaubt, für weniger als 1 000 Euro pro Quadratmeter Immobilien mit Wertsteigerungspotenzial zu erwerben. Allerdings hat sich die wachsende Nachfrage bereits deutlich auf die Erwerbskosten ausgewirkt. So erhöhte sich nach Aengevelt-Angaben im vergangenen Jahr der Durchschnittspreis für Wohnimmobilien-Pakete von 470 auf 605 Euro pro Quadratmeter. Philipp C. Tabert von Winters & Hirsch berichtet, dass binnen zweier Jahre der Preis für Einzelhandels-Portfolios vom Zwölffachen auf das 14-bis 16-fache einer Jahresmiete geklettert ist.

Entsprechend gehen seit 2005 die Renditen zurück. Nach Erhebungen von Aengevelt bewegen sie sich zwischen gut sieben Prozent für ein Bürogebäude in 1a-Lage und knapp zehn Prozent für einen SB-Fachmarkt in Stadtteillage. Bei innerstädtischen Bürohäusern mit hohem Vermietungsstand verhandelt Atisreal-Niederlassungsleiter Stefan Sachse jedoch auch Deals, bei denen ein Kaufpreis mit einem Vervielfältiger von mehr als 14 aufgerufen wird.

Dabei konzentriert sich nach Einschätzung Sachses das Interesse der Investoren auf Oberzentren wie Leipzig, Dresden, Erfurt, Halle, Magdeburg, Jena und Rostock. Doch keine Regel ohne Ausnahme. So berichtet Wulff Aengevelt von einer internationalen Investorengruppe, die für fast 30 Mill. Euro ein 40 000 Quadratmeter großes Fachmarktzentrum in einem nur 20 000 Einwohner zählenden Städtchen im Harz erwarb. Das sei dennoch eine kluge Investitionsentscheidung, findet Aengevelt, da das Fachmarktzentrum regional konkurrenzlos dastehe und immerhin eine um 1,5 Prozentpunkte höhere Rendite als ein vergleichbares Pendant in den alten Bundesländern biete.

Grundsätzlich, da sind sich die Beobachter einig, müssen Anleger in den neuen Bundesländern jedoch die demografische Entwicklung mit berücksichtigen. Vorurteile gegenüber Investitionen auf einst realsozialistischem Gebiet scheint es jedoch gerade bei ausländischen Investoren kaum mehr zu geben – „höchstens auf Grund dessen, dass sie die Region nicht kennen“, wie Atisreal-Mann Sachse sagt. Manchmal sei es sogar einfacher, mit einem ausländischen Investor zu sprechen: „Er sitzt nicht den bekannten Klischees auf“.

Sachse ist jedenfalls sicher, dass die Nachfrage nach ostdeutschen Investitionsobjekten mindestens in diesem Jahr ungebrochen sein wird. Und Wulff Aengevelt glaubt sogar an einen sich weiter belebenden Investmentmarkt: Wenn „weiter steigende Kaufpreismultiplikatoren oder Zinsen die bislang in westdeutschen Metropolen erzielbaren Leverage-Effekte relativieren, ist ein zusätzlicher Nachfrageschub für die neuen Bundesländer zu erwarten.“


VERGLEICHSRECHNER

mehr

  

Nutzen Sie hier unseren kostenlosen und unabhängigen Service: Wer bietet Ihnen aktuell die besten Zinsen und Konditionen?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%