Pfusch am Bau: Bauherren sind oft selber schuld

Pfusch am Bau
Bauherren sind oft selber schuld

Unerledigte Arbeiten, unpünktlich gezahlte Raten: Zwischen Bauherr und Bauunternehmen kann es schnell zum Streit kommen. Experten und Verbänden sind überzeugt, die Häuslebauer sind oft viel zu unvorsichtig.
  • 14

BerlinPrivate Bauherren müssen nach Einschätzung von Experten und Verbänden besser vor Pfusch am Bau geschützt werden - oft jedoch seien die Häuslebauer selbst schuld an ihrer Misere. „Durch den Kauf einer schlüsselfertigen Immobilie werden alle Planungs- und Überwachungsleistungen aus der Hand gegeben (...) im Glauben, man kann etwas sparen“, sagte der Bausachverständige Dieter Ansorge. Dann werde aber nicht mehr kontrolliert. „Die Leute wollen heute Häuser haben zum Preis eines Kleinwagens, die aber den Standard eines Mercedes haben sollen.“

Laut Ansorge gebe es im Bauwesen pro Jahr mindestens einen Schaden in Höhe von fünf Milliarden Euro wegen Pfusch am Bau. Viele Firmen betrögen bewusst. „Es gibt keinen Bau mehr ohne Mängel“, sagte er. Der Verband Privater Bauherren (VBP) hat indes in einer Studie festgestellt, dass 97 Prozent der Standardverträge, die Bauherren mit Generalunternehmern oder einem Bauträger abschließen, Mängel haben.

Auch der VBP sieht die Häuslebauer stärker in der Verantwortung. Diese achteten oft zu wenig auf den Vertrag mit dem Generalunternehmer und verzichteten auf Expertenrat und Kontrolle während des Bauens, sagte Eva Reinhold-Postina vom VBP. „Die Prüfung von Handwerkerrechnungen, der technischen Ausführung, des verwendeten Materials - das können Sie selbst nicht überblicken, da brauchen Sie Rat von Experten.“

In den vergangenen Jahren wurden laut Angaben des Statistischen Bundesamts insgesamt über 40 000 Baustreitigkeiten im Jahr vor deutschen Amtsgerichten und in erster Instanz vor den Landgerichten erledigt.

Die Bundesregierung prüft inzwischen, wie Bauherren besser geschützt werden können. Allerdings steht der Prozess noch am Anfang. Eine Expertengruppe untersuche auch gesetzliche Neuregelungen des Bauvertragsrechts, bestätigte ein Sprecher des Justizministeriums am Montag einen entsprechenden Bericht der „Welt“ (Montag). Überprüft werden solle etwa das Insolvenzrecht. „Da ist die Frage, ob der existierende Schutz der Verbraucher gegen Zahlungsausfälle durch insolvent gegangene Bauunternehmen ausgeweitet werden kann“, sagte der Sprecher.

Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) stellte sich hinter die Unternehmen. „Denn eine Vielzahl sogenannter Mängel resultiert daraus, dass während der Bauphase die Planung seitens des Bauherrn geändert wird, was zwangsläufig zu Kostensteigerungen führt, über die dann trefflich gestritten werden kann“, erklärte Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa.

Der Verband Privater Bauherren und die Bundesarchitektenkammer hatten in dem „Welt“-Bericht gefordert, dass Häuslebauer besser vor unseriösen Baufirmen und Pfusch am Bau geschützt werden müssten. Die „Welt am Sonntag“ hatte unter Berufung auf Fachleute berichtet, dass Pfusch und Betrug im Zuge des Baubooms zunähmen. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes über 96.000 neue Wohngebäude errichtet. Im Jahr zuvor waren es rund 84.000 gewesen.

 


Kommentare zu " Pfusch am Bau: Bauherren sind oft selber schuld"

Alle Kommentare
  • ... es gibt auch Bauträger (GU), die es partour NICHT wünschen, dass der Bauherr während der Bauzeit einmischt oder gar Zutritt zum Bau hat...... alles schon passiert!
    Das sind KRIMINELLE!!!!!!

