Notleidende Immobilienfonds
Japans Regierung stützt Immobilientrusts

Der japanische Staat wirft eine Rettungsleine für notleidende Immobilienfonds aus. Ein öffentlich-privater Stützungsfonds soll ab September bis zu 3,7 Mrd. Euro in Real Estate Investment Trusts (Reit) investieren, die in akuten Zahlungsschwierigkeiten stecken. Angesichts der Marktflaute zeichnet sich eine Konsolidierung ab.
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TOKIO. Zielgruppe sind vor allem solche Fonds, die fällig werdende Anleihen wegen Geldmangels nicht tilgen können. Die staatliche Development Bank of Japan (DBJ) soll das Stützungsprogramm zusammen mit privaten Unternehmen unter der Ägide des Staates umsetzen. Das führende Wertpapierhaus Nomura gründet dazu demnächst zusammen mit der Development Bank ein Gemeinschaftsunternehmen. Dessen Kapital soll zu 80 Prozent von Japans Großbanken kommen. Sie haben sich zur Teilnahme bereit erklärt, weil sie als führende Geldgeber von Reit-Pleiten besonders betroffen wären. Die verbleibenden 20 Prozent schießen die Staatsbank und größere Immobilienfirmen zu.

Neben dem Ziel, den Finanzmarkt zu stabilisieren, will das staatlich-private Gemeinschaftsunternehmens DBJ-Nomura mit den Transaktionen auch Geld verdienen. Der Fonds wird nur in grundsätzlich gesunde Reits investieren und erwartet Zinszahlungen für sein Engagement. Die Zinsen sollen jedoch anfangs niedrig liegen und erst mit der Zeit steigen, so dass die Reit-Manager einen Anreiz haben, schnell zu tilgen. Definitiv nicht geplant ist, den Marktpreis der Reits durch Ankauf von Aktien zu stützen. Das Investment gilt allein der Kapitalgesellschaft.

Überdies erhofft sich die Regierung von dem Programm eine Stützung des Immobilienmarkts, denn gesunde Fonds können eher als Käufer auftreten. „In Zeiten eines klemmenden Immobilienmarktes schrumpfen auch die Finanzierungsmöglichkeiten für Investmentgesellschaften. Wenn weitere Reits insolvent werden, droht uns eine schwierige Lage“, begründete der Minister für Land, Infrastruktur und Verkehr, Kazuyoshi Kaneko, seinen Schritt. Der Markt nahm die Nachrichten mit Freude auf und schickte den Tokioter Reit-Index vorerst auf neue Jahreshochstände. „Der Anstieg könnte jedoch etwas verfrüht sein“, warnt Analyst Shigeto Yamazaki von dem Informationsdienst Reit Data. Entscheidend sei die tatsächliche Entwicklung des Immobilienmarktes.

Unterdessen zeichnet sich angesichts der Marktflaute eine Konsolidierung unter Japans Immobilienfonds ab. Die Regierung hat durch neue Steuergesetzgebung die Fusion der Kapitalgesellschaften erleichtert. Der Handelskonzern Itochu befindet sich dem Vernehmen nach in Gesprächen mit dem angeschlagenen Reit Nippon Residential Investment. Itochu würde Nippon Residential mit dem eigenen Reit Advance Residence Investment verschmelzen. Daiwa House hat bereits Bereitschaft signalisiert, den Pleitefonds New City in eine eigene Tochtergesellschaft zu überführen.

Derzeit befinden sich an der Börse Tokio 40 Reits im Handel. Die Fonds hatten sich im Aufschwung bis 2007 viel Geld geliehen, um es in Immobilien zu investieren – unterm Strich derzeit etwa sieben Billionen Yen. Jetzt geraten sie mit hohen Schulden angesichts niedrigerer Marktpreise der Investments in Schwierigkeiten.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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