Noch ist die Auswahl an nachhaltigen Titeln gering, doch dies dürfte sich in Zukunft ändern
Sarasin legt grünen Immobilienaktienfonds auf

Die Schweizer Bank Sarasin hat den weltweit ersten Immobilienaktienfonds aufgelegt, der nach ökologischen und sozialen Kriterien investiert. Thomas Beyerle, Chefanalyst des Immobilienfondsanbieters Degi erwartet weitere solche Fonds: "In fünf bis zehn Jahren kommt kein Anbieter ohne Nachhaltigkeitsprodukte aus. Schon in absehbarer Zeit werden nicht nachhaltige Immobilien abgestraft."
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Der Sarasin Sustainable Equity - Real Estate Global investiert weltweit in börsennotierte Immobiliengesellschaften, die auf 70 Qualitätsaspekte wie Energieeffizienz, gesunde Materialien, ökologische Lebenszyklusanalysen und gute Arbeitsbedingungen achten sowie verständlich und offen darüber berichten. Fondsanalysten beurteilen, ob die Firmen Neubauten zertifizieren lassen, wie sie mit Altbeständen umgehen und fragen, wie sie vertraglich und in der Praxis illegale Beschäftigung auf Baustellen vermeiden.

Der Fonds entstand durch Neuausrichtung eines konventionellen Vorgängers. "Knapp die Hälfte des Nettovermögenswertes wurde umgeschichtet", sagt Klaus Kämpf, Nachhaltigkeitsanalyst der Baseler Bank. Aktuell investiert der Fonds ein Volumen von 8,1 Mio. Euro in 51 Titel. Deutsche Firmen kamen nicht hinein. Die Hürde ist hoch: In Frage kommen nur 63 von 162 analysierten Großunternehmen aus dem MSCI-Weltindex sowie kleinere Firmen. Die Datenlage sei nicht so gut wie bei anderen Branchen, auch sei das Anlageuniversum begrenzt, räumt Kämpf ein. Beides reiche aber für einen Themenfonds.

"Es ist sicher kein unattraktives Konzept, aber es muss sich erweisen, ob es sich etablieren kann", sagt Helmut Kurz, Fondsmanager bei der durch Immobilienaktienfonds bekannten Privatbank Ellwanger & Geiger. Kurz erwägt eine solche Fokussierung nicht, schließt sie für die Zukunft aber auch nicht aus. Überrascht von Sarasins Vorstoß zeigt sich Tajo Friedemann, Berater bei der Immobilienberatungsfirma Jones Lang Lasalle (JLL): "Börsennotierte Bestandshalter, zumindest in Deutschland, haben nur eine verschwindend geringe Anzahl nachweislich grüner Gebäude.

Auch Beyerle hält den geringen Bestand an nachhaltigen Gebäude für problematisch. Überdies verstünden viele Analysten das Thema mangels international einheitlicher Standards noch nicht ausreichend, kritisiert er. Der Wert solcher Fonds sei daher nur so gut wie die dahinter stehenden Gebäude - die müsse man sich daher genau ansehen, betont er. Darum sei das Thema zunächst eher für Institutionelle geeignet, die damit bereits etwas anfangen könnten.

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