  • Bin selbst von einem Bauträger betrogen worden! Leider tummeln sich in Deutschland mehr und mehr dieser inkompetenten Typen, die meinen, sie können das schnelle Geld machen. Ergebnis: baupolizeiliche Einstellung, weil man nach nicht genehmigten Plänen gebaut hat. WER zahlt die Strafe? der Bauherr natürlich!
    SOFORT den Vertrag gekündigt, obwohl schon eine Überzahlung vorhanden war (Rohbau und Dachgerüst...).
    Seriösen Architekten engagiert, der zunächst mal die vorhandenen Mängel checkte (z.B. Abwasserrohre total gequetscht, voller Beton und statt nach aussen in die Kanalisation zu laufen, retour ins Haus !!!!! Miserable Statik der Garage (musste mit Flüssigbeton unterfüllt werden!, sämtliche Fenster/Tür Stürze total unterdimensioniert!) Viel Geld für Mängelbeseitigung ausgegeben, war aber notwendig. Der Architekt samt den Einzelgewerken hat hervorragend gearbeitet und ich habe jetzt eine 5jährige Gewährleistung auf die einzelen Gewerke. Ich empfehle JEDEM, ausschl. mit einem seriösen Architekten zu arbeiten. Finger weg von unseriösen Bauträger. Übrigens haben wir dann zusammen mit weiteren 4 Bauhandwerkern und 3 Bauherren Strafanzeige wegen BETRUG (die Bauherrengelder wurden nicht an die Bauhandwerker bezahlt, deshalb stellten die ihre Arbeiten ein) bei der Staatsanwaltschaft gestellt! 2 Jahre "Wartezeit" und was ist passiert? AUFGRUND INKOMPETENTEM STRAFJUSTIZPERSONAL (häuft sich hierzulande immer mehr...!) UND MANGELNDEN GEFÜHLEN DIERSER "HERRSCHAFTEN" GEGENÜBER den Geschädigten (um ca. 1 Mio € geht es in diesem Fall) kam der BETRÜGER mit nur 2500 € weg!!!!!
    WIE lange will die Politik das noch dulden? Die kümmern sich doch nur noch um Dinge die total unwichtig sind; die Politik ist m.E. TOTAL ÜBERFORDERT! DIE JUSTIZ, NA JA! KEINEN RESPEKT MEHR! Da wird nur noch vertuscht.....

  • @ Borene
    wenn ich mit der Objektüberwachung beauftragt bin, dann setze ich die Bauherrenrechte in Bezug auf Qualität, Termine, Zahlungen und Gewährleistungsanspruche auch durch. Dazu gehört auch eine Fotodokumentation. Leider habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass manche Bauherren dazu neigen Entscheidungen ohne Rücksprache zu treffen z.B. Firmen zu beauftragen, obwohl diese als unseriös oder überteuert bekannt sind weil diese dem Bauherr/Bauherrin schmeicheln und das Blaue vom Himmel versprechen oder von sonst wem empfohlen werden. Zu bauen ist für die meisten Bauhern ein Kraftakt bei dem schlicht der Überblick verloren geht und sich Fronten zwischen Bauherrn und Bauherrin aufbauen. Eigentlich wäre ein bischen Vorsicht und gesunder Menschenverstand immer angebracht bevor man irgendjemand ob Architekt oder Firma beauftragt, z.B. Reverenzen über die letzten 5 Jahre einholen, Foren aufsuchen oder anch die Schufa befragen.Kostet alles wenig oder gar kein Geld.

  • Die Elbphilharmonie nun mit Einfamilienhäusern zu vergleichen ist ein bisserl weit hergeholt. Öffentliche Bauten haben die Politik, da braucht´s keinen Pfusch mehr. Und die Häus´lbauer wollen halt wirklich nichts zahlen für einen Architekten.

  • Einfamilienhausbau: Architekt legt Kostenvoranschläge von nicht existierenden Firmen vor, andere schicken ihre Praktikanten als Bauaufsicht, der Überwacher braucht einen Überwacher in der Endlosschleife.Anderen Architekten ist so ein Einfamilienhausbau zu popelig. Also geht man zu einer empfohlenen Baufirma zwecks schlüsselfertigem Bau. Die nun wiederum hält sich vorsätzlich in etlichen Punkten nicht an den den Vertrag, nimmt zb Poroton 30 statt der vereinbarten 36, spart so ganze 2500 € dafür dürfen wir dann unser Leben lang höhere Heizkosten zahlen. So, der Bauherr ist schuld ?! Wir warten seit 2 Jahren auf unseren Einzug. Die einzig mögliche Sicherung wäre, baubegleitend einen gerichtlich vereidigten Sachverständigen zur Kontrolle dabei zu haben. Nein, daran hatten wir damals nicht gedacht. Wir haben jetzt allerdings 15 Monate gewartet, daß dieser Herr im Rahmen des selbständigen Beweisverfahrens vor einem Landgericht ganze 2 x gekommen ist. Er ist so beschäftigt, weil er genau dieses macht, für die Gerichtsfälle denen er eigentlich seine Aufträge verdankt, hat er dann keine Zeit mehr. Nur die die Möglichheit haben, ein 2. Mal zu bauen, haben einigermaßen Sicherheit. Beim hiesigen Bauamt sagte man mir sogar, ich könne doch froh sein, daß das Haus immerhin fast einzugsbereit sei, wie schlecht es den Bauherrn erst ginge, wo bereits der Rohbau gescheitert und
    nun insolvent seien. Dieser Trost wird einem auf dem Weg gegeben. Alles Schuld des Bauherrn ?! Unvorsichtig ? Soll ich mit jemand Geschäfte machen, wenn ich gleich davon ausgehen muß daß Verträge nicht eingehalten und ich betrogen werde ?

