Neuregelung
Fonds bekommen Mittelabflüsse in den Griff

Die Anbieter offener Immobilienfonds haben einen weiteren Schritt zur Eindämmung plötzlicher hoher Mittelabflüsse getan. Künftig werden die Depotbanken Auskunft darüber geben, ob eine Privatperson oder ein institutioneller Investor Geld anlegt.
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FRANKFURT. Die Vorgespräche mit der Kreditwirtschaft über die technische Durchführbarkeit seien erfolgreich abgeschlossen worden, sagt Reinhard Kutscher, Vorsitzender des Immobilienausschusses im Fondsbranchenverband BVI und Sprecher der Geschäftsführung der Union Investment Real Estate (UIRE). Erst die bisher noch nicht mögliche Identifikation institutioneller Investoren - im Juristendeutsch "nichtnatürliche Personen" genannt - ermöglicht es, die einjährige Kündigungsfrist für Anteile Institutioneller in Publikumsfonds durchzusetzen. Depotbanken verwalten die Fondsanteile für die Anleger.

Privatanleger sollen davon nicht betroffen sein und ihre Anteile weiterhin börsentäglich zurückgeben können. Das Investmentgesetz soll in diesem Jahr novelliert werden, da es ohnehin europäischen Vorgaben angeglichen werden muss. Ob die Vorschläge so umgesetzt werden, ist jedoch noch offen.

Im Oktober 2008 hatte vor allem die Flucht institutioneller Anleger aus offenen Immobilienfonds zwölf Fonds in so große Liquiditätsnöte gebracht, dass sie die Anteilsrücknahme für alle Anteilsinhaber aussetzen mussten. Zeitweise waren mehr als 30 Mrd. Euro Anlegergelder blockiert. Heute stecken noch gut acht Mrd. Euro in fünf Fonds fest.

Nachdem Ende 2005 erstmals Immobilienfonds geschlossen worden waren, hatte sich die Branche selbst verpflichtet, künftig keine frischen institutionellen Gelder in Publikumsfonds anzunehmen. Doch Verstöße dagegen führten erneut in die Krise. Anbieter, die hohe Summen institutioneller Anleger verwalteten, versuchten sich bisher immer mit dem Hinweis zu entschuldigten, sie könnten die Herkunft der Gelder nicht kontrollieren. Depotbanken würden darüber keine Auskünfte geben, wurde argumentiert.



Verwalter großer Privatvermögen sind nicht betroffen

Die geplante Neuregelung kann allerdings nicht verhindern, dass Vermögensverwalter bei ihnen gepoolte Gelder von Privatanlegern auf einen Schlag abziehen. "Ein überschaubares Problem", meint aber Kutscher.

Als zusätzliches Instrument zur Liquiditätssicherung müssen die Vertragsbedingungen aller Publikumsfonds die Möglichkeit einer dreimonatigen Kündigungsfrist für den Fall vorsehen, dass binnen 30 Tagen mehr als fünf Prozent der Anteile zurückgegeben werden. Diese Klausel gilt für alle Anleger. Ihre Anwendung ist in das Ermessen des Fondsmanagements gestellt. Der Hintergrund dieser Regelung: Eine Gesellschaft, deren Fondsvermögen zu 30 Prozent aus liquiden Mitteln besteht, ist weniger gefährdet, schließen zu müssen, als eine, die über einen halb so hohen Anteil verfügt.

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