Notleidende Portfolios
Immobilienfinanzierer: Die Retter stehen bereit

In den nächsten Monaten fallen immer mehr Immobilien an die Banken, weil hochverschuldete Investoren nicht mehr zahlen können. Doch des einen Leid ist des anderen Freud. Immobiliendienstleister und neugegründete Spezialisten wittern ihre Chance. Sie haben es auf notleidende Portfolios abgesehen.
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DÜSSELDORF. Retten, was zu retten ist. Das wird die Devise der Banken sein, wenn in den nächsten Monaten immer mehr Immobilien an sie fallen, weil hochverschuldete Investoren Zins und Tilgung nicht mehr zahlen können. Die Retter stehen schon bereit. Große Immobiliendienstleister weiten ihr Vermögensverwaltungsgeschäft aus und richten es auf das managen notleidender Portfolios aus. Hinzu kommen Neugründungen von Spezialisten, die auf dieses Milliarden-Geschäft zielen.

"Das Krisen-Geschäft kommt in Wellen", sagt Wolfgang Wingendorf, der als Geschäftsführer des Immobilienverwalters Treureal schon mehr als eine Krise erlebt hat. Im nächsten Jahr werde die Welle anschwellen, prophezeit er. Oliver Obert, Geschäftsführer von BNP Paribas Real Estate in Deutschland, schätzt den Umfang der notleidenden Immobilienkredite zurzeit "vorsichtig" auf einen hohen einstelligen Milliardenbetrag.

Schuldner sind sehr häufig als GmbH firmierende Objektgesellschaften, mit nicht mehr als dem Mindestkapital von 25 000 Euro ausgestattet. Die Investoren, die dahinter stehen, werden kein Geld nachschießen, um ihre überschuldeten Gesellschaften vor der Insolvenz zu bewahren. Ihr Geschäftsmodell, einkaufen und nach zwei bis drei Jahren teurer verkaufen, ist der Rezession zum Opfer gefallen.

Während der letzten Krise vor sieben Jahren bereinigten Immobilienfinanzierer ihre Bilanzen vor allem, in dem sie notleidende Kredite, englisch Non Performing Loans (NPL), zu geschätzten Quoten zwischen 40 und 60 Prozent verschleuderten. Nun sollen Spezialisten, die Verluste geringer halten. "Die Banken suchen Hilfe bei Property Managern und Asset Managern", sagt Roy Frydling, Deutschland-Geschäftsführer des britischen Dienstleisters Savills. Die einen kümmern sich direkt um das Gebäude, versuchen beispielsweise Mietverträge zu optimieren und Leerstand abzubauen, die anderen suchen etwa nach Verwertungsmöglichkeiten.

Die Dienstleister sind davon überzeugt, dass Kreditinstitute in ihren Work-out-Abteilungen nicht genügend Mitarbeiter haben, die Immobilien effektiv bewirtschaften können. In den Work-Out-Abteilungen landen Problem-Kredite der Banken. Vor allem im Umgang mit Gebäuden unterschiedlicher Nutzungsarten - von Wohnungen über Büros und Supermärkte bis zu Lagerhallen - rechnen sich die Verwalter Chancen aus. Portfolios würden nach Segmenten und Risiken aufgegliedert, beschreibt Obert, wie Verkäufe vorbereitet werden könnten. "Spezialist löst Finanzinvestor ab", nennt Axel König, Vorstand des auch als Verwalter tätigen Dienstleister NAI Apollo, eine Verwertungsstrategie.

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