  • Wer schützt uns vor den Experten?

    Habe selbst vor ein paar Jahren ein Einfamilienhaus gebaut und versucht, alles richtig zu machen. Also mit Architekt und externem Baubüro für Vergabe und Bauaufsicht. Resultat: der Entwurf des Architekten hat vor Fehlern gestrotzt, die wir bis heute erdulden müssen. Die Bauaufsicht war schlampig und desinteressiert. Kosten für beide zusammen 30T Euro! Wer schützt uns vor diesen "Experten"?

  • Was ist das für ein Artikel?
    Klar dass „Experten“ sagen, dass man mehr Experten am Bau braucht.

    Hat die Hamburger Elbphilharmonie und der neue Flughafen in Berlin zu wenig Experten?
    Woran liegt es dass bei vielen öffentlichen Bauten die Kosten ständig höher sind als veranschlagt?
    Woran liegt es dass es bei diesen Projekten Pfusch ohne ende gibt? Ich möchte da auch an den letzten Bundestag in Bonn erinnern, wo die Sprechanlage nicht funktionierte und der teure Parkettboden mit Teppich überklebt werden musste. Oder Köln! Da ist das Stadtarchiv eingestürzt. Mitarbeiter hatten dort auch Metallteile geklaut (Der Metallklau war zwar nicht die Ursache für den Einsturz aber ohne den Einsturz wäre der Diebstahl nicht aufgefallen). Gab es da auch zu wenig „Experten“???

    Wenn man erlebt dass ein Elektromeister den PEN-Leiter nach dem FI-Schutzschalter in PE und N aufteilt und nicht vor dem FI, dann kann man sich vorstellen dass alles passieren kann. Architekten haben davon keine Ahnung und Laien in der Regel auch nicht. Wenn man Pfusch verhindern möchte, dann muss man in jedem Fachgebiet selber ein Experte sein und jeden Arbeitsschritt überwachen! Völlig unmöglich!

    Denn VBP und den ZDB sollte man auflösen, da sie nur die eigenen Interessen vertreten und nicht an einer Ursachenbekämpfung interessiert sind. Denn wenn alles wie am schnürchen läuft hätten diese Verbände keine Existenzberechtigung.

  • Viele Bauherren sind naiv, können nicht rechnen oder meinen, sich in Zeiten historisch niedriger Zinsen jetzt unbedingt den Traum vom eigenen Haus erfüllen zu MÜSSEN. Dann ist die Finanzierung oft "auf Kante genäht". Das sieht man an jahrelang nicht fertiggestellten Außenanlagen.
    Architekt?
    Den Fehler haben wir beim 1. Bau vor über 30 Jahren auch gemacht, das war ein "Baubiologe", eher ein Archidepp!
    Danach folgte eine Baustelle mit einer sehr guten Baufirma mit eigenem Bauingenieur (nahezu problemlos!) und dann nochmal mit einer gebrauchten Immobilie und einer gründlichen Renovierung in Eigenregie. Perfekt!!


  • Architekten braucht man wofür?? Ein guter Bauingenieur ist m.M. die bessere Wahl. Desigvorschläge sollte zwar nicht erwarten, dafür ist man technisch in guten Händen.

  • Immer wenn ich gerufen werde, ist das Kind schon in den Brunnen gefallen. Auffallend ist auch,dass viele GU's und Bauträger immer den gleichen Notar bevorzugen, und dieser zwar auf Risiken hinweist aber den Vertrag ohne Änderungen durchgehen läst.

Serviceangebote