Perlen im Westen
Bielefeld: Hier baut der Chef selbst

Anders als Metropolen wie München oder Berlin verzeichnen Regionalzentren wie Bielefeld nur wenig Bewegung auf dem Büroflächenmarkt. Hier dominieren Eigennutzer, wer Flächen braucht, baut selbst. Makler loben hingegen Bielefelds Qualität als Einkaufsstadt - immerhin gehört die dortige Bahnhofstraße zu den teuersten deutschen Shoppingmeilen.

BIELEFELD. Nicht viele mittelgroße Bürozentren stellen Rekorde auf, ohne dass jemand davon Wind bekommt. Bielefeld wohl. Ende 2008 nahm das städtische Ordnungsamt eine neue Radarfalle an der Autobahn A2 in Betrieb. In nur fünf Monaten schoss der Starenkasten mehr als 100 000 Fotos. Um der Anzeigenflut Herr zu werden, musste die Stadt ein neues „Großraumbüro“ für 22 Mitarbeiter einrichten. Technik und Installation des Radargerätes kosteten 170 000 Euro. „Dem stehen Bußgeldbescheide über 3,25 Millionen Euro gegenüber“, freut sich der Blitzer-Experte vom Ordnungsamt, Ullrich Höner. Weniger spaßig werden dies die Schnellfahrer finden. Denn sie machen das Bielefelder Bußgeld-Office zur vielleicht umsatzstärksten Bürofläche Deutschlands.

Damit wären die Meldungen zum lokalen Büroflächenmarkt auch schon fast am Ende. Einen Report, der über Bautätigkeit, Grundstücke, Mieten und Kaufpreise informieren würde, bringt die kreisfreie Stadt im Regierungsbezirk Detmold nicht heraus. „Wen sollte das auch interessieren?“, fragt Gerhard Bock, zuständig für den Bereich Immobilienmanagement bei der WEGE Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Bielefeld.

Anders als Metropolen wie München oder Berlin verzeichnen Regionalzentren wie Bielefeld nur wenig Bewegung auf dem Büroflächenmarkt. Hier dominieren Eigennutzer, wer Flächen braucht, baut selbst. Eines der jüngsten Projekte wurde im Februar fertig gestellt und geht in diesen Tagen in Betrieb: das Europäische Distributions-Center (EDC) von Parker Hannifin. Der weltweit aktive Hersteller von Antriebs- und Steuerungstechnik hat in der Gemeinde Oldentrup drei von 22 deutschen Standorten in einem Neubau zusammengefasst. Investiert wurden 18 Mio. Euro in den Komplex aus Lager- und Verwaltungsgebäude auf einem 56 000 Quadratmeter (qm) großen Gelände, das vormals der Gewürz-Firma Ostmann gehörte.

Die Baufirma Goldbeck macht fünf Mio. Euro locker und erweitert ihren Bielefelder Stammsitz um einen umweltfreundlichen Bürokomplex. „Wir nutzen Geothermie für Heizung und Kühlung und installieren auf dem Dach eine Solaranlage“, so Jörg-Uwe Goldbeck, Sprecher der Geschäftsführung. Für Nachschub auf dem gemächlichen Immobilienmarkt sorgte auch das Familienunternehmen Boge in Jöllenbeck. Der Kompressorenhersteller investierte zehn Mio. Euro und ergänzte seinen Produktions- und Verwaltungssitz um 4 500 qm Fläche.

Größere Stadtentwicklungsprojekte wie das 2007 für 500 Mio. Euro verkaufte Bahnhofsviertel sind im Zentrum Ostwestfalens die Ausnahme, dreistellige Millioneninvestitionen ebenfalls. So wundert es nicht, dass Bielefeld im aktuellen Quartalsrating der Agentur Feri nur die Note C erhält. Das Investitionsrisiko für Büros, Einzelhandelsflächen und Eigenheime bewerten die Experten aus Bad Homburg mit „durchschnittlich“. Interessant ist die Feri-Note in Bezug auf Einzelhandelsimmobilien. Hier landet die Stadt im Deutschlandvergleich auf Platz 25, drei Ränge besser als im Herbst 2008.

Auch Makler loben Bielefelds Qualität als Einkaufsstadt. Im bundesweiten Vergleich von 200 Einkaufsstandorten, den Berater Kemper’s Jones Lang Lasalle (JLL) herausgibt, landet Bielefeld unter den Top 24. „Mit Spitzenmieten von über 100 Euro pro Monat und Quadratmeter gehört die Bielefelder Bahnhofstraße zu den teuersten deutschen Einkaufsmeilen“, sagt Boris Wachter, Geschäftsführer bei Kempers JLL in Hannover. Bielefeld biete zwar nur eine durchschnittliche Kaufkraft, könne dies aber durch eine große Anziehungskraft auf das Umland kompensieren. Eine überdurchschnittliche Zentralitätskennziffer von 130,4 gibt dem Makler Recht.

Rückläufige Passantenzahlen stehen dem Bild der Stadt als Shoppinghochburg aber eher entgegen. Dennoch: Auf der Achse Osnabrück-Bielefeld-Paderborn sieht Wachter Bielefeld als stärksten Standort. Auch als Investitionsstandort sei die Stadt gefragt. „In den Spitzenlagen werden derzeit Bruttoanfangsrenditen um 5,4 Prozent erzielt“, sagt er.

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