Preise in Kanada
Ölfieber befeuert Immobilienmarkt

Kanadas Wirtschaftsboom hilft auch den Immobilienmärkten aus ihrem lang anhaltenden Tief. Landesweit nehmen die Leerstände ab, im Norden kurbelt die Ölindustrie den Büroflächenkonsum noch zusätzlich an.

HB MONTREAL. „Bestandsobjekte sind teuer geworden in Kanada“, sagt Gert Waltenbauer, Geschäftsführer bei der KG Allgemeine Leasing GmbH & Co (KGAL). Deren Tochter Alcas GmbH hat seit 2003 jedes Jahr einen geschlossenen Immobilienfonds mit Liegenschaften in Kanada aufgelegt und seitdem rund 140 Mill. Euro Fondskapital in den Markt investiert. „Es ist viel Geld unterwegs. Der Wettbewerb um gute Immobilien ist groß. Ähnlich wie in Deutschland“, sagt er. Weitere Parallelen zum hiesigen Immobiliengeschehen fallen auf. So besitzt der nordamerikanische Staat gleich mehrere wirtschaftliche Zentren uns damit mehr als nur einen bedeutenden Investitions- und Büromarkt, den Initiatoren wie Alcas im Auge behalten müssen.

Außerdem konzentriert sich das wirtschaftliche Leben nicht etwa auf die Hauptstadt Montreal, sondern auf die 2,2-Millionen-Einwohner-Metropole Toronto, das viertgrößte Wirtschaftzentrum Nordamerikas. „Hier sind die Finanz- und Immobilienwirtschaft sowie Versicherungen konzentriert“, berichtet Scott Addison, Managing Director beim Immobilienberatungsunternehmen Colliers International in Toronto.

Nun boomt die kanadische Wirtschaft und in der Folge arbeiten sich auch die Immobilienmärkte des Landes aus ihrem jüngsten Formtief nach oben. Toronto profitiert vom Boom am schnellsten. Der Leerstand reduzierte sich von zwölf Prozent Mitte 2004 auf neun Prozent Ende vergangenen Jahres. Nach Informationen des internationalen Immobiliendienstleisters CB Richard Ellis (CBRE) ist die Leerstandsquote bei erstklassigen Flächen inzwischen bei 2,5 Prozent angelangt. „Das ist ein historisches Tief“, sagt Ray Wong, Regional Director von CBRE in Kanada.

Dabei darf man nicht vergessen, dass Toronto ebenso wie andere kanadische Ballungszentren nach dem großen Crash in den frühen neunziger Jahren eine lange Durststrecke mit Leerstandsraten von mehr als 15 Prozent hinter sich hat. So wundert es nicht, dass die Analysten jetzt ein wenig bang auf die prallgefüllte Neubaupipeline Torontos sehen. Rund 280 000 neue Büroquadratmeter sollen schon bis Ende 2009 fertig gestellt sein. „Die Frage ist, ob all diese Flächen zusammen mit den noch leer stehenden Gebäuden genügend Mieter finden werden“, meint Addison. Nach Einschätzung von CBRE-Mann Wong wird das Flächenwachstum dagegen nicht zu Leerständen und sinkenden Mieten führen.

Weniger uneins sind sich die Experten, wenn es um den kanadischen Ausnahmemarkt Edmonton geht. Die zweitgrößte Stadt des Staates Alberta und sechstgrößte Kanadas befindet sich im Ölrausch. Neue Verfahren zur Gewinnung von Öl aus Schiefergesteinen und Sand haben der Region einen immensen Unternehmenszuzug beschert. Bisher ist dieser neue Weg der Ölförderung ebenso umweltschädlich wie unrentabel, gilt aber als möglicher Produktionsweg der Zukunft. Außer Kanada sind vor allem die USA an einer Ausweitung dieser Förderalternative interessiert. „Neben Investitionen in die regionale Öl- und Gasindustrie hat vor allem das Ölschiefergeschäft die Wirtschaft Edmontons beflügelt“, berichtet CBRE-Mann Wong.

Und wenn man berücksichtigt, dass die 730 000-Einwohnerstadt zu den Wirtschaftsregionen der Welt mit dem größten Mietpreiswachstum im Bürosektor überhaupt gehört, muss am Ölfieber schon etwas dran sein. Im Frühjahr 2007 zahlten Unternehmen der Region bis zu 60 Prozent mehr Miete als im Jahr zuvor. „Vom Rohstoffboom profitiert der gesamte Bundesstaat Alberta. Die jetzigen Firmenansiedlungen sind eine Wette auf die Zukunft“, sagt Ottmar Schlüter, Sprecher beim Fondsinitiator Blue Capital, der seinen letzten Kanada-Fonds 2004 emittiert hat. Auch KGAL-Geschäftsführer Waltenbauer kennt sich aus in der Region. Die jüngste Alcas-Kanada-Beteiligung „Office Towers II“ hat in zwei Bürogebäude investiert, eines davon steht in Edmonton. „Unser Hauptmieter ist im Ölgeschäft tätig“, sagt Waltenbauer.

Etwas gemächlicher, aber durchweg positiv, entwickeln sich die übrigen kanadischen Immobilienmärkte. Das gilt vor allem für Vancouver, Ottawa, Calgary und abgeschwächt auch für Montreal. Grund genug für Fondsinitiator MPC Münchmeyer Petersen, sich erst einmal vom kanadischen Markt zu verabschieden. Seit 2001 brachte der deutsche Marktführer für Kanadafonds acht Beteiligungen mit einem Gesamtvolumen von 1,3 Mrd. kanadischen Dollar (918 000 Euro) heraus. „Auf Grund der gestiegenen Immobilienpreise sehen wir Kanada genau wie die USA als Verkäufermarkt“, sagt MPC-Sprecher Till Gießmann. Allein 2006 hat MPC zehn Fondsimmobilien in Ottawa, Toronto und Burnaby im Wert von 540 Mill. kanadischen Dollar (380 Mill. Euro) veräußert und plant auch vorerst keine neuen Ankäufe.

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