Osteuropa
Immobilienkrise erreicht Tschechien

Trotz der um sich greifenden Wirtschaftskrise in Osteuropa gilt Tschechien auch jetzt noch als vergleichsweise stabiles Land. Die Konjunktur ist nicht in gleichem Maße abgestürzt wie in der Ukraine oder in Ungarn, die Regierung in Prag hat trotz des Booms in der Vergangenheit ordentlich gewirtschaftet. Gleichwohl sind die Bremsspuren auf dem tschechischen Immobilienmarkt unverkennbar.

WIEN. Die großen Zuwächse wird es auf dem tschechischen Immobilienmarkt zunächst nicht mehr geben. Das Wiener Maklerunternehmen CPB Immobilientreuhand rechnet damit, dass in diesem Jahr 140000 Quadratmeter (qm) Bürofläche neu auf den Markt kommen - 2008 waren es noch 215 000 qm. Die Rückgänge machen sich an erster Stelle in der Hauptstadt Prag bemerkbar, schlechter verlaufen die Immobiliengeschäfte auch in den beiden nächstgrößten Städten Brünn und Ostrau.

Ähnlich wie bei den Büros haben die Projektentwickler auch im Einzelhandel und bei Logistik-Projekten mächtig auf die Bremse getreten. Im Handel wird die Neuflächenproduktion in diesem Jahr bei etwa 65000 qm liegen, 2008 waren es 250000 qm. Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich bei den Logistik-Immobilien ab: 700000 qm aus dem vergangenen Jahr stehen 2009 prognostizierte 370000 qm gegenüber. "Das Geschäft ist schwieriger geworden", sagt Peter Noack, Geschäftsführer der Hochtief Projektentwicklung in Prag.

Der tschechische Immobilienmarkt erlebt jetzt das Tal in einem klassischen Konjunkturzyklus - die Preise fallen, die Zahl der Investoren geht zurück. Die Prognosen der Nationalbank in Prag sprechen für sich: Sie erwartet in diesem Jahr für die tschechische Wirtschaft eine leichte Rezession (etwa minus ein Prozent), 2008 war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes noch mit gut drei Prozent gewachsen. Tschechien hat eine sehr offene Volkswirtschaft und leidet jetzt unter dem massiven Rückgang seiner Exporte.

Transaktionen auf dem tschechischen Immobilienmarkt sind im Moment eher eine Seltenheit. Bei potenziellen Investoren und Verkäufern dominiert die Unsicherheit, die CPB Immobilientreuhand spricht von einer "Phase des Stillstands". Deshalb war es eine echte Ausnahme, als das 10 000 qm große Bürogebäude "Jungmannova Plaza" in Prag in dieser Woche einen neuen Eigentümer fand. Für 40 Mio. Euro übernahm die deutsche Deka Immobilien das Gebäude vom Wiener Entwickler Immoeast.

Wie lange die Durststrecke auf dem tschechischen Immobilienmarkt anhalten könnte, darüber streiten sich derzeit die Geister. CPB-Geschäftsführer Michael Ehlmaier hofft darauf, dass in "zwei bis drei Monaten" wieder Bewegung in den Markt kommt. Hochtief-Vertreter Peter Noack mag sich nicht festlegen, wie lange der Stillstand noch anhalten wird. Grundsätzliche Sorgen über den tschechischen Markt macht er sich nicht. Auf absehbare Zeit werde es eine Erholung geben. Wichtig sei dabei, dass Investoren eine langfristige Perspektive hätten. "Die Mieten sind auch in Boomzeiten vergleichsweise stabil geblieben", sagt Noack über den Büromarkt. Prag sei nicht mit russischen Städten wie Moskau vergleichbar, wo sich die Mieten explosionsartig entwickelt hatten.

Es muss allerdings nicht immer nur Prag sein, wenn sich Investoren für den tschechischen Immobilienmarkt interessieren. Michael Müller, Chef des Wiener Immobilienentwicklers Eyemaxx, sieht auch in Krisenzeiten gute Chancen mit Einzelhandels-Objekten - in kleineren Städten. "In Städten ab 15 000 Einwohnern ist noch Luft", sagt Müller und erwartet keine Finanzierungsprobleme. Wer sich etwa auf Fachmarktzentren mit einem Investitionsvolumen zwischen fünf und zehn Mio. Euro beschränke, der bekomme in aller Regel auch noch eine Finanzierung von der Bank. Das gelte allerdings nur in einem als vergleichsweise stabil geltenden Land wie Tschechien. Weiter östlich sehe die ganze Sache schon anders aus.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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