Niedrigzinsen
Versicherer drängen in den Immobilienmarkt

Anlagenot treibt Versicherungen in Immobilien. Sie stecken Milliarden in Einkaufszentren und Wohnungen. Künftig wollen die Konzerne noch mehr in Deutschland investieren – obwohl mancher eine Blase fürchtet.
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DüsseldorfDie Kö in Düsseldorf ist eine der angesagtesten Einkaufsmeilen der Republik – und sicherlich eine der teuersten Adressen. Das weiß auch die Allianz. Der Versicherungskonzern hat kürzlich die Kö-Galerie gekauft, ein Shoppingcenter auf der Königsallee. Der edle Einkaufstempel erstreckt sich über 20.000 Quadratmeter und drei Etagen, dazu kommen Büros auf einer Fläche von weiteren 30.000 Quadratmetern. Kaufpreis: 300 Millionen Euro.

Was will eine Versicherung mit einem Shoppingcenter? Die Allianz betrachtet die Immobilie als reines Investment. Sie liegt damit im Trend. Versicherungen kaufen verstärkt Büros, Wohnungen oder Einzelhandelsimmobilien.

Davon versprechen sie sich stabile Mieteinnahmen plus die Aussicht auf Wertsteigerung. Nach einer Marktstudie der Unternehmensberatung  EY (vormals: Ernst & Young) will die Assekuranz ihre Immobilieninvestitionen deutlich ausbauen.

Der Grund: „Die anhaltend niedrigen Zinsen und das Garantiezinsversprechen der deutschen Versicherungen veranlassen die Versicherer, weiter in Immobilien zu investieren“, sagt Dietmar Fischer, Partner bei EY Real Estate.

Insgesamt verfügt die deutsche Versicherungsbranche über Kapitalanlagen in Höhe von 1,4 Billionen Euro. Drei Viertel davon stecken noch in festverzinslichen Papieren wie etwa Bundesanleihen. Doch die werfen kaum noch etwas ab. Die Zinsen in der Euro-Zone sind historisch niedrig und daran dürfte sich so schnell nichts ändern. Die Unternehmen müssen sich etwas einfallen lassen, um die Versprechen gegenüber ihren Kunden zu erfüllen.

Eine rentierliche Alternative könnten Immobilien sein. Nach der Umfrage von EY wollen die Versicherer ihre Immobilienquote bis Ende 2014 auf durchschnittlich 7,7 Prozent steigern, aktuell liegt sie bei rund 7,3 Prozent. In absolute Zahlen hochgerechnet entspricht das einer Steigerung um etwa 4,5 Milliarden Euro auf 108 Milliarden Euro. Da Versicherer zu den aktivsten Immobilieninvestoren zählen, wird dieser Trend nicht ohne Folgen für den gesamten Markt bleiben.

Kommentare zu " Niedrigzinsen: Versicherer drängen in den Immobilienmarkt"

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  • Es ist ja nicht so, als dass die VBersicherer in diesem Markt nicht schon traditionell tätig wären. Die Diskussion um die Nullzinspolitik der EZB ist lediglich willkommenes Bewerk für die Versicherer sich an den den Ansprüchen der Versicherten zu bereichern.

    Wie ist es eigentlich mit den Bewertungsreserven, die die Versicherer bereits jetzt in ihrem Immobilienvermögen aufgebaut haben?

    Haben Versicherer im Rahmen der Nullzinspolitik der EZB auch ihre Mieten gegenüber den Mietern in deren Immobilien gegen Null gesetzt?

    Was macht die BaFin oder ist sie auch schon gekauft?

    Bundestagsabgeordnete müssen doch nachfragen.

    In Hamburg wirft die Staatsanwaltschaft Dr. Nonnenmacher grob fahrlässiges Verhalten vor, weil er nicht nachgefragt haben soll. Wollen wir denn keinen Gleichbehandlungsgrundsatz mehr in Deutschland gelten lassen?

    Rechtssicherheit? Wo???

  • Ich freu mich schon, wenn in 25 Jahren dem dummen Immo+Sparmichel die Augen aus dem Kopf rollen, weil er doppelt abgezockt wurde. Weil 1. seine Immobilie die er sich in der heutigen Blase überteuert zugelegt hat, nur noch einen Bruchteil wert ist, und 2. weil seine LV, die dasselbe gemacht hat dann pleite ist. Leute, die Suppenküche wartet auf euch

  • Erika und Kauck kommen aus STASI-Hausen, sollte es da nicht jedem Zeichen genug sein, wohin die Reise geht?

    Wer wirklich Geld hat und wer wirklich Sicherheiten haben will, kann sein Geld nur in seriösen Ländern anlegen, z.b. Singapore

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