Oligarchen verkaufen ihre Villen am Mittelmeer
Russen verlassen die Côte d’Azur

Wenn in Russland die Börsenkurse fallen, hat das Auswirkungen auf Luxusimmobilien an der französischen Mittelmeerküste.

PARIS. Den russischen Oligarchen nämlich, die bisher zu den wichtigsten Käufern in der Region gehörten, geht das Geld aus. Dabei war den "Novarich", den neureichen Russen, die sich nach dem Vorbild der russischen Aristokraten aus dem 19. Jahrhundert an der französischen Rivera erholten, noch bis vor kurzem keine Immobilie zu teuer. Als Folge kletterten die Preise für die begehrten Prestigeobjekte an der blauen Küste steil in die Höhe. Doch mit dem Absturz der Börsenkurse seit September 2008, in dessen Verlauf so manches russische Vermögen um zwei Drittel schmolz, ist der Höhenflug vorerst gestoppt.

Bestes Beispiel: die berühmte Luxusvilla Leopolda in Villefranche-sur-Mer unmittelbar an der Küste nahe Nizza. Dabei hätte der Verkauf des teuersten Anwesens der Welt eigentlich zum Geschäft des Jahrhunderts werden können. Für fast 500 Mio. Euro inklusive Mobiliar wollte der russische Oligarch Michail Prochorow den im 19. Jahrhundert für den belgischen König Leopold II. errichteten Prachtbau erwerben. Doch nun will der 43jährige Nickelproduzent, ein Günstling von Wladimir Putin und derzeit immer noch der reichste Russe, vom Kauf nichts mehr wissen. Zu teuer sei die Leopolda selbst für einen wie ihn. Die vor mehr als einem Jahrhundert erbaute Villa liegt in einem Park von acht Hektar Land, um den sich 50 Gärtner kümmern.

Das Schmuckstück war 1950 im Besitz des früheren Fiatchefs Giovanni Agnelli, danach gehörte es der Witwe des reichen Bankiers Edmond Safra. Für Prochorow machte dies die Belle-Epoque-Villa zum perfekten Vorzeigeobjekt. Doch in der Zwischenzeit soll der Jet-Set-Oligarch von seinen 21 Mrd. Euro sieben Mrd. verloren haben - für ihn Grund genug, aufs Geld zu schauen. Ob er allerdings aus dem Kaufvertrag ohne Schaden herauskommt, ist nicht sicher. 39 Mio. Euro soll Prochorow schon für die Villa angezahlt haben, Geld, das nach französischem Recht verloren wäre. Schließlich hatte sich der Milliardär im vergangenen Sommer vertraglich zum Kauf verpflichtet. Doch der Russe verlangt sein Geld zurück, die Angelegenheit liegt bei Gericht.

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