Perlen im Süden
Freiburg im Breisgau: Stadt mit Wiederkehr

Rundbogenfenster, Säulenhalle, Spitzgiebel und hölzerne Flügeltüren: Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes ist das renovierte Zollhaus das Herzstück des letzten großen Gewerbeareals, das im Zentrum von Freiburg im Breisgau erschlossen werden kann. Auf 40 Hektar, einer Fläche so groß wie die Freiburger Altstadt soll Raum für Dienstleistungsbetriebe entstehen.

FREIBURG. „Geplant ist ein breites Spektrum in bester Lage mit dem besonderen Flair aus alten Gebäudestrukturen und neuer Architektur“, verspricht Taddäus Zajac, Geschäftsführer der Aurelis Real Estate, die 35 ha des Geländes von der Stadt kaufte. Die Entwicklung regelt ein städtebaulicher Vertrag. Mietinteressenten für einen großen Teil der bereits fertig gestellten Gebäude hat Aurelis gefunden. Weil aber auch in Freiburg Niemand an die Vermarktung des riesigen Areals auf einen Schlag glaubt, soll das Gebiet über Teilbebauungspläne weiter erschlossen werden.

Raum für produzierendes Gewerbe gibt es am nördlichen Stadtrand und im Gewerbegebiet Haid im Stadtteil St. Georgen, das jetzt noch erweitert werden soll. „Quadratisch, praktisch, flach und gut“, beschreibt Thomas Dettling, stellvertretender Leiter des Amtes für Stadterneuerung, was hier entstehen soll. Doch er stellt gleich klar „Wir sind alles nur kein Industriestandort.“ Die Freiburger Gewerbesteuerzahler kommen heute aus dem Dienstleistungssektor der Elektronik- und Softwarebranche, der Medizintechnik und Pharmazie, Solarenergie und Biotechnologie – eben jenen Bereichen, die Aurelis und die Stadt auf dem ehemaligen Güterbahnhofgelände ansiedeln möchten.

Größter Arbeitgeber ist die öffentliche Hand mit Regierungspräsidium, Stadtverwaltung, Hochschulen und Unikliniken. Die Finanzkrise hat die Stadt deshalb bisher nicht getroffen und konnte den Immobilienpreisen nichts anhaben. Die sind hoch und sie waren es schon immer. Immobilieninvestoren bauen deshalb nicht so sehr auf schnellen Wertzuwachs, sondern auf gleichbleibenden Wiederverkaufswert. Wohnraum-Vermieter wissen, dass sich in der Hochschulstadt Freiburg mit ihren knapp 60 000 Ein-Personen-Haushalten besonders leicht kleine Wohneinheiten vermieten lassen.

Wohnen ist in Freiburg schön und vor allem in den begehrten Hanglagen von Wiehre und Herdern ganz schön teuer. Und trotzdem hat schon so mancher Student sein Herz nicht nur in, sondern auch an Freiburg verloren. Sobald das Kapital für eine der teuren Wohnungen reicht, kaufen viele Absolventen ein Heim für die Rückkehr im Ruhestand. Ein Fünftel der Freiburger sind Rentner. „Freiburg war schon immer ein Pensionapolis“, schildert Stadtentwickler Dettling. Die stetige Nachfrage nach Wohnimmobilien ist ein Garant für stabile Preise.

Freiburg rühmt sich, eine Stadt mit Freizeitwert und Lebensqualität zu sein – und Freiburg ist eine grüne Stadt. Nicht nur, weil Oberbürgermeister Dieter Salomon Mitglied der Grünen ist. Die Stadt zeigt mit Stolz ihre ökologischen Vorzeigeprojekte wie das Sonnenschiff, die Solarsiedlung, den Stadtteil Vauban und das erste Passivenergiehochhaus in Weingarten, das allerdings wohl teurer als kalkuliert werden wird.

Als Einkaufsstadt profitiert Freiburg von seinem großen Einzugsgebiet. Nur drei Kilometer trennen die Gemarkung Freiburg vom Rhein und der französischen Grenze. Basel liegt nur 42 Kilometer entfernt. Deutsche Kunden kommen aus dem Schwarzwald und den Trabantengemeinden der Stadt. Das lockt Filialisten und Einzelhändler nach Freiburg. Doch neue Einzelhandelsflächen werden in Freiburg nur im Rahmen eines festgelegten Märkte- und Zentrenkonzepts vergeben. So will die Stadt die Einzelhandelsflächen am Stadtrand begrenzen und neue Handelsflächen in der Innenstadt oder in den Stadtteilzentren ansiedeln. Das soll für die zahlreichen Senioren und für Studenten kurze Weg beim Einkauf sichern.

Hotels und Restaurants können sich auf einen stetigen Strom von Touristen verlassen. Die bummeln nur zu gern in der Altstadt entlang der 4,7 Kilometer „Bächle“. Die sind vom Brauchwassersystem längst zur Touristenattraktion aufgestiegen. „Wer in ein Bächle tritt, ist nicht das letzte Mal in Freiburg gewesen“, heißt es in der Stadt an der Dreisam.

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