Outlet-Center in Italien
Luxusgeschäfte auf der grünen Wiese laufen gut

Factory-Outlet-Center (FOC) schrieben in den letzten Jahren immer wieder Erfolgsgeschichten. Während sich in Deutschland noch meist Widerstand im Einzelhandel regt, sprießen diese Center in Italien wie Pilze aus dem Boden. Die Immoblilien vor den Toren der Städte ziehen aber nicht nur Modekäufer an.

kk MAILAND. Wer mit dem Flugzeug in Mailand landet, wird schon am Gepäckband mit Werbebroschüren der vielen Outlet-Center im Umkreis der italienischen Modemetropole überrascht: Franciacorta Village, Vicolungo oder Fidenza Village heißen die Einkaufszentren, die Schnäppchenpreise für Luxusware versprechen. Die Werbung ist bestens platziert, kommen doch viele Ausländer zum Shopping nach Mailand.

Seit einiger Zeit kaufen auch immer mehr Immobilienfonds in Italien – aber nicht Designerware, sondern die so genannten Factory-Outlet-Center (FOC), in denen Luxuswaren angeboten werden. Nach Amerikanern und Engländern haben nun auch die Deutschen Italiens Einkaufszentren entdeckt. Erst vor wenigen Monaten hat der offene Immobilienfonds Grundwertfonds der Degi Deutsche Gesellschaft für Immobilienfonds das FOC Franciacorta in der Nähe der norditalienischen Stadt Brescia für 204 Mill. Euro gekauft. Zuvor hatte ein Fonds der DB Real Estate ein FOC in Rom für 73 Mill. Euro gekauft.

Insgesamt 16 FOC listet der jüngste Report des Immobilieninstituts Scenari Immobiliari (SI) auf. Sie decken zusammen eine Fläche von 455 000 Quadratmetern ab und sind fast alle in den vergangenen fünf Jahren eröffnet worden. Pläne für mindestens acht weitere Neubauten listet SI auf. Sie sollen vor allem in der Mitte und im Süden des Landes entstehen. Anders als in Deutschland hält sich der Widerstand der Gemeinden oder der lokalen Geschäfte in Grenzen, was auch daran liegt, dass Italiens Einzelhandel weniger gut organisiert ist als der hiesige.

Gerade im Modeland Italien blüht das Geschäft mit der günstigen Markenware auf der grünen Wiese. Luxusmode wird noch größtenteils im Heimatland produziert und die Hersteller können ihre Überschussware in FOC verkaufen. Bis vor wenigen Jahren gab es in Italien nur den klassischen Fabrikverkauf. Trendsetter in Italien waren die Brüder Corrado und Marcello Fratini, die Erben der Jeansmarke Rifle, die im Jahr 2000 das Outlet-Center Serravalle gegründet haben. Serravalle gilt noch heute als Erfolgsbeispiel für die italienischen Ableger des amerikanischen Modells. Nachahmer ließen nicht lange auf sich warten. Doch mit immer neuen Centern mehren sich die Zweifel am langfristigen Erfolg.

„Serravalle ist ein Erfolgsfall, aber das heißt nicht, dass sich der allzu oft in Italien wiederholen lässt“, sagt Dario Tresoldi, Vorstand für das Tagesgeschäft von Beni Stabili. Auch Clara Garibello von SI hat ihre Zweifel: „Das ist ein Markt, der mittlerweile fast ausgeschöpft ist“, sagt sie und weist darauf hin, dass ein FOC einenEinzugskreis von drei bis zwölf Millionen Menschen braucht, um rentabel zu funktionieren.

Auch Stefania Saviolo, die an der Bocconi Universität den Master in Fashion, Experience and Design Management leitet, ist skeptisch. Die klassischen FOC liefen derzeit sehr gut, „aber bei den neuen Outlets, die vor allem als Immobilienprojekte entstehen, habe ich meine Zweifel. Das sind keine echten Outlets mehr, da dort auch viele weniger exklusive Marken ihren Platz haben“, merkt Saviolo an. Zudem entwickelten sich diese Zentren mit ihren Kinos und Unterhaltung immer mehr zu gewöhnlichen Shoppingmalls und verlören so ihren besonderen Reiz.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%