Neue Ordnung in Belgiens Hauptstadt
Stararchitekt verschönert EU-Viertel in Brüssel

Brüssels Europaviertel ist nicht eben eine Schönheit: Überall wird gebaut, und das ohne jeden Zusammenhang – bislang. Jetzt soll Christian de Portzamparc Glanz, Leben und vor allem Ordnung in das Durcheinander bringen. bis 2025 will der französische Stararchitekt mit prägnanten Hochhäusern ein neues Wahrzeichen schaffen.

dpa BRÜSSEL. Immer wieder müssen in Brüssels Europaviertel historische Häuser mit Flair, viele davon regelrechte Jugendstil-Perlen, gesichtslosen Bürotürmen weichen. Kleine Gassen münden abrupt in mehrspurige Straßen und Untertunnelungen. Neuankömmlinge finden sich in dem Quartier ebenso wenig zurecht wie im Institutionen-Wirrwarr der EU.

Einen übergeordneten Bebauungsplan gibt es nicht, und das Viertel, in dem Europaparlament, EU-Ministerrat und Europäische Kommission ihren Sitz haben, platzt aus allen Nähten. Jetzt soll der französische Stararchitekt Christian de Portzamparc Glanz, Leben und vor allem Ordnung in das Durcheinander bringen. Er hat jüngst den Wettbewerb der regionalen Regierung von Brüssel und der EU-Kommission gewonnen. Ganze 390 000 Quadratmeter sollen unter Portzamparc entstehen, zusätzlich zu den 3,4 Mio. Quadratmeter Bürofläche, die die EU-Institutionen, Lobbyisten und Journalisten bereits beanspruchen.

International bekanntgeworden ist der 65-Jährige mit der futuristischen Konzert- und Museums-Anlage „Cité de la musique“ im Norden von Paris oder dem New Yorker Hochhaus für den Luxuskonzern LVMH in Form einer Champagnerflasche. In Berlin entwarf er den Neubau der französischen Botschaft am Pariser Platz. Unter Fachleuten gilt er als exzellenter, sympathischer sowie konservativer Urbanist. Den Belgiern ist er bekannt, hat er doch jüngst einer belgischen Ikone, Tim-und-Struppi-Schöpfer Hergé, vor den Toren der Hauptstadt ein Museum geschaffen.

In Brüssel kümmert sich Portzamparc vor allem um die Problemzone Nummer eins: die Rue de la Loi. Die historische Hauptachse Brüssels trennt das Europaviertel in zwei Hälften. Noch schieben sich hier unter der Woche Blechlawinen hindurch, flankiert von grauen Bürohäusern. Für Fußgänger gibt es teilweise über mehrere hundert Meter hinweg keinen Übergang. Grüne Parks, Terrassen und Straßencafés zwischen den Gebäuden werden künftig diesen „langen Korridor“ aufbrechen, heißt es in der Projektbeschreibung. Und für den Dauer-Stau soll eine Straßenbahn Abhilfe schaffen.

Er werde „in den Himmel bauen“, kündigte der Architekt an. Weniger Gebäude sollen das Quartier dominieren – aber dafür größere. Neben zahlreichen neuen Hochhäusern soll ein alles überragender Gebäudekomplex ein besonderes architektonisches Zeichen setzen: Drei nebeneinanderstehende, schlichte Vierkant-Türme sollen „zu Europa und der Welt sprechen“, so Portzamparcs Vision. In Entwürfen sind sie etwa drei Mal so hoch wie das 130 Meter messende, sternförmige „Berlaymont“-Gebäude, der Sitz der EU-Kommission. Konkrete Pläne muss der in Paris lebende Architekt erst im Herbst vorlegen. Auch über die Kosten des gigantischen Projekts ist noch nichts bekannt. Die Bauarbeiten sollen 2011 beginnen und 2025 abgeschlossen werden.

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