"Piccadilly"-Angebot
Käufer für Potsdamer Platz gesucht

Daimler-Chrysler und Sony wollen offenbar ihre Immobilien im Zentrum von Berlin verkaufen.

Wenn in den vergangenen Jahren von großen Immobilientransaktionen in Berlin die Rede war, dann von Wohnungen. Das hat sich in diesem Jahr geändert. Allein im ersten Halbjahr 2007 wurden gut zweieinhalbmal so viele Gewerbeimmobilien gekauft wie in der gleichen Vorjahresperiode. „Der Run auf Berlin ist riesengroß“, sagt Fabian Klein, Deutschland-Geschäftsführer von CB Richard Ellis (CBRE), einem der großen internationalen Immobiliendienstleister. Bisher hätten sich die meisten Transaktionen noch unterhalb der Schwelle von 200 Millionen Euro abgespielt.

Das sieht nun anders aus: Die Konzerne Daimler-Chrysler und Sony wollen ihre Objekte am Potsdamer Platz Informationen aus Branchenkreisen zufolge verkaufen. Für das unter dem Namen „Piccadilly“ im Markt platzierte Verkaufsangebot für das Daimler-Ensemble kursieren als Kaufpreisminimum 1,2 Milliarden Euro. „Das Vorhaben von Daimler wird konkreter“, sagte eine mit der Situation vertraute Person. Der Autobauer habe mit dem Vorgang die Investmentbank Merrill Lynch beauftragt. Das Sony-Center soll Maklern zufolge 600 bis 700 Millionen Euro bringen.

Als bislang größter Gewerbe-Deal in Berlin wechselten im Mai 800 000 Quadratmeter Gewerbeflächen, verteilt auf zig Gebäude, von der landeseigenen Berliner GSG für rund 400 Millionen Euro zu einem Konsortium aus der börsennotierten Orco Property und Morgan Stanley Real Estate Fund (MSREF). MSREF wird auch als heißer Interessent für die Daimler-Immobilie genannt. „Wenn ich drei Namen potenzieller Interessenten für die Daimler-Immobilie auf einen Zettel schreiben sollte, würde ich Morgan Stanley ganz oben aufschreiben“, sagte ein Kenner der Immobilien-Investmentszene. Er erwähnt außerdem den US-Investor Tishman Speyer, der seinerzeit das Sony-Center mitentwickelt hat – eine Adresse, die als sehr kapitalkräftig gilt. Zu berücksichtigen sei außerdem, dass die Phase, in der mögliche Käufer angesprochen werden, gerade erst begonnen habe. Das eigentliche Bieterverfahren sei noch weit entfernt.

Potenzielle Käufer und auch Makler, die mit der Durchführung der Transaktion beauftragt sein sollen, lehnen eine Stellungnahme ab. Eine Daimler-Sprecherin betonte, an der Situation sei nichts Neues. Die Gebäude am Potsdamer Platz wurden bereits 2006 als nicht betriebsnotwendig eingestuft. „Bis jetzt gibt es dazu keinen neuen Stand, eine Entscheidung ist nicht gefallen“, sagte sie nur. „Über das Thema wird geredet, seit Edzard Reuter nicht mehr Vorstandsvorsitzender von Daimler ist“, sagte Andreas Quint, Geschäftsführer der schwedischen Catella Property Group in Deutschland und bestätigt damit, dass der Potsdamer Platz ein Dauerthema bei Daimler ist. Die als Interessenten in der Szene gehandelten MSREF und Goldman Sachs lehnten einen Kommentar ebenso ab wie Verkaufsberater Angermann, ein Hamburger Immobilienberater. Edzard Reuter, Sohn des früheren regierenden Bürgermeisters Berlins Ernst Reuter, und bis 1995 Daimler-Chef, wollte mit den Neubau am Potsdamer Platz nach dem Fall der Mauer ein Zeichen in seiner Heimatstadt Berlin setzen.

Weder für Daimler-Chrysler noch für Sony macht es Sinn, die Immobilien zu halten – zumal beide sie nicht nutzen. Hauptmieter im Sony-Gebäude ist die Deutsche Bahn, die möglicherweise in drei Jahren in neue Gebäude am Berliner Hauptbahnhof zieht. Mieter beider Gebäude sind Kinos. Der Büroanteil in der Daimler-Liegenschaft ist noch geringer als im Sony-Center. Zu den Daimler-Mietern gehören beispielsweise Hotels und ein Nachtclub. Damit sei das Gebäude schon eher eine Spezialimmobilie, die intensiv gemanagt werden müsse und deshalb schwerer zu vermarkten sei. „Ich frage mich, warum Daimler ausgerechnet jetzt damit in den Markt geht“, sagte der Chef eines großen Maklerhauses mit Blick auf die Kreditkrise. „Die Bedingungen hängen sicherlich stark von den jeweiligen Objekten ab, die Banken sind selektiver geworden“, sagte ein Analyst. Bei guten Objekten sei eine Finanzierung nach wie vor möglich. „Und die Lage der Daimler-Immobilien könnte kaum besser sein.“ Wer die Objekte kaufen wolle, werde wohl auch ohne Probleme die Banken hierfür finden.

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