Neue Wohnungen
Altbauten zu sanieren, reicht nicht

In Deutschland werden derzeit zu wenig Wohnungen gebaut. Gegenwärtig entstehen hier zu Lande 175 000 Wohnungen im Jahr. Das genügt nicht einmal, um den aus der Bevölkerungsentwicklung abgeleiteten Wohnungsbedarf auszugleichen.

BERLIN/DÜSSELDORF. Allein um die steigende Zahl der Haushalte mit Wohnraum zu versorgen, müssten bis 2017 Jahr um Jahr mehr als 200 000 Einheiten errichtet werden. Der wirkliche Bedarf beträgt aber laut Pestel Institut bis 2025 im Jahresdurchschnitt rund 400 000 Wohnungen. Der Zusatzbedarf ergebe sich daraus, dass viele Wohnungen im Bestand nicht mehr zum heutigen Lebensstil und den Anforderungen an die Energieeffizienz passen. "Die Sanierungs- und Modernisierungskosten übersteigen die Neubaukosten", sagte Matthias Günther, Vorstand des Instituts und Verfasser der von Verbänden der Bau- und Immobilienbranche in Auftrag gegebenen Studie.

"Die Förderprogramm der KfW senden Signale, alte Bestände zu sanieren", kritisiert Alexander Rychter, Bundesgeschäftsführer des BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen. "Es macht keinen Sinn, Bestände, die bauphysikalisch am Ende sind, zu modernisieren."

Der absehbare Wohnungmangel eint Verbände, die sonst völlig gegensätzliche Positionen einnehmen. "Wir müssen Anreize schaffen für Investoren", bläst Franz-Georg Rips, Präsident des Deutschen Mieterbunds (DMB), vor der Bundestagswahl in diesem Jahr ins gleiche Horn wie die Vertreter der Vermieter. Dabei müsse jedoch über "intelligente Instrumente für eine regionalisierte Förderung" nachgedacht werden. Konkret empfiehlt Rips, die vom BFW geforderte degressive Abschreibung auf Regionen zu beschränken, die wie zum Beispiel die Großräume München und Stuttgart einen deutlichen Bedarf an zusätzlichem Wohnraum und eine prosperierende Wirtschaft aufweisen.

Bedenken hat Rips, wenn es darum geht, nicht sanierungswürdige Bestandsbauten durch Neubauten zu ersetzen: "Der Ersatzbau darf bezahlbare Wohnungen für einkommensschwache Nachfragegruppen nicht vom Markt verdrängen." Auch dafür hat Vermieter-Lobbyist Rychter Verständnis: "Die Differenz zur bezahlbaren Miete muss gefördert werden", sagt er.

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