Öko-Immobiien
London bekommt grünen Anstrich

In der britischen Hauptstadt soll ein Ökoviertel entstehen. Ein Siemens-Gebäude ist das bisherige Vorzeigeprojekt dieses Stadtteils.  
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LondonEs war eine spontane Idee des Londoner Bürgermeisters Boris Johnson. In einem elektrisch angetriebenen Porsche fuhr er im Frühjahr 2010 mit einem Siemens-Manager durch die Stadt. Sie plauderten über die Technologien der Zukunft und die grünen Innovationen des Konzerns, als Johnson vorschlug: All das sollte Siemens doch mal vorführen – in seiner Stadt, die grüner werden soll, sauberer und billiger für die gut acht Millionen Einwohner.

Fast eineinhalb Jahre später nimmt die Idee konkrete Formen an. Im Londoner Osten ragen Stahlsäulen in die Höhe, einige Stockwerke sind bereits eingezogen. „Hier werden die Büros und Konferenzräume sein“, sagt Sebastian Ricard von dem Architekturbüro Wilkinson Eyre und läuft gestikulierend über die Baustelle, „hier die Ausstellungsräume und dort die Schaltzentrale für die Technik, um den Kohlendioxidausstoß auf ein Minimum zu reduzieren.“ 30 Millionen Pfund (umgerechnet 34 Millionen Euro) werden hier investiert.

Das Siemens-Nachhaltigkeitszentrum ist eines von Johnsons Vorzeigeprojekten und das Herzstück eines neuen Stadtviertels, das in Sichtweite der Finanztürme von Canary Wharf entstehen soll: der Green Enterprise District. Unternehmen, die Technologien zum Klimaschutz, zum sparsamen Einsatz von Ressourcen und für höchste Energieeffizienz herstellen, sollen sich hier ansiedeln. Auf Investitionen von bis zu 140 Milliarden Pfund hofft Johnson und 6000 neue Jobs.

Das Stadtviertel ist Teil der grünen Revolution, die die konservativ-liberale Koalition unter Premier David Cameron dem gesamten Land verordnet hat – in dem die Häuser bis heute kaum isoliert sind, Einfachfenster weit verbreitet, ebenso wie brüchige und alte Leitungen für Wasser, Strom, Gas.

Das soll sich ändern und dazu will auch die Politik beitragen. Im ersten Jahr seiner Regierungszeit hat Cameron bereits 14 Prozent weniger CO2-Ausstoß geschafft. Bis 2015 sollen 25 Prozent weniger in die Atmosphäre gelangen.

Immobilien spielen dabei eine große Rolle, denn auf sie entfällt nach Expertenangaben bis zu 70 Prozent des Stromverbrauchs eines Landes, 40 Prozent des gesamten Energieeinsatzes und 40 Prozent des Kohlendioxid-Ausstoßes.

Erkannt haben die Briten dies bereits vor mehr als 20 Jahren. Sie kreierten 1990 die Bewertungsmethode Building Research Establishment Environmental Assessment Method (Breeam) für grüne Häuser und waren damals die Ersten. Inzwischen hat etwa ein Viertel aller neuen Gewerbeimmobilien in Großbritannien ein solches Zertifikat. Tendenz steigend.

Ökologisches Bewusstsein macht Immobilien zwar teurer, doch nach und nach hätten Investoren nachhaltiges Bauen als Imagefaktor entdeckt, sagt Jim Eyre vom Architekturbüro Wilkonson Eyre. „Es geht langsam voran, aber immerhin, es geht voran.“

Die Baubranche reagiert offenbar auf die höhere Nachfrage und will in den nächsten drei Jahren ihre Investitionen in grüne Technologien und Materialien um 17 Prozent erhöhen – stärker als alle anderen Industrien. Dies geht aus einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Verdantix hervor.

Siemens will seine grünen Innovationen in knapp einem Jahr in London vorführen können. Vor den Olympischen Spielen soll das Nachhaltigkeitszentrum fertig sein – ein Gebäude, das nur mit aufbereitetem Themse- und Regenwasser auskommen, das zum Kühlen und Heizen Erdwärme und Sonnenkollektoren nutzen wird. Das Ziel ist ehrgeiziger als das der britischen Regierung: Im Vergleich zum lokalen Standard wird das Siemens-Zentrum knapp 50 Prozent weniger CO2 in die Atmosphäre pusten.


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