Offene Immobilienfonds
Auf einmal winkt der große Geldregen

In der Finanzkrise mussten offene Immobilienfonds wegen Liquiditätsproblemen schließen. Nach einer Gesetzesreform und wegen des Immobilienbooms können sie sich jetzt vor Geld kaum retten. Einige lehnen sogar Anleger ab.
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FrankfurtWie schnell sich die Zeiten in der Geldanlage ändern können, zeigt derzeit der Blick auf den Markt für offenen Immobilienfonds. Im Nachklang der Finanzkrise zogen die Investoren noch Milliardensummen aus dieser Anlageklassen ab. Zahlreiche Fonds gerieten in Schieflage.

Die Krise wirkt noch heute nach: Mit Stand zum ersten Quartal diesen Jahres werden nach der Statistik des Fondsverbandes BVI zehn Fonds abgewickelt. Die Anlegergelder sind bei einem Fonds noch eingefroren und fünf Fonds liegen zur Abwicklung in den Verwahrstellen.

Nach Angaben des Verbandes sind Anlegergelder in Höhe von 12,5 Milliarden Euro von diesen Maßnahmen betroffen. Die Kunden verklagten reihenweise ihre Berater, nach höchstrichterliche Entscheidungen hätten die Vertriebler auf mögliche Risiken hinweisen müssen (BGH XI ZR 477/12 und XI ZR 130/13).

Doch der Markt für offene Immobilienfonds ist längst nicht mehr nur das Jammertal aus alten Krisentagen ist, wie jetzt eine Studie der Ratingagentur Scope unter 16 Fonds belegt. Die Anbieter, die die Krise überstanden haben, erfreuen sich eines wahren Geldregens. Allein im ersten Quartal dieses Jahres konnten sie 1,7 Milliarden Euro an neuen Anlegergeldern einsammeln. Das sind fast eine Milliarde mehr als im Vorjahr. „Die Stimmung im Markt ist blendend“, sagt Sonja Knorr, Senior Analyst bei Scope.

Die Liquiditätsquoten liegen im Schnitt bei 22 Prozent. Gesetzlich vorgeschrieben sind lediglich fünf Prozent. Zwei Drittel der Fondsgesellschaften rechnet in diesem Jahr mit noch weiter steigenden Quoten. „Die größte Herausforderung der Fondsmanager in diesem Jahr ist es, die hohen Zuflüssen sinnvoll anzulegen“, sagt Knorr. Fast jede zweite Fondsgesellschaft erwartet, in Zukunft Kundengelder ablehnen zu müssen, weil sie nicht sinnvoll investiert werden können.

Die Frage, die derzeit viele Fondsmanager umtreiben dürfte: Wohin nur mit dem vielen Geld? Da der Immobilienmarkt in vielen Regionen schon ganz schön heiß gelaufen ist, weichen die Fonds aus. In Deutschland geht der Trend etwa zum Kauf in den B-Städten oder den schlechteren Lagen der A-Städte.

Die Scope-Studie mit allen Fonds-Ratings zum Download

Nach Scope-Auswertung kauften die Fonds im vergangenen Jahr 57 Objekte im Wert von rund 5,1 Milliarden Euro. Der Wert der Verkäufe betrug nur 2,6 Milliarden Euro. Die Fondsmanager legten 40 Prozent ihrer Gelder in Deutschland an, insgesamt flossen 70 Prozent der Investitionen in Büroimmobilien.

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