Offene Immobilienfonds
„Weitere Abwicklungen sind nicht ausgeschlossen“

Der erste offene Immobilienfonds verkauft seinen kompletten Gebäudebestand und zahlt die Anleger aus. Das Handelsblatt sprach mit Sonja Knorr, Analystin der Ratingagentur Scope, über die Konsequenzen für die Anleger anderer Immobilienfonds.
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Handelsblatt: Frau Knorr, kommt für Sie die Abwicklung des Kanam US-Grundinvest überraschend?

Sonja Knorr: Wir haben erwartet, dass infolge der Immobilienkrise offene Immobilienfonds aus dem Markt ausscheiden werden. Insofern sind wir über die Nachricht nicht überrascht.

HB: Woran genau ist der Fonds gescheitert?

Knorr: Ein Nachteil ist, dass vergleichsweise viele professionelle Anleger im Fonds investiert sind und Kanam als bankenunabhängige Gesellschaft die Liquidität des Fonds nicht so gut steuern kann wie Anbieter, die ihre Fonds über eigene Bankfilialen verkaufen. Aufgrund der Fokussierung auf die beiden Märkte USA und Kanada erreichte der Fonds zudem zwangsläufig nur ein geringes Volumen - und kleine Fonds gerieten in der Vergangenheit eher in Gefahr, schließen zu müssen als solche mit großen Volumina. Außerdem konnte sich der Fonds mit seiner Notierung in US-Dollar niemals Währungsspekulanten entziehen.

HB: Liefert Kanam mit der Abwicklung die Vorlage für die anderen Fonds, die seit Oktober 2008 eingefroren sind?

Knorr: Weitere Abwicklungen offener Immobilienfonds sind nicht ausgeschlossen. Der Morgan Stanley P2 Value beispielsweise hat viel Vertrauen verspielt. Nun kommt es darauf an, wie die Ergebnisse der zurzeit laufenden Umfrage über Rückgabewünsche bei den Vertrieben des Fonds aussehen. Auch wie die Zukunft des Degi Europa aussehen wird, lässt sich schwer beurteilen - was insbesondere an der schwierigen Vertriebssituation des Fonds liegt.

HB: Können die geplanten Änderungen des Investmentgesetzes eine solche Situation künftig vermeiden?

Knorr: Nein, komplett auszuschließen ist sie nicht. Die zweijährige Mindesthaltedauer und Abzüge bei der Anteilrückgabe werden zwar die Rückgabewünsche dämpfen. Wenn Anleger aber ähnliche Wertverluste fürchten, wie sie beim Fonds von Morgan Stanley eintraten, werden sich die Anleger nach Ablauf der Mindesthaltedauer schnellstmöglich von ihren Anteilen trennen.

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