Öko-Häuser
Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Pünktlich zum Beginn der Heizperiode hat die Politik die gültige Energieeinsparverordnung (Enev) noch einmal deutlich verschärft. Kein Wunder, dass energieeffiziente Häuser bei Bauherren derzeit hoch im Kurs stehen. Doch die Öko-Häuser haben ihren Preis.
  • 0

KÖLN. Es dauert nicht mehr allzu lange, dann laufen in gut 40 Millionen deutschen Wohnungen und Eigenheimen die Heizungen wieder auf Hochtouren. Schließlich wollen gut 3,5 Mrd. Quadratmeter Wohnfläche beheizt werden – und das kostet viel, sehr viel Energie: Umgerechnet 15 Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr verbrauchen deutsche Singles, Paare und Familien im Durchschnitt, um es in den eigenen vier Wänden auch im Winter mollig warm zu haben und das Wasser auf angenehme Duschtemperatur zu bringen. Rein rechnerisch verschwinden damit Jahr für Jahr knapp 52 Mrd. Liter Heizöl durch die Schornsteine der Privathaushalte. Eine gigantische Menge.

Wer es also ernst meint mit dem Klimaschutz, muss nicht nur sparsame Autos auf die Straße, sondern auch sparsame Gebäude in Städte und Dörfer bringen. Das wissen die politisch Verantwortlichem seit langem und haben daher – pünktlich zum Beginn der diesjährigen Heizperiode – die gültige Energieeinsparverordnung (Enev) noch einmal deutlich verschärft. Sie gibt vor, wie viel Heizenergie Gebäude verbrauchen dürfen, die neu gebaut oder umfassend modernisiert werden. 30 Prozent weniger Primärenergie als in der „alten“, 2007 in Kraft getretenen Enev müssen Neubauten ab dem 1. Oktober einsetzen, um Räume und Wasser zu temperieren. Außerdem schreibt der Gesetzgeber vor, dass ein Teil der Energie aus erneuerbaren Quellen gewonnen wird.

Technisch ist das inzwischen kein Problem mehr. Niedrigenergiehäuser, die zwischen drei und sieben Litern Heizöl pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr verbrauchen, sind heute im Neubau Standard. Und selbst Passivhäuser, die dank hervorragender Dämmung, einer kontrollierten Lüftungsanlage und solarer Warmwasserbereitung gar keine Heizung mehr brauchen, haben ihre Feuerprobe seit langem bestanden. Alles in allem auch ein Erfolg der im internationalen Vergleich strengen hiesigen Baustandards. „Deutschland ist auf dem Feld des energiesparenden Bauens ein Vorreiter und führend in Europa“, sagt Olov Boback, Geschäftsführer der Bauträgergesellschaft NCC Deutschland. „Das Regelwerk ist sehr durchdacht und nur schwer zu toppen“, begründet der für die deutsche Tochter des schwedischen Bauriesen NCC verantwortliche Manager sein Urteil.

Das technisch Machbare allerdings hat seinen Preis, doch den können Bauträger nur bedingt an ihre Kunden weitergeben. Die typische Kundschaft des schwedisch-deutschen Bauträgers etwa sind junge Familien – und deren Budget ist knapp bemessen. „In Berlin liegt der Durchschnittspreis für eines unserer Reihenhäuser inklusive Grundstück daher bei 170 000 Euro, in Köln sind es 230 000 Euro“, sagt Boback.

Viel teurer darf ein Haus für eine Klientel mit nur geringem Eigenkapital nicht werden. Passivhäuser hat der Bauträger folgerichtig nicht im Programm: Sie sind im Vergleich zum Niedrigenergiehaus noch einmal zehn, eher 15 Prozent teurer – eine Investition, die sich selbst bei stark steigenden Energiepreisen nur langsam amortisiert. „Fast jeder Kunde fragt uns zwar nach einem Passivhaus, kauft dann aber doch das günstigere Niedrigenergiehaus“, sagt auch Marco Hammer, Geschäftsführer des Fertighausherstellers Hanse Haus. Seine Branche hat sich schon früh dem Thema des energiesparenden Bauens verschrieben, eine ganze Reihe von Firmen führen bereits Passivhäuser in ihrem Programm. Mehr als 15 Stück pro Jahr aber verkauft auch der zum Münchener Schörghuber-Konzern gehörende Anbieter Hanse Haus nicht – bei einer Jahresleistung von rund 1 000 verkauften Häusern im In- und Ausland ein Anteil von gerade einmal 1,5 Prozent. Kein Grund, sich vom Passivhaus zu verabschieden, sagt Geschäftsführer Hammer: „Wer Passivhäuser baut, dem vertraut der Kunde auch beim Bau von Niedrigenergiehäusern.“ Außerdem erwartet Hammer, dass dem Haus ohne Heizung die Zukunft gehört: Die nächste Enev nämlich ist schon in Planung. Sie soll ab 2012 gelten und noch den Energieverbrauch noch einmal um 30 Prozent senken.

Kommentare zu " Öko-Häuser: Zwischen Wunsch und Wirklichkeit"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%