Preise steigen
Bürobedarf in Moskau ist noch nicht gedeckt

Die Meinungen über Moskaus Büroimmobilienmarkt gehen auseinander. Für die einen ist der Boom vorüber. Die anderen sehen wegen der wenigen Bauflächen weiter steigende Preise.

mbr MOSKAU. Die Skeptiker befürchten, dass das Geld zu knapp wird, um den Boom weiter zu nähren – auch weil angeschlagene Banken bei der Kreditvergabe auf der Bremse stehen. "Die Bankenkrise ist noch lange nicht ausgestanden, und deshalb geben die Immobilienpreise jetzt erstmals seit Jahren nach. Sogar von Notverkäufen ist inzwischen die Rede", sagt eine Moskauer Immobilienexpertin, die nicht namentlich genannt werden möchte.

Hingegen sehen westliche Immobilienanalysten keine Krisensignale: "Es besteht weiter sehr großer Nachholbedarf, besonders bei Büroflächen mit internationalem Standard", sagt Hans-Georg Feesche von Aengevelt Immobilien in Moskau. "Kunden gibt es genügend, aber wenig freie Flächen. Wer sich nicht schnell entscheidet, dem entgeht ein neues Büro." Dabei steigen nach seiner Beobachtung die Preise für Büroflächen der westlichen Standards A und B seit Jahren zweistellig. Inzwischen würden 2500 bis 3500 Dollar pro Quadratmeter (qm) Büroraum bzw. 480 bis 580 Dollar je qm Jahresmiete gezahlt. Allerdings haben die Mieten damit noch nicht wieder das Niveau von Ende der 90er-Jahre erreicht.

Die Moskauer Makler Stiles & Riabokobylko (S & R) kalkulieren derzeit sogar mit einem Durchschnittskaufpreis in Zentrumslagen von 4053 Dollar/qm – rund 600 Dollar mehr als vor einem Jahr. Die Jahresmiete veranschlagen sie mit 567 Dollar um zehn Prozent höher. Das Geschäft werde aber ruhiger. Im ersten Halbjahr 2004 seien um 26 Prozent weniger Büros vermietet und verkauft worden als in der gleichen Vorperiode.

Dennoch eröffnet der Mangel an Baugrund Chancen auf weiter steigende Preise. Denn Moskau bleibt mit Büroflächen internationalen Standards von gut 3,3 Mill. qm weit hinter europäischen Metropolen zurück. Wenn die Stadt bis Ende 2005 über 4,5 Mill. qm verfügt, wie S & R schätzt, wird dies erst ein Zehntel der heute in Paris verfügbaren Bürofläche sein.

Neben dem Büroimmobilienmarkt verzeichnete auch der Markt für Wohnungen kräftige Preissprünge. Allein zwischen Januar 2003 und Juli 2004 kletterte der Durchschnittspreis einer Wohnung in der russischen Hauptstadt um rund 800 auf 1803 Dollar/qm. Und dies, obwohl seit dem Jahr 2000 allein 15,9 Mill. qm neuer Wohnraum entstanden sind. In diesem Jahr kommen weitere 4,5 Mill. qm hinzu.

Quelle: Handelsblatt Nr. 156 vom 13.08.04 Seite 34